21:15 21 Januar 2020
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    Die 5G-Technologien Huaweis wurden noch nicht geprüft, aber aus der Vergangenheit weiß die Prüfinstanz TÜVit: Chinesische Hersteller zeigen sich offen, verhalten sich kooperativ und sind um Zertifikate sehr bemüht. Bei nordamerikanischen Herstellern sind Prüfungen dagegen nicht immer erwünscht.

    Deutschland will den 5G-Netzausbau vorantreiben und zwar besser heute als morgen, denn der neue Mobilfunkstandard ist eine essentielle Voraussetzung für die Industrie 4.0 und wird die automatisierten Prozesse auf eine ganz neue Stufe stellen. Doch über das Wie dieses Ausbaus streitet man sich. Stein des Anstoßes für einige Politiker, darunter Außenminister Heiko Maas, ist der chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei. Konkret geht es um Sorgen um möglichen Datendiebstahl im Auftrag des chinesischen Staates.

    Diese Sorgen fallen nicht nur in die Zeit von Netzausbaubemühungen in Deutschland, sondern auch in eine Phase des Handelskriegs zwischen den USA und China. In den Vereinigten Staaten wurde aus Sorge um die „nationale Sicherheit“ der Einsatz von Hardware und Software des chinesischen Telekommunikationsausrüsters bereits im Mai 2019 verboten. Da die Stimmen, die Huawei verbieten wollen, in der Minderzahl sind, vermutet Huawei Deutschland, dass hier technologische Unwissenheit einzelner Politiker zugunsten der Politik von Übersee ausgenutzt wird. Aber auf beiden Seiten stehen Interessen, deshalb hat Sputnik nach einem unabhängigen Dritten gesucht.

    Dirk Kretzschmar ist Geschäftsführer der TÜV Informationstechnik (TÜViT), das bereits seit 25 Jahren unter anderem Codes diverser Ausrüster prüft und Zertifizierungen vornimmt. TÜViT ist eine der Prüfinstanzen für die deutsche Cybersicherheit, und die Mitarbeiter suchen bei ihrer Arbeit nach Schwachstellen in Unternehmenssoftware und dringen in nachgestellte Systeme ein. Gefundene Schwachstellen werden gemeldet, und das Unternehmen nimmt im Idealfall die Hinweise an und hebt wiederum die Sicherheit seines Codes an.

    Zu Huaweis 5G-Technologie lässt sich derzeit nicht viel sagen

    Nach Huaweis 5G-Technologie befragt, antwortet Kretzschmar: „Zu den Sicherheitsstandards bezogen auf 5G können wir noch nicht so viele Aussagen machen, weil momentan keine konkreten Produkte und Lösungen von Huawei im Rahmen von 5G in der Prüfung sind.“ Derzeit werde das Telekommunikationsgesetz überarbeitet, in dem kritische Kernkomponenten definiert werden, die daraufhin auch erst geprüft werden. Eins steht bereits fest: Die Prüftiefe – also die Genauigkeit bei der Durchleuchtung von Hardware und Code – wird nach der Überarbeitung deutlich vergrößert, um den Ansprüchen Deutschlands und anderer Länder gerecht zu werden. Schließlich gilt mit der 5G-getriebenen „Industrie 4.0“: „Es wird große Teile des Landes geben, die diese 5G-Technologie bauen und bei Angriffen, die nicht nur von Hackern, sondern auch im Regierungsauftrag stattfinden können – das ist alles nur Theorie, nicht bewiesen –, könnte das einen erheblichen Schaden für die gesamte Wirtschaft bedeuten.“

    Chinesische Hersteller kooperativ – nordamerikanische marktfixiert

    Die bisherige Erfahrung mit Unternehmen aus Asien sieht der TÜViT-Geschäftsführer aber positiv:

    „Nach unserer Erfahrung sind chinesische Hersteller ganz besonders darauf bedacht, große Offenheit zu zeigen. Das ist denen sehr wichtig und deswegen ist die Zusammenarbeit auf dieser Ebene mit den Entwicklern immer eine sehr positive.“

    Neben der technischen Überprüfung sind für TÜViT auch die Fähigkeiten der Entwickler und ihre Zugänglichkeit bei Fehlern oder Problemen von Bedeutung. „Versucht der Entwickler das herunterzuspielen oder ist er kooperativ und sagt, das muss gelöst werden. Das sind so Indikatoren, wo wir dann wissen, ob da eine große Willigkeit da ist, zu unterstützen oder nicht, und das sind für uns wichtige Auswahlkriterien. Und da ist, wie gesagt, unsere Erfahrung gerade, dass asiatische Hersteller, sehr daran interessiert sind, das Thema IT-Sicherheit auch als Qualitätsauszeichnung zu nutzen. Denen ist auch eine Zertifizierung extrem wichtig. Und den Nachweis nach außen zu bringen: Wir haben so eine harte Prüfung positiv überstanden“, so Kretzschmar. „Das Sicherheitsverständnis und die Willigkeit zur Kooperation im Bereich von Schwachstellenanalysen, die ist in Asien momentan sehr, sehr hoch.“

    Das sei „in anderen Regionen der Welt“ anders, wo vor allem der Zeitdruck entscheide, bis das Produkt auf dem Markt sein muss. „Wenn wir dann Schwachstellen finden, dann nervt das schon mal und dann wird uns auch manchmal angetragen: Wir sollen es jetzt nicht so eng sehen. Was natürlich nicht geht, wir müssen es ja eng sehen“, so der TÜViT-Geschäftsführer, der zugleich anmerkt, dass es zuweilen auch nur einzelne Personen sind, die sich so verhalten. Nach den „Regionen“ gefragt, merkt Kretzschmar an:

    „Es ist bekannt, dass Hersteller aus Nordamerika eher solche Prüfungen gar nicht tun. Wir haben sehr viele Komponenten von amerikanischen Herstellern auch bei uns in den Netzen und da ist die Prüftiefe eher nicht gewollt – dass wir da überhaupt prüfen.“

    Nach der Überarbeitung des Telekommunikationsgesetzes wird voraussichtlich eine Prüfung „der politischen Situation im Heimatland des Unternehmens“ stattfinden. Diese Formulierung trifft vor allem Huawei. Die strengere Prüftiefe sollte aber auch die Prüfbereitschaft aller Seiten heben, die europäischen Sicherheitsansprüchen genügen wollen.

    Das Interview mit Dirk Kretzschmar zum Nachhören:

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    Tags:
    Industrie 4.0, Peter Altmaier, Heiko Maas, Deutschland, USA, Handelsstreit, China, 5G, Huawei