14:30 14 Dezember 2019
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    Börse in Saudi-Arabien im November 2019 - Saudi-Aramco macht den größten Börsengang aller Zeiten

    Ölgigant Saudi-Aramco: Größter Börsengang aller Zeiten gestartet – Was bringt er der Weltwirtschaft?

    © AFP 2019 / FAYEZ NURELDINE
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    Der womöglich größte Börsengang aller Zeiten ist gestartet. Seit Sonntag bietet der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco <IPO-ARAM.SE> seine Aktien an, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Auswirkungen auf die internationale Wirtschaft (und Politik) könnten erheblich sein.

    Durch seinen Börsengang könnte der Ölgigant Saudi-Aramco zu einem großen Spieler in der Finanzwelt werden. Wie der saudi-arabische Konzern mitteilte, solle die Preisspanne für die drei Milliarden Aktien – ein Firmenanteil von zunächst nur 1,5 Prozent – zunächst zwischen 8,00 Dollar und 8,50 Dollar liegen. Damit könnte der Börsengang auf ein Volumen von bis zu 25,6 Milliarden Dollar kommen und so der größte aller Zeiten werden, rechnet Reuters vor.

    Die Geschichte des Konzerns hat derweil eine enge Beziehung zu einer mächtigen amerikanischen Familie und dort auch ihre Wurzeln.

    Der Startschuss für den Konzern geht nämlich auf das Jahr 1938 zurück, als die Standard Oil Company der Rockefeller Familie auf Öl in Saudi-Arabien stieß.

    Unter dem Namen Arabia American Oil Company erreichte das Unternehmen schon im Jahr 1949 eine Produktionsmenge von 500.000 Barrel pro Tag. Bis 1980 kaufte dann die saudi-arabische Regierung alle anderen Anteilseigner aus der Firma heraus, die acht Jahre später offiziell als Saudi Arabian Oil Company (Saudi Aramco) gegründet wurde.

    Die Reserven des Konzerns sind gewaltig.

    Laut Reuters hatte Saudi Aramco im Jahr 2017 260,2 Milliarden Barrel an Öläquivalenten.

    „Das ist mehr als die Reserven von Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell, BP und Total zusammen.“

    Die Lebensdauer der Reserven werde im Moment auf 54 Jahre geschätzt.

    Bedeutung in Öl-Produktion und -Handel

    Der Erfolg des Konzerns geht allerdings nicht nur auf die Menge des Öls, sondern auch auf die immens niedrigen Produktionskosten zurück. So produzierte Saudi-Aramco im vergangenen Jahr 10,3 Millionen Barrel Öl pro Tag (bpd) mit den mit Abstand niedrigsten Produktionskosten der Welt. Nach Angaben des Unternehmens belaufen sich diese auf 2,80 Dollar pro Barrel (159 Liter). Bei gegenwärtigen internationalen Ölpreisen wird der Export des „Schwarzen Goldes“ in der Tat zu einer Goldgrube.

    Zugleich liegen die Hauptabsatzmärkte des Konzerns nicht etwa in Europa, sondern vor allem in Asien.

    So wurden fast drei Viertel der Aramco-Ölexporte – 5,2 Millionen Barrel pro Tag – im vergangenen Jahr an Kunden in Asien geliefert. Mehr als eine Million Barrel pro Tag ging an Nordamerika, nur 864.000 an Europa.

    Der Konzern expandiert allerdings nicht nur durch die Steigerung seiner Rohölexporte, sondern auch durch eine Neuausrichtung auf die Bereiche Raffinierung und Petrochemie. So hat sich Aramco das Ziel gesetzt, die Produktion von Chemikalien bis 2030 zu verdreifachen. Zudem soll die Weiterverarbeitungskapazität weltweit deutlich zulegen.

    Um diesem Ziel gerecht zu werden, entschied sich die Konzernführung, ein Netz von Raffinerien nicht nur in Saudi-Arabien, sondern auch in anderen Staaten aufzubauen.

    „So gehört etwa die größte Raffinerie der USA in Port Arthur, Texas, der Aramco-Tochter Motiva Enterprises“, schreibt hierzu Reuters.

    All dies macht den saudischen Staatskonzern zum größten Ölproduzenten der Welt, der zehn Prozent des weltweiten Vorrats hochpumpt. Die Gewinne sind gewaltig – Tendenz steigend. Allein im vergangenen Jahr soll sich der Gewinn auf 111 Milliarden Dollar belaufen haben – mehr als ein Drittel höher als die Gewinne von Exxon, Shell, BP, Chevron und Total zusammen.

    Zudem beschäftigt der Konzern rund 76.000 Menschen.

    Wird aus wirtschaftlicher Größe auch politisches Kapital?

    So beeindruckend die Zahlen sind, so mächtig ist auch der Konzern auf der globalen Weltwirtschafsbühne.

    Interne Konzernentscheidungen können über Ölpreisanstiege oder Senkungen in Europa und den USA entscheiden und über das Wohl ganzer Wirtschaftszweige in ölabhängigen Staaten bestimmen.

    Der Gang an die Börse, wenn auch nur mit einem kleinen Anteil der Unternehmensaktien, dürfte die globale Wirtschaftsmacht des Konzerns noch weiter festigen.

    Inwieweit Saudi-Aramco allerdings diese wirtschaftliche Macht in politisches Kapital umwandeln will, bleibt vorerst unklar.

    Höchstwahrscheinlich dürfte das mit aktuellen politischen Gegebenheiten in Nahost unmittelbar zusammenhängen. Bedenkt man, wie angespannt die Lage in der ganzen Region ist und wie viele Rivalitäten dort wurzeln, droht die Weltwirtschaft zu einer Geisel der Ölindustrie dieser Region zu werden.

    Einen Hauch dieser Abhängigkeit durfte die Weltöffentlichkeit schon im September dieses Jahres begutachten. Am 14. September wurde die Ölraffinerien von Saudi Aramco in Abqaiq und Churais von Raketenangriffen getroffen. Das Land war daraufhin gezwungen, seine Ölproduktion zu halbieren. Finanzmärkte rund um die Welt reagierten verschreckt auf diese Entscheidung, eine Preisexplosion wurde befürchtet.

    Obwohl sich diese Befürchtungen damals nicht erfüllten, wurde die Abhängigkeit der internationalen Wirtschaft von der wackeligen Lage am Persischen Golf unübersehbar demonstriert.

    ng/mt/Reuters

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    Tags:
    Nahost, Weltwirtschaft, Börsenhandel, Börsenwert, Börsengang, Börse, Saudi-Arabien, Saudi Aramco