22:29 21 Januar 2020
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    Die Deutsche Umwelthilfe will alle Flüssiggas-Projekte (LNG) der Bundesregierung aus umweltschädlichen Gründen verhindern, allen voran das LNG-Terminal im niedersächsischen Wilhelmshaven. Es wird auch mit dem Schaden durch Fracking argumentiert. Der potenzielle Terminal-Betreiber Uniper nimmt das Flüssiggas gegenüber Sputnik in Schutz.

    „LNG ist verflüssigtes Erdgas und damit mit Abstand der klimafreundlichste fossile Energieträger“, antwortete Konzernsprecher Georg Oppermann auf die Frage Sputniks zum klimaschädlichen Fracking-Erdgas aus Nordamerika. Die Deutsche Umwelthilfe beklagte kürzlich in einem Rechtsgutachten zum künftigen Terminal in Wilhelmshaven, dass zur Klimabilanz erschwerend hinzukomme, dass die geplanten Terminals mit Fracking-Gas aus den USA befüllt werden sollen. Die Förderung von Fracking-Gas schade Klima und Umwelt und führe beispielsweise zu Erdbeben. Der Exporttraum der Nordamerikaner wurde in erster Linie durch die Fracking-Technologie möglich, bei der unter hohem Druck Wasser und Chemikalien in tiefe Gesteinsschichten gepresst werden.

    Auf das Fracking-Gas wollte Oppermann nicht weiter eingehen, fügte aber hinzu, dass die Dekarbonisierungsziele „aus unserer Sicht“ auch langfristig nur durch die langfristige Verwendung von Erdgas zu erreichen seien – weil es bezahlbar sei und eine hohe Versorgungssicherheit biete. Aus heutiger Sicht sehe Uniper keine rechtlichen Aspekte, die einer Genehmigung insgesamt entgegenstehen oder das Projekt gefährden könnten, fuhr der Sprecher fort. „Wie bei allen Projekten dieser Art, werden bei der Planung und in den Genehmigungsverfahren ausführliche und eingehende Gutachten erhoben, um sicherzustellen, dass die geplanten Maßnahmen den geltenden rechtlichen Anforderungen entsprechen und alle Genehmigungsvoraussetzungen erfüllen.“ Die Genehmigungsverfahren würden dabei alle relevanten Aspekte abdecken und ein Planfeststellungsverfahren, ein immissionsschutzrechtliches Verfahren, einschließlich Umweltverträglichkeitsprüfung und wasserrechtliche Zulassungen umfassen. Die deutsche Umwelthilfe schließt nicht aus, gegen Uniper vor Gericht zu gehen. Sollte es zu einem Genehmigungsverfahren in Wilhelmshaven oder anderen LNG-Terminals kommen, würde sich die DUH entsprechende rechtliche Schritte vorbehalten, kommentierte eine Sprecherin der Organisation gegenüber Sputnik. Aktuell fordere man jedoch einen Planungsstopp, sodass es gar nicht so weit komme. 

    Momentan handelt das Düsseldorfer Unternehmen schon über das Importterminal Rotterdam mit LNG. Uniper hat  als potenzieller Abnehmer von kanadischem Flüssiggas in Deutschland dem kanadischen Konzern Pieridae Energy übrigens schon zugesichert, über 20 Jahre etwa fünf Millionen Tonnen und damit die Hälfte der Exportmenge des Terminals abzunehmen. „Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten steht die Erdgasbeschaffung zu wettbewerbsfähigen Preisen aus verschiedensten Bezugsquellen. Diese soll aus möglichst vielen Regionen und Quellen kommen, damit die Risiken für Uniper und ihre Kunden möglichst gering sind“, sagt Oppermann. Sie erfolge traditionell auf der Basis langfristiger Bezugsverträge (LTC). Bezugsverträge für Pipeline-Gas würden insbesondere mit Russland bestehen, aber auch mit den Niederlanden sowie in kleinerem Umfang noch mit norwegischen Produzenten. „Weitere Lieferungen aus Aserbaidschan werden ab 2020 das Portfolio erweitern. Verschiedene weitere Projekte in Südosteuropa und im östlichen Mittelmeer sind in der Entwicklung. An diesen Verträgen halten wir fest“, kommentierte Obermann abschließend.

    Deutschland bezieht Erdgas bisher vor allem über Pipelines aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. Die geplanten LNG-Terminals sollen Flüssigerdgas-Importe aus Nordamerika ermöglichen, vor allem aus den USA. Die amerikanischen Exporte, um die es bei den geplanten Terminals gehe, würden überwiegend aus Quellen stammen, bei denen das besonders problematische Fracking-Verfahren eingesetzt werde, bemängelte die Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden von den Grünen im März. Fracking-LNG torpediere den Kampf gegen Klimakrise und Umweltgefahren in doppelter Weise.

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    Pipeline-Projekt Nord Stream 2, Nord Stream 2, LNG, Fracking