06:57 06 Dezember 2019
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    Tesla in Deutschland (Archivbild)

    „Das werden deutsche Autos“ – Experten zu deutschem Teslawerk

    © REUTERS / FABRIZIO BENSCH
    Wirtschaft
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    Im Tesla steckt viel deutsche Technik. Deutschland als Standort für das vierte Teslawerk ist kein Zufall. Am Ende werden aus den E-Fahrzeugen Elon Musks deutsche Autos – sind sich Autoexperten sicher. Bei aller Euphorie soll aber auch die Natur bei Artenvielfalt in der Region nicht vergessen werden, merkt der Brandenburger Naturschutzbund an.

    Im Brandenburger Ort Grünheide soll ein Teslawerk entstehen. Die Region verspricht sich Aufschwung vom Autogiganten und begrüßt die geplante Werksgründung. Aber auch die Fachwelt ist vom Vorhaben angetan, denn sie verspricht sich einen Schub für Deutschland im Bereich E-Fahrzeugbau.

    Wie schneidet Tesla im Vergleich ab?

    „Wenn wir die reinen batterieelektrischen Fahrzeuge, die auf dem Markt sind, mit Tesla vergleichen, hat der Tesla nach meiner Einschätzung die beste Energiebilanz“, bemerkt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer im Sputnik-Gespräch. Aus dem eingespeisten Strom hole der Tesla am meisten heraus. Das liege daran, dass Elon Musk ein „Innovationstreiber“ sei und in seinen Fahrzeuge „ein Bündel von Innovationen“ zusammengeschnürt habe.

    Für die gute Energiebilanz sorge nicht zuletzt die Fähigkeit zur Energierückgewinnung, Rekuperationsfähigkeit genannt: „Man gewinnt beim Bremsen äußerst viel Energie zurück“, so Dudenhöffer. Das Ganze werde ergänzt um verschieden nützliche Funktionen wie Autopilot, den automatischen und teilautomatischen Modus und das Update unterwegs.

    Tesla wird deutsche E-Mobilität vorantreiben

    Der Autoexperte ist überzeugt, dass das Thema E-Mobilität mit dem Teslawerk an Fahrt gewinnen wird: „Der Standort bei Berlin wird die Elektromobilität in Deutschland weiter beflügeln, weil er ein Zeichen ist, dass innovative Unternehmen bei uns in Deutschland sich um die Produktion der Elektroautos bemühen, um Entwicklungen weiterzutreiben“, so Dudenhöffer. Von Vorteil sei auch, dass Zulieferer in Deutschland mitqualifiziert würden und für deutsche Autobauer bedeute es einen Wettbewerb und der sorge für Innovation.

    Tesla ist zu Teilen schon deutsch

    Dass Tesla und Deutschland gut miteinander können und wollen, habe auch die Vergangenheit gezeigt. „‚Grohmann Automatisierung‘ war eines der starken Unternehmen, die in Deutschland entstanden sind in den letzten 20-30 Jahren, für Fabrikautomatisierung“, erläutert Dudenhöffer.

    „Tesla hat sich dieses Unternehmen gekauft und ist gemeinsam mit ihm unterwegs. Das zeigt schon seine große Einschätzung der Möglichkeiten, die man in Deutschland im Ingeneering-Bereich, im Automatisierungsbereich, bei der Fabrikation findet.“

    Der deutsche Zulieferer hatte Tesla geholfen, sein Produktionsziel des Models 3 zu erreichen, denn es sah aus, als könne Tesla an dem Modell zugrunde gehen. Elon Musk bezeichnete den Produktionsanlauf im Jahr 2016 als „Produktionshölle“. Aus dieser Hölle halfen dem Unternehmen unter anderem die hochautomatisierten Fertigungsmethoden von Grohmann.

    Der Tesla – bald ein deutsches Auto?

    Musk bemerkte bei der Übernahme auch, dass „Tesla zumindest in Teilen ein deutsches Unternehmen wird“. Das bestätigt sich auch, wenn man die Zahl der deutschen Zulieferer betrachtet: Mindestens 36 haben der „Wirtschaftswoche“ zufolge Lieferverträge mit Tesla abgeschlossen. Hierzu zählen auch die Forschung mit Bosch zur Steuerung des autonomen Fahrbetriebs und technische Entwicklungen des Unternehmens Dräxlmaier im Innenraum der Fahrzeuge.

    Das schlägt sich alles auf die Qualität der Tesla-Produktion nieder, ist sich auch der Manfred Hübner vom Zentrum für angewandte Forschung und Technologie (ZALF) in Dresden sicher. Aus seiner Sicht will Musk „die Deutschen ranbringen“ und damit zeigen, dass die Deutschen am Tesla-Projekt mitmachen und davon überzeugt sind. Die Einflüsse der deutschen Ingenieurskunst schätzt er dabei so stark ein, dass er überzeugt wird: „Das wird ein deutsches Auto!“

    Bringt Tesla viele Arbeitsplätze?

    Wie das Ergebnis auch ausfällt, mit dem Thema Arbeitsplätze ist auch aus Sicht des Autoexperten vorsichtig umzugehen: „Wenn wir auf Batterieproduktion blicken, die hochautomatisiert ist, dann braucht man sehr wenige Arbeitskräfte. Und wenn ich eine Fahrzeugproduktion à la Tesla sehe, dann wird großteilig von Zulieferern zugeliefert. Die Fahrzeuge werden überwiegend montiert – da sind die Arbeitsplätze überschaubar“, betont Dudenhöffer. „Mit Zahlen wie 10.000 oder 7000 Arbeitsplätzen sollte man vorsichtig umgehen, um nicht anschließend Enttäuschungen zu ernten.“

    Achtung! Hier leben auch geschützte Arten

    Eine andere Sicht auf die Entwicklung hat die Landesgeschäftsstelle Brandenburg des Naturschutzbundes (NABU). Hier geht es weniger um die Frage, ob Deutschland in Sachen E-Mobilität künftig kräftiger mitmischen wird und inwieweit der Tesla ein deutsches Fahrzeug wird, sondern vielmehr um das Forstgebiet, auf dem das Teslawerk errichtet werden soll.

    Zunächst sollen es 70 Hektar Land sein, die der Gigafactory weichen sollen. Auf lange Sicht werden es sogar 300 Hektar sein. Das Unternehmen verspricht, im Gegenzug eine entsprechende Fläche an anderer Stelle aufzuforsten. Doch bei der Rodung der Fläche ist Vorsicht angesagt, denn hier leben auch geschützte Tierarten.

    „Der Wald, der dort steht, ist faunistisch relativ interessant, das wurde schon bei der Bebauungsplanung 2001 festgestellt“, erklärt Christiane Schröder, Geschäftsführerin des NABU Brandenburg, gegenüber Sputnik. Singvögel und geschützte Fledermäuse sowie Reptilien wie Zauneidechsen und Glattnattern seien dort vorzufinden. „Da muss man gucken, wie man mit entsprechenden Bauzeiten und entsprechenden Maßnahmen diesen Arten auch gerecht wird.“

    Die Optionen sind: Die Tiere abfangen und möglichst nahe Ersatzquartiere schaffen oder auf der Fläche des Werks auf gesonderten Grünflächen die Quartiere erhalten. In beiden Fällen muss vorher eine Kartierung dort lebender Arten vorgenommen werden, die „mindestens eine Vegetationsperiode“, also ein Jahr, dauert. „Im Zweifel muss man gucken, ob man mit einem abschnittsweisen Bau in Bereichen, wo nichts weiter zu erwarten ist, anfängt zu bauen, oder andere Lösungen findet – dass man erstmal von einem maximalen Schaden auf der Fläche ausgeht und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen vorsieht“, so Schröder.

    „Grünes Unternehmen“: Tesla zeigt sich offen

    Am Montag hatten alle am Prozess beteiligten Parteien sich zur Antragstellerkonferenz zum Teslawerk eingefunden. Auch Christiane Schröder war dabei. Dort wurden alle Aspekte angesprochen: „Das fängt bei Baurecht und Denkmalschutz an und geht über sämtliche wasserrechtlichen und emissionsschutzrechtlichen Genehmigungen bis hin zum Artenschutz“, so Schröder. Bisher sei noch nichts Konkretes beschlossen worden, aber die Rahmenbedingungen habe man geklärt.

    Am Wochenende wird NABU das Gelände genauer betrachten und die Kartierung planen. Schöder, die in Kontakt mit Tesla steht, ist aber guter Dinge, dass der Bau in Absprache erfolgt: „Tesla ist ein grünes Unternehmen, und das nicht nur bei der Herstellung von Elektroautos, sondern es hat sich auch in allen Gesprächen sehr offen und sehr interessiert gezeigt, da auch etwas für den Arten- und Biotopschutz zu machen“, so die NABU-Geschäftsführerin.

    Das Interview mit Ferdinand Dudenhöffer zum Nachhören:

    Das Interview mit Christiane Schröder zum Nachhören: 

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