22:19 21 Januar 2020
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    Die aktuelle Situation in der deutschen Industrie lässt darauf schließen, dass diese zu einem neuen „globalen Detroit“ degradiert. Diese Einschätzung gab der Vize-Vorsitzende des Investmentkomitees der Gruppe „Credit Suisse“, Burkhard Varnholt, in einem Interview mit RIA Novosti und Sputnik ab.

    Dem Top-Manager zufolge ist heute weltweit ein schwaches Niveau der Industrieproduktion zu verzeichnen, das höchstens 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der sogenannten Industriewirtschaften ausmache.

    Laut Varnholt ist Deutschland mit einem Problem konfrontiert, das es selber geschaffen habe. Er erinnerte daran, dass die deutsche Fahrzeugindustrie in den vergangenen fünf Jahren ein goldenes Zeitalter erlebt habe, weil das Land den Markt Chinas erschlossen habe. Eines schönen Morges sei jedoch festgestellt worden, dass der chinesische Fahrzeugmarkt bereits gesättigt sei. Außerdem müsse verstanden werden, dass „Dieselgate“ (der Abgasskandal, bei dem verschiedene Autohersteller gesetzlich vorgegebene Grenzwerte für Autogase verletzten – Anm. d. Red.) und das System Uber dem deutschen Fahrzeugbau kaum behilflich seien, so Varnholt.

    Die Weltbank hatte bereits im Dezember Deutschland als Epizentrum der Rezession in der verarbeitenden Industrie Europas bezeichnet - vor dem Hintergrund des fortgesetzten Produktionsrückganges und einer Verschlechterung des Wirtschaftsklimas. Nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten ist der PMI-Aktivitätsindex im Dienstleistungssektor weiter gesunken. Die Verbrauchererwartungen seien dabei wie bislang dem vor sechs Jahren registrierten Tiefstand nah gewesen.

    Detroit im US-Bundesstaat Michigan hatte im 20. Jahrhundert als ein Zentrum der Fahrzeugindustrie der USA gegolten. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts war die Stadt mit einer Vielzahl an ökonomischen Problemen konfrontiert, die unter anderem auf die Erdölkrise 1973 und eine Preiserhöhung bei Benzin sowie auf einen harten Konkurrenzkampf mit anderen globalen Autoherstellern zurückzuführen waren. Detroit erklärte sich 2013 für bankrott, und die dortigen Autokonzerne verlagerten ihre Kapazitäten in andere Regionen des Landes. Dies hatte eine Abwanderung der Bevölkerung, einen Rückgang der Einkünfte und wachsende Kriminalität zur Folge.

    ls/ip

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    Tags:
    Credit Suisse, Detroit, USA, Deutschland