06:55 18 November 2019
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    Neue Studie: „Made in Russia“ kämpft mit Hindernissen

    Neue Studie: „Made in Russia“ kämpft mit Hindernissen

    © Sputnik / Ramil Sitdikow
    Wirtschaft
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    Laut einer aktuellen Analyse des internationalen Kreditversicherers Coface wirkt die Strategie der russischen Regierung für lokale Produktion. Allerdings begrenzt.

    Russland verfolgt seit einigen Jahren das Ziel, die Abhängigkeit von Einfuhren und schwankenden Rohstoffpreisen zu verringern. Im Zuge dieser Diversifizierung der Wirtschaft wurden neue Instrumente eingeführt, die Modernisierung, Technologie und Innovation fördern sollen:

    „Es gibt viele Initiativen, die Unternehmen helfen sollen, den Umstieg zu bewältigen. (Es) wurden Anreizsysteme wie Sonderwirtschaftszonen, öffentliche Mittel, Annäherung von Forschung und Industrie sowie Ausfuhrunterstützungen entwickelt“, erläutert Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria über das österreichische Presseportal Apa.

    Das sind etwa spezielle Investitionsverträge zur Förderung ausländischer Investitionen, selektive Steuersenkungen für „Made in Russia“-Produkte, privilegierter Zugang zu öffentlichen Aufträgen.

    Der Coface-Studie zufolge wurden in den Sektoren Agrar- und Ernährungswirtschaft, Pharmazie, Automobil- und Informationstechnologie bereits gute Erfolge erzielt. Doch „die Bereitschaft, Importe durch lokale Produktion zu ersetzen, hängt von vielen Faktoren ab, die nicht alle gegeben sind“, heißt es in der jüngsten Studie des internationalen Kreditversicherers.

    Laut Coface-Ökonom Dominique Fruchter, dem Verfasser der Studie, müsse die russische Regierung eine tiefgreifende und langfristige Transformation der russischen Produktionsketten einleiten: „Vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Ressourcen, der Modernisierung von Produktionslinien und der Verbesserung des Geschäftsumfelds bleibt die Strategie ‚Made in Russia‘ kompliziert und ein langfristiges Engagement“, so die Analyse des Wirtschafts-Experten.

    Angestiegene Nahrungsmittelproduktion

    Die wichtigsten Ergebnisse seien im Agrar- und Ernährungssektor erzielt worden, so die Studie. Russland hatte die Einfuhr aus Ländern erschwert, die ihrerseits Sanktionen gegen Russland verhängten. Die dementsprechend höheren Preise für Importwaren lenkten die russischen Verbraucher zu lokal hergestellter Ware. Das habe zu einem deutlichen Anstieg der Nahrungsmittelproduktion geführt: Russland konnte zum Beispiel die Versorgung mit Fleisch rechnerisch in Gänze aus eigener Produktion erreichen. „Allerdings führt die teilweise geringere Qualität bestimmter Produkte dazu, dass die Verbraucher trotz höherer Preise zu Importen greifen“, räumte der Manager ein.

    Informations-und Kommunikationstechnologie

    Im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sei es dem öffentlichen Sektor untersagt, Computer-, Telekommunikations- und Haushaltsgeräte zu importieren, wenn es lokale Hersteller gebe, die vergleichbare Waren anbieten würden. Gleichzeitig versuchten die Behörden, die Produktion elektronischer Komponenten auszuweiten, um dem westlichen Embargo für den Verkauf von Technik für den Energie-, Nachrichten- und Verteidigungssektor zu begegnen, so die Mitteilung. Allerdings bliebe der Ertrag bescheiden, hieß es.

    Steuerliche Anreize für lokale Produktion – Pharma und Automotive

    Im Pharmasektor gebe es steuerliche Anreize für lokale Produktion und Vorteile für heimische Produkte auf öffentlichen Märkten. Ausländische Unternehmer, die einen Investitionsvertrag mit russischen Behörden abschließen würden, könnten ebenfalls von einer Exklusivität mit dem Staat profitieren. Doch seien auch hier sind die gesetzten Ziele noch lange nicht erreicht.

    Im Automobilsektor würden ausländischen Unternehmen steuerliche Anreize, ein privilegierter Zugang zu öffentlichen Aufträgen und Schutz vor zukünftigen Steuerentwicklungen geboten. Als Gegenleistung verpflichteten sich die Hersteller zur lokalen Produktion und Innovationsförderung. „Aber wenn Opel seine Rückkehr auf den russischen Markt ankündigt, wird Ford seine Fabriken dort schließen“, erwartet Michael Tawrowsky.

    Sanktionen und Gegenmaßnahmen, sowohl aktuelle als auch potenzielle, das Unternehmensumfeld, zunehmende politische Risiken sowie der Mangel an verfügbaren Arbeitskräften würden laut Coface in- wie ausländische Investitionen belasten.

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    Tags:
    Wirtschaft, US-Sanktionen, Sanktionen, künstliche Intelligenz, Pharmazie, Agrarwirtschaft, Deutschland, Import, Produktion, Russland