22:01 16 November 2019
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    Das Kraftwerk „Datteln 4“ (Archiv)

    Trotz Kohleausstiegs: Neues Kohlekraftwerk geht im Ruhrgebiet 2020 in Betrieb

    CC BY-SA 3.0 / Maschinenjunge / Kraftwerk Datteln IV Neubau
    Wirtschaft
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    Trotz des beschlossenen Kohleausstiegs soll ein neues Kohlekraftwerk in Deutschland ans Netz gehen. Das wurde aus Regierungs- und Branchenkreisen bekannt.

    Nach jahrelangen Verzögerungen wegen rechtlicher und technischer Probleme will der Betreiber Uniper das Kraftwerk „Datteln 4“ nun im Sommer 2020 ans Netz bringen. Nach eigenen Angaben investierte der Konzern in die 1100-Megawatt-Anlage über 1,5 Milliarden Euro.

    „Das Kraftwerk Datteln 4 kann in Betrieb gehen“, sagte ein Regierungsvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

    In der Branche wurde dies laut der Agentur bestätigt.

    Datteln 4

    Bei der im Norden des Ruhrgebietes liegenden Anlage handelt es sich um das größte Steinkohlekraftwerk in Deutschland und um den einzigen Neubau von Kohlekraftwerken im Land. Datteln 4 soll auch Strom für die Deutsche Bahn liefern.

    Das Kraftwerk sollte ursprünglich schon im Jahr 2011 fertig werden. Wegen zahlreicher Pannen verzögerte sich der Abschluss der Arbeiten aber jahrelang.

    Sollte das Kraftwerk wie geplant ab Sommer arbeiten, hätte dies auch Auswirkungen auf RWE. Der Konzern will aus einem vor über zehn Jahren geschlossenen Stromliefervertrag aussteigen, unter anderem wegen der Verzögerungen des Projekts. In diesem Jahr hatte RWE hier aber eine Niederlage vor Gericht erlitten.

    Energiewende

    Kohlekraftwerke stehen aufgrund ihres Schadstoffausstoßes in der Kritik. Aktuell sind in Deutschland noch mehr als 100 Kohlekraftwerke in Betrieb. Laut der deutschen Regierung sollen die erneuerbaren Energien vor allem die Kernkraft und Kohle als Energieträger ersetzen.

    Im Juni 2018 wurde die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung eingesetzt, die einen Plan und ein Datum für einen Kohleausstieg erarbeiten sollte. Am 26. Januar 2019 beschloss die Kohlekommission den Kohleausstieg bis spätestens 2038.

    Entschädigungen für abgeschaltete Kraftwerke

    Im nächsten Monat will die Regierung ein Kohle-Ausstiegsgesetz im Kabinett beschließen, das sich zunächst auf die Steinkohle bezieht. Der Bund will jährlich Prämien für Meiler ausloben, die die Betreiber freiwillig abschalten. Es wird davon ausgegangen, dass dann zunächst alte und ineffiziente Anlagen vom Netz gehen.

    Im Fall von „Datteln 4“ wurde aber auf eine Entschädigungslösung verzichtet. In Regierungskreisen wurde dies damit begründet, dass die hochmoderne Anlage vergleichsweise wenig CO2 ausstoße. Es sei unsinnig, mehrstellige Millionenbeträge an Entschädigung zu zahlen. Stattdessen sei es gerade für das Klima sinnvoller, mehr alte Kohlekraftwerke abzuschalten.

    mo/tm/rtr

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    Tags:
    Kohleausstieg, Deutschland