05:32 15 November 2019
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    Großraumfrachter An-225 (Archiv)

    Großfrachter An-225: Wieder ein Verkauf an die Chinesen?

    © Sputnik / Stringer
    Wirtschaft
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    Wenn dieser Deal gelingt, erhält China nicht nur ein Frachtflugzeug der Superlative. Die chinesische Industrie bekommt damit auch Spitzen-Knowhow aus dem Bereich Luftfahrt. Die Ukraine verhandelt mit China offenbar über die Abgabe von Technologien und Rechten am Großraumfrachter An-225, wie das Portal „Sohu“ berichtet.

    Großprojekte wie die Weiterentwicklung und Serienfertigung der An-225 kann sich die heutige unabhängige Ukraine offensichtlich nicht leisten, schreibt das chinesische Portal: Vorhandene Technologien werden, wie das Militärerbe aus der Sowjetzeit, ausverkauft. Das in der Sowjetunion entwickelte Strahltriebwerk D-18T, das Kernstück des Antonow-Giganten, hat die Ukraine bereits an China abgegeben. Jetzt sollen laut dem Portal weitere Schlüsseltechnologien der An-225 China überlassen werden.

    ​„China kauft gegenwärtig Industrietechnologien auf der ganzen Welt auf. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Luftfahrtindustrie. Ein Ziel, das sich die chinesische Führung in diesem Bereich gesetzt hat, ist der Bau von Großraumverkehrs- und schweren Frachtflugzeugen“, erklärt Wirtschaftswissenschaftler Boris Schmelew, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, im Sputnik-Gespräch.

    Die An-225 könnte dabei als Technologieträger dienen: „Ich denke, mit gekauften Technologien könnte China relativ schnell die Serienfertigung der An-225 starten und zusätzlich auf deren Basis eine Wide-Body-Passagiermaschine entwickeln“, sagt der Experte.

    Die An-225 war von ihrem Erstflug an über lange Zeit das weltgrößte und -schwerste Flugzeug überhaupt: 640 Tonnen max. Startgewicht, 84 Meter Länge, über 88 Meter Spannweite, 250 Tonnen max. Nutzlast. Entworfen und entwickelt wurde die An-225 in der Sowjetunion, im Designbüro Antonow in Kiew, die Komponenten wurden teils aus Russland, teils aus Usbekistan zugeliefert.

    Das Antonow-Team hatte die bereits fliegende An-124 als Grundlage für die An-225 verwendet. Die vierstrahlige Transportmaschine wurde gemäß dem künftigen Einsatzzweck – Beförderung der Raumfähre „Buran“ – als Sechsstrahler ausgebaut. Ende 1988 waren die Arbeiten abgeschlossen, es erfolgten Huckepack-Testflüge mit der Raumfähre.

    Ende der 1980er Jahre führte die Wirtschaftskrise in der Sowjetunion zu massiven Kürzungen im sowjetischen Weltraumprogramm. Die Entwicklung der Raumfähre „Buran“ wurde eingestellt. Die An-225 wurde, weil ohne weitere Verwendung, eingemottet. Diese Maschine ist das bislang einzige flugfähige Exemplar der An-225.

    Dass Kiew die Rechte an der An-225 an China abtreten möchte, wurde schon berichtet. Der chinesische TV-Sender „CCTV“ meldete 2016, Antonow und China Airspace hätten den Kauf bereits vereinbart, doch später dementierte Antonow die Meldung.

    An-225 gegen Marktzugang?

    Wenn China die Schlüsseltechnologien für den Bau der An-225 bekommt, wird es seine Fähigkeiten zur mobilen Verlegung und zum strategischen Transport auf eine andere Stufe heben, schreibt das Portal „Sohu“. Zudem würde die chinesische Luftfahrtindustrie eine Menge Zeit, Geld und Kraft bei der Entwicklung schwerer Frachtflugzeuge sparen.

    „Die Ukraine ist technologisch nicht in der Lage, die An-225 zu bauen. Deshalb hat Kiew offenbar beschlossen, durch den Verkauf von Ausrüstung, Bauplänen und Technologien an China zu verdienen und parallel dazu die Beziehungen zu China zu festigen“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Schmelew. „Die Ukraine verspricht sich davon chinesische Investitionen und den Zugang zum chinesischen Markt, den sie als sehr lukrativ betrachtet.“

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    Tags:
    Produktion, Rechte, Flugzeugbauer KB Antonow, China, Ukraine