11:50 10 Juli 2020
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    Das Thüringer Unternehmen K-Utec konzipiert keine Förderanlagen für Bolivien, solange keine Klarheit herrscht. Diese Klarheit erhofft es sich von den geplanten Neuwahlen. In der Zwischenzeit konzentriert sich das ehemalige DDR-Unternehmen aus der Kaliforschung auf seine anderen Projekte.

    Im bolivianischen Salzsee Salar de Uyuni werden die weltweit größten Lithiumvorkommen vermutet. Im Rahmen einer Kooperation zwischen einem bolivianischen und einem deutschen Unternehmen hatte sich Deutschland den Zugang zu diesem Rohstoff gesichert, der für den Bau etwa von Batterien für E-Autos derzeit unerlässlich ist. Fast ein Jahr lang sah es so aus, als würde das Projekt stattfinden, die Joint Venture war auch schon ins bolivianische Handelsregister eingetragen.

    Lithiumdeal: Lange geplant, plötzlich geplatzt

    Dann kam es zu politischen Unruhen im südamerikanischen Land, die mit der Wiederwahl von Präsident Evo Morales am 20. Oktober zusammenhingen. Eine Woche vor dem Umsturz wurde ein Dekret unterzeichnet, das das deutsch-bolivianische Joint Venture annulliert.

    Ausschreitungen in der Boliviens Hauptstadt La Paz am 11. November 2019
    © REUTERS / CARLOS GARCIA RAWLINS

    Die deutsche Seite des Joint Venture „ACI Systems Alemania“ (ACISA) will diese Entwicklung bislang nicht hinnehmen, von der sie bislang nur aus den Medien, nicht aber von ihrem bolivianisches Partnerunternehmen erfahren hat. ACISA hat auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier um Mithilfe in dieser Situation gebeten.

    Bevor die neue Regierung steht, werden keine Förderanlagen geplant

    Mit an Bord ist auch ein zweites deutsches Unternehmen, K-Utec aus Thüringen, das die Förderanlagen für den Lithiumabbau entwerfen soll. Für das Unternehmen, das seine Wurzeln in der Kaliforschung der DDR hat, scheint das Projekt bis auf weiteres auf Eis gelegt zu sein:

    „Bis November oder Oktober war alles sicher, dann kam die Revolution in Bolivien und im Moment wissen wir nicht, wie es weitergeht“, teilt Heiner Marx, Vorstandsvorsitzender von K-Utec, gegenüber Sputnik mit. „K-Utec wurde auch noch nicht mit der Planung beauftragt, insofern warten wir jetzt, bis nach der Wahl die neue Regierung etabliert ist und die wird entscheiden, wie es weitergeht.“

    Diese Neuwahlen sollen im südamerikanischen Land innerhalb der nächsten 120 Tage stattfinden.

    Das Unternehmen hätte für die Gewinnung von Kalium und Lithium vor Ort durch spezielle Förderanlagen sorgen sollen: Konkret ging es um die Produktion des Lithiumsalzes Lithiumcarbonat sowie der Base Lithiumhydroxid, die vor allem für Lithium-Ionen-Akkus notwendig sind. Daneben sollten auch die Salze Kaliumchlorid und Kaliumsulfat produziert werden, die eine Rolle in der Landwirtschaft als Düngemittel spielen.

    In einem ersten Schritt würde in den Anlagen eine Lithiumchloridlösung mit Natriumcarbonat versetzt werden und Lithiumcarbonat ausfallen. Dieses Salz sollte dann mit dem Verfahren der Elektrodialyse in einer zweiten Anlage zu Lithiumhydroxid umgewandelt werden.

    K-Utec – ein Unternehmen aus der Kaliforschung der DDR

    Zu K-Utec selbst sagt Marx: „Wir kommen historisch aus der Kaliforschung des Kombinates Kali aus der früheren DDR. Im übernächsten Jahr werden wir 70 Jahre alt und bedingt durch diese Historie sind wir vor allem in der Kaligewinnung als Düngemittel rund um den Globus aktiv. Zurzeit bauen wir mit Partnern aus Südafrika und aus Deutschland die erste Kaliumsulfatproduktion in Australien. Wir werden in Erithrea eine Anlage bauen und sind so vor allem in der Kali- und Salzindustrie aktiv.“ Die Liste der Länder und Projekte ist groß, auch Russland und die USA sind darauf zu finden. Vom Portfolio her betrachtet, kann K-Utec wohl bis zu den Neuwahlen warten.

    Das Interview mit Heiner Marx zum Nachhören:

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    Tags:
    Evo Morales, Deutschland, Bolivien, Lithium-Akkus, Lithium