04:59 18 November 2019
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    Rohrleitung der Pipeline Nord Stream 2

    Nord Stream 2 AG will mit Hilfe Deutschlands den EU-Regulierungsdruck mindern

    © Foto: Nord Stream 2/Axel Schmidt
    Wirtschaft
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    Das Ringen um Europas Energie – Alles Wichtige zu Nord Stream 2 (60)
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    Nach dramatischen Debatten im Deutschen Bundestag um das Gesetz zur Umsetzung der EU-Gasrichtlinie soll eine neue Abstimmung voraussichtlich in zwei Wochen stattfinden. Dieses Gesetz kann dem russischen Staatskonzern Gazprom helfen, die Aufspaltung der Ostsee-Pipeline durchzusetzen, um den EU-Regulierungsdruck zu mindern.

    Nach Informationen des Handelsblatts hat die Nord Stream 2 AG bereits eine Gesellschaft gegründet, in die ein Teilstück der Pipeline ausgelagert werden kann und die letzten zwölf Seemeilen, die durch deutsche Hoheitsgewässer führen, umfasst. Die restlichen 1200 Kilometer wären dann von europäischer Regulierung nicht erfasst. Die Leitung ist fast fertig. Nach der Zustimmung des letzten Landes Dänemark erhält sie nun das grüne Licht.

    Dennoch kann es Gasprom vor dem ursprünglich bekanntgegebenen Starttermin, dem 1. Januar nicht schaffen. Bestenfalls geschieht es in den ersten Monaten des Jahres 2020. Aber Nord Stream 2 stärkt laut Expertenmeinungen Russlands Positionen bei den Verhandlungen mit der Ukraine über die Fortsetzung des Gastransits. selbst wenn es mit Verspätung anläuft.

    Gefahr von US-Sanktionen noch nicht gebannt

    Theoretisch können die Gasleitung bzw. die an ihrem Bau beteiligten Unternehmen noch mit US-Sanktionen belegt werden. Doch gab der Anwärter auf das Amt des Botschafters in Russland John Sullivan bei seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Senats zu, dass Washington den Fertigbau von Nord Stream 2 nicht mehr beeinflussen kann.

    Seine Inbetriebnahme Anfang 2020 wird Gasproms Interesse am ukrainischen Gastransportsystem drastisch reduzieren. Der Leiter des Instituts für nationale Energiewirtschaft Sergei Prawossudow meinte im Sputnik-Gespräch, Russland habe es damit nicht eilig.

    „Anfangs wollte man Nord Stream 2 vor Ablauf des alten Transitvertrags mit der Ukraine starten, d. h. gegen das Ende dieses Jahres. Inzwischen steht aber fest, dass man mit EUGAL, der oberirdischen Fortsetzung von Nord Stream 2 auf deutschem Boden, mit Sicherheit nicht rechtzeitig fertig sein wird. Auch wird man sie nicht ab sofort mit Vollauslastung betreiben können. Diese soll allmählich erreicht werden, folglich hätte es gegenwärtig keinen Sinn, sich bis zum Jahresende zu schinden. Von daher bleibt der Transit durch die Ukraine für weitere zwei bis drei Jahre auf jeden Fall bestehen.“

    Was Dänemark angeht, hat es laut dem Experten keine Chance gehabt, diese Genehmigung nicht zu erteilen, nachdem es den Bau von Nord Stream 1 freigegeben hatte. „Nord Stream 2 soll nämlich über dieselbe Route verlegt werden. Trotzdem hat Dänemark lange gefeilscht. Was es dadurch erreicht hat, werden wir nie erfahren. Es hat eher mit Deutschland gefeilscht, das ebenfalls an dem Bau dieser Pipeline stark interessiert ist.“

    Dem Unternehmen Nord Stream 2 AG zufolge sind inzwischen mehr als 2000 Kilometer des Pipeline-Doppelstrangs verlegt worden. In russischen, finnischen und schwedischen Gewässern seien die Arbeiten vollständig, in deutschen Gewässern größtenteils abgeschlossen. Der Bau beider Anlandestationen in Russland und Deutschland steht kurz vor dem Abschluss. Jährlich sollen in Zukunft 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Rohre nach Deutschland fließen - wenn sich nicht doch noch die Gegner durchsetzen.

     

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    Themen:
    Das Ringen um Europas Energie – Alles Wichtige zu Nord Stream 2 (60)
    Tags:
    Deutschland, Gazprom, Pipeline-Projekt Nord Stream 2, Nord Stream 2, Erdgas, Gas, EU, Richtlinie, Nord Stream