22:06 15 Dezember 2019
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    Russlands Gaslieferungen über Ukraine (Archiv)

    Gasversorgung in EU ist sicher – Selbst falls Russlands Lieferungen über Ukraine unterbleiben

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    Wirtschaft
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    Selbst wenn die aktuellen Verhandlungen zwischen dem russischen Konzern Gazprom und der ukrainischen Firma Naftogaz unter Teilnahme der EU-Kommission über die Gaslieferungen nach Europa scheitern sollten, werden EU-Länder laut der jüngsten Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) trotzdem genügend Gas haben.

    Die Versorgung mit Gas ist demnach in der EU für diesen Winter gesichert, auch im Fall des Scheiterns der Verhandlungen zwischen Gazprom und Naftogaz über die Gaslieferungen aus Russland über die Ukraine in weitere europäische Länder.

    „Die Versorgungssicherheit wäre aber in keinem der EU-Staaten bedroht, das gilt für alle betrachteten Szenarien“, so der EWI-Manager Dr. Simon Schulte.

    Gasspeicher würden etwa 83 Prozent und zusätzliche Flüssiggasimporte etwa 14 Prozent der Versorgungslücke schließen. Der europäische Gasmarkt sei aktuell „gut aufgestellt“.

    „Die Gasspeicher sind immer noch nahezu maximal gefüllt, die Gaspreise befinden sich auf einem mehrjährigen saisonalen Tiefstand.“

    Außerdem sei das europäische Gasverbundsystem deutlich besser aufgestellt als im Jahr 2009.

    Wie hoch würden Gaspreise steigen?

    Eine dreimonatige Unterbrechung der russischen Gaslieferungen durch die Ukraine im ersten Quartal des nächsten Jahres könnte laut Schulte zwar zu einem Preisanstieg führen. In den meisten EU-Staaten würde er nur relativ moderat sein, zumindest in Nordwesteuropa.

    Nach der EWI-Einschätzung käme es im Extremszenario, bei einem Kälteeinbruch, zusätzlich zum dreimonatigen Stopp der Gaslieferungen, zu einem siebenprozentigen Preisanstieg in Deutschland. Griechenland, das von dem europäischen Erdgasnetz isoliert ist, würde den höchsten prognostizierten  Preisanstieg in Europa in Kauf nehmen müssen – nämlich 56 Prozent.

    Gastransitverträge erlöschen Ende dieses Monats

    Die gültigen Verträge über den Gastransit und über die Gasversorgung der Ukraine erlöschen Ende Dezember 2019. Bei den jüngsten dreiseitigen Konsultationen unter Teilnahme der EU-Kommission wies Gazprom im Oktober auf die Notwendigkeit einer Paketlösung des Problems hin. Es geht darum, den Transit- und den Gasversorgungsvertrag zeitgleich zu unterzeichnen und parallel die gerichtlichen Streitigkeiten beider Konzerne einzustellen.

    Am 18. November schlug der russische Konzern dem ukrainischen Energieversorger Naftogaz vor, den Vertrag über den Gastransit unter Berücksichtigung des prognostischen Bedarfs in der Europäischen Union um ein Jahr zu verlängern.

    Eine Voraussetzung dafür sei der gegenseitige Verzicht auf jegliche Ansprüche in Gerichten und bei Kartellbehörden. Zudem habe Gazprom der ukrainischen Seite angeboten, von 2020 an das Gas direkt in Russland zu kaufen, hieß es.

    Kontroversen um Nord Stream 2

    Das Nord Stream 2-Projekt umfasst den Bau von zwei Strängen einer Gaspipeline mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr von der russischen Küste über die Ostsee nach Deutschland. Die Fertigstellung war ursprünglich für 2019 geplant, soll nun aber erst 2020 erfolgen, und zwar wegen der erst unlängst erteilten Baugenehmigung durch Dänemark. Die Gaspipeline verläuft durch Hoheitsgewässer oder ausschließliche Wirtschaftszonen der Russischen Föderation, Finnlands, Schwedens, Dänemarks und Deutschlands. Alleiniger Gesellschafter des Projektbetreibers, der Nord Stream 2 AG, ist der russische Energiekonzern Gazprom.

    Die Ukraine sowie eine Reihe europäischer Länder wie Polen, Lettland und Litauen, aber auch die USA, die ihr Flüssigerdgas in der EU fördern, setzen sich gegen das Projekt ein, indem sie die Pipeline als ein für die Energiesicherheit der EU bedrohliches politisches Projekt bezeichnen. Die russische Seite hat ihrerseits mehrmals erklärt, dass die Nord Stream 2  ein kommerzielles und wettbewerbsfähiges Projekt sei und keine Aussetzung des russischen Gastransits durch die Ukraine impliziere.

    mo/mt

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    Deutschland, EU, Gas, Ukraine, Russland