08:28 10 Dezember 2019
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    Der Zug, der die Reise aus Mukran nach Xi’an antritt, war am Dienstag ebenfalls zu sehen.

    „Neue Seidenstraße“: Erster Warenzug aus China in Mecklenburg-Vorpommern angekommen

    © Sputnik / Valentin Raskatov
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    Ein erster Güterzug aus China ist auf Rügen angekommen. Die Route gehört zur „neuen Seidenstraße“ und den letzten Teil der Strecke legen die Container mit einer Fähre von Kaliningrad nach Sassnitz zurück – von wo aus sie per Zug weiter nach Hamburg rollen. Sputnik ist vor Ort gewesen.

    Der erste Güterzug über die „neue Seidenstraße“ ist am Dienstag in Mecklenburg-Vorpommern angekommen. In der chinesischen Stadt Xi'an gestartet, hat er in zwölf Tagen über 10.000 Kilometer zurückgelegt. Er fuhr dabei durch China, Kasachstan, Russland, Weißrussland, Litauen und wurde schließlich in der Enklave Kaliningrad auf eine Fähre verladen, um im Hafen Mukran der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern am späten Nachmittag anzukommen.

    Damit wird eine geschichtsträchtige Verbindung aufgenommen. Denn zwischen dem damals sowjetischen Hafen Klaipėda und dem DDR-Hafen Mukran fanden seit 1986 regelmäßig Fährtransporte von überwiegend Militärtechnik statt. Anstelle von Klaipėda startete die Fähre diesmal vom russischen Hafen Baltijsk und anstelle von Militärmaterialien brachte es diesmal Container mit Hightech-Waren aus China.

    Drei Länder – eine Eisenbahnlinie

    Für eine reibungslose Überfahrt mussten sich vorher die Eisenbahngesellschaften dreier Länder einigen, denn die Züge aus China verkehren über Kasachstan, Russland und Weißrussland. Man einigte sich im Format der „United Transport and Logistics Company – Eurasian Rail Alliance“ (UTLC ERA) und arbeitete ein Transportformular aus, das auf ein A4-Blatt passt.

    Die Strecke nach Mukran wurde innerhalb einer Rekordzeit von unter einem Jahr ins Leben gerufen. „Das liegt daran, dass alle Seiten, die mit dem Transport zu tun haben, von Anfang höchste Ausdauer an den Tag gelegt haben, um ihre Kunden zu überzeugen, erste Waren über diese neue Route transportieren zu lassen“, erklärt Alexey Grom, Geschäftsführer von UTLC ERA gegenüber Sputnik. „Wobei man sie natürlich nicht als gänzlich neu bezeichnen kann, denn sie war seinerzeit bereits als Bindeglied zwischen der Sowjetunion und der DDR geplant. Und nun gibt es die beiden Länder schon lange nicht mehr, aber die Leute, die aus jener Zeit das Beste herausholen wollten, konnten diesen Korridor schaffen und ich glaube, er hat eine große Zukunft vor sich.“

    Die Initiative dabei sei vor allem vom Hafen Mukran selbst ausgegangen. Man habe „alle nördlichen Häfen Deutschlands besucht“, es hätten sich auch verschiedene gute Projekte abgezeichnet. „Aber es hat sich so ergeben, dass Mukran den größten Wunsch gezeigt hat, das so schnell wie möglich zu realisieren. Es wurden die richtigen Partner in China gefunden, wir haben sehr schnell einen guten Kommunikationsweg mit dem Hafen Mukran hergestellt“, so Grom.

    Über eine Million Container jährlich auf der Schiene

    Der Warenaustausch zwischen Europa und China über See beträgt jährlich etwa 23 Millionen Container. Tendenz: steigend. Die „neue Seidenstraße“ sieht Grom zunächst als eine Ergänzung, um die Massenströme zu bewältigen und einen schnelleren Transportweg zu sichern. Über das Schienennetz seien bislang Transporte vom Umfang von lediglich einer halben Million Container geflossen. „Mit der Eröffnung dieses Korridors wird dieser Umfang mindestens doppelt so groß werden. Es wird mindestens eine Million Container über die Eisenbahn transportiert werden“, betont Grom.

    Interviewpartner Alexey Grom
    © Sputnik / Valentin Raskatov
    Interviewpartner Alexey Grom

    Von Rügen fährt dieser Zug nach Hamburg weiter. Es gibt auch andere Strecken, die nicht minder beachtlich sind: Über 10.300 Kilometer fuhr etwa im August der erste Zug bis ins italienische Verona. Die längste bereits befahrene Strecke verbindet die chinesische Stradt Yiwu mit der spanischen Stadt Madrid und ist über 13.000 Kilometer lang. Den Vorteil der Fährenverbindung nach Rügen sieht Grom vor allem in Zeitersparnis, denn so können die Container vom Zug auf die Fähre gehievt werden und der breitspurige Zug muss nicht für das europäische Gleissystem umgespurt werden, was auf den anderen Strecken im weißrussischen Grenzbahnhof Brest passiert.

    Das Interview mit Alexey Grom zum Nachhören:

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    Tags:
    Kasachstan, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Weißrussland, Russland, China, Neue Seidenstraße