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12:48 19 Oktober 2019
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    Apple Store in Peking (Archivbild)

    Apple beugt sich China - Wie die Wirtschaftsmacht Pekings westliche Konzerne zähmt

    © AP Photo / Andy Wong
    Wirtschaft
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    Verbot von Apps, keine Emojis mit Taiwan-Flagge, Stopp aller NBA-Übertragungen. Um auf dem chinesischen Markt zu bleiben, sehen sich Konzerne wie Apple, Versace oder Daimler oftmals gezwungen zu gehorchen. Die Firmen beugen sich dem Druck, denn die Regierung in Peking zeigt wenig Gnade, wenn es um fundamentale Meinungsverschiedenheiten geht.

    Immer mehr Konzerne sehen sich gezwungen, auf Bitten Chinas umgehend zu reagieren. Schließlich ist die chinesische Wirtschaftsmacht eine der einflussreichsten des Planeten, mit nach wie vor steigender Tendenz. Sogar ein Weltkonzern wie Apple werde, jedenfalls einem Bericht der Zeitung „Welt“ zufolge, in die Knie gezwungen. In letzter Zeit wurden besonders oft Produkte dieser Firma zurückgezogen, um gegenüber der Pekinger Regierung nicht in Ungnade zu fallen.

    Unter dem Druck der chinesischen Regierung

    Angefangen mit dem Fehlen des Emoji für die Taiwanesische Flagge beim neuesten Update des „iPhone“. Die Erfahrung machten Benutzer in Hongkong und Macao, da in den Augen der chinesischen Regierung Taiwan kein souveräner Staat, sondern eine abgelegene Provinz ist. Auch wenn in Hongkong und Macao Meinungsfreiheit herrscht, entschied sich Apple dagegen, Peking zu trotzen.

    Sie entfernten ebenfalls die App „HKmap.live“, die Demonstranten in Hongkong die Standorte von Polizisten und den Gebrauch von Tränengas anzeigte. Nach dem Vorwurf, dass sich Apple mit den Demonstranten solidarisiere, verschwand die App aus dem Appstore. Der Konzern begründete die Entfernung jedoch damit, dass die App die Sicherheit von Polizisten gefährde. Darüber berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in einem Artikel.

    Der Konzern hätte auch gute Gründe für eine solche Reaktion, beschreibt die „Welt“ die Situation. Denn Apple konnte am Beispiel der NBA, der US-amerikanischen Basketball-Liga sehen, wie ernst es die chinesische Regierung meint: Nachdem ein NBA-Manager seine Sympathien für die Demonstrationen in Hongkong offenbarte, beschlossen die Verantwortlichen in Peking, sämtliche Übertragungen der NBA-Spiele in China zu stoppen.

    Ausbreitung „chinesischer Propaganda“ auf das Ausland?

    Doch nicht nur Apple und die NBA sind betroffen. Auch Daimler habe Chinas Zorn erlebt, als sie ein Dalai Lama Zitat auf Instagram publizierten, wie die „Welt“ schreibt. Dabei sei dieses soziale Netzwerk gar nicht zugänglich für chinesische Nutzer. Vor wenigen Wochen mussten auch die Manager der Modelabel Versace, Givenchy und Coach auf Drängen chinesischer Offizieller öffentlich einen Fehler eingestehen und sich dafür entschuldigen: die Kleidung habe den Anschein erregt, dass Taiwan und Hongkong unabhängig von China sein könnten.

    Mareike Ohlberg, Mitglied des Mercator Institute for China Studies in Berlin, sprach dazu mit der „Welt“. Sie deutete diese harschen Reaktionen als ein Zeichen der Verzweiflung: „Das Thema Hongkong ist für die Kommunistische Partei ein Riesenproblem“, meint Ohlberg und ist darüber hinaus der Ansicht: „Seit Xi Jinping an der Macht ist, versucht die Partei nicht nur, die Meinungen im Inland zu kontrollieren, sondern zunehmend auch im Ausland“. Im Internet werde deshalb „zunehmend die offizielle Version des Regimes verbreitet“, zitiert die „Welt“ die Wissenschaftlerin vom Mercator Institut.

    Oftmals sei es nicht die Führung selbst, die sich zu diesen wirtschaftlichen Fällen äußere. Der „Welt“ zufolge reagieren die Firmen auf den Volkszorn aus dem Internet, der von Peking gesteuert werde. Dabei handelt es sich um die „50-Cent-Partei“, eine Gruppe von Leuten, die Beiträge auf sozialen Medien kommentieren. Dafür würden die Blogger angeblich oder tatsächlich mit 50 Cent pro Beitrag von der chinesischen Regierung bezahlt (daher auch „50-Cent-Partei“). Es sei daher nicht verwunderlich, dass die dort nachzulesenden Meinungen in ihrem Sinne Propaganda wiedergeben, sind die Autoren des „Welt“-Artikels überzeugt.

    Nicht nur die Wirtschaft ist betroffen

    Auch wissenschaftliche Studien würden aus „Selbstzensur“ vor der Publikation zurückgezogen. Grund dafür sei die Furcht vor der Verweigerung eines Visums. Dazu gehört der australische Forscher James Leibold, der eine Studie über die Auswirkung chinesischer Infrastrukturprojekte geleitet hatte. Da er sich aber vor allem auf chinesische Minderheiten konzentrierte, entschieden er und seine Kollegen sich dagegen, die Resultate zu veröffentlichen.

    Nicht zuletzt die auch in China beliebte US-Zeichentrick-Serie South Park wurde in China verboten, da sich die Macher in der neuerschienenen Folge über die ihrer Meinung nach devote Haltung von Unternehmen gegenüber Chinas Forderungen lustig machten. Als Spitze der Absurdität, sei auch der Cartoon „Winnie Puuh“ verboten worden, so die „Welt“. Der Grund: Präsident Xi Jinping wurde im Internet mit dem Bären verglichen.

    lm

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    Tags:
    Taiwan, Hongkong, USA, China, Apple