18:08 23 November 2020
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    Einer Studie zufolge sind die Preise für das mobile Surfen in Russland 2019 um 48 Prozent gesunken. Zugleich hat das Land die niedrigsten Preise für Flatrates im Mobilfunk weltweit. In Deutschland dagegen beklagen viele NutzerInnen langsame und ziemlich teure Angebote. Warum ist das so?

    Aus einer neuen Studie der Agentur für den mobilen Content, Content Review, geht hervor, dass die Preise für ein Gigabyte mobiles Internet in Russland im laufenden Jahr um 48 Prozent auf 37,3 Rubel (umgerechnet 0,54 Euro) gesunken sind. Damit nimmt Russland weltweit den sechsten Platz ein. Der durchschnittliche Preis von einem Gigabyte betrug weltweit 187 Rubel (umgerechnet 2,73 Euro). 

    Für die Studie sind mobile Tarifangebote von insgesamt 136 Telekommunikationsanbietern in 50 Ländern mit dem größten BIP analysiert worden. Die Gesamtkosten sind zum Wechselkurs der russischen Zentralbank am 23. Dezember in Rubel umgerechnet worden. Niedriger als in Russland sind die Preise lediglich im Iran mit 3,8 Rubel pro Gigabyte, gefolgt von Israel (22,7 Rubel), Kasachstan (27,8 Rubel), Ägypten (33,6 Rubel) und Indonesien (36,8 Rubel). Traditionell werden die niedrigsten Preise für ein Gigabyte in Ländern beobachtet, in denen die Bevölkerung sich prinzipiell keine teuren Dienstleistungen leisten kann (wie etwa im Iran oder in Ägypten und Indonesien), und in Ländern, in denen die Betreiber einen hohen durchschnittlicher Erlös pro Kunden (ARPU) durch die Aufzwingung von Flatrates sichern wollen, erzählte der Autor der Studie, Sergej Polownikow, am Donnerstag im Gespräch mit Sputnik.

    Der durchschnittliche Preis für ein unbegrenztes Tarifangebot belaufe sich dabei in Russland lediglich auf 602,5 Rubel (umgerechnet 8,79 Euro) und ist am niedrigsten weltweit. In den anderen Ländern sind es durchschnittlich 3181 Rubel oder 46,42 Euro. In Deutschland werden die Flatrates der Studie zufolge für etwa 5000 Rubel oder für 72,96 Euro angeboten. Um die 80 Euro rufen die großen Anbieter Telekom und Vodafone für ihre Top-Tarife auf.

    „Internet läuft“ in Russland

    Polownikow stellt fest, dass die Preise für mobiles Internet auch durch die Präsenz eines Players auf dem Markt beeinflusst würden, der den etablierten Status Quo der Unternehmensrentabilität nicht unterstütze und einen Preiskampf auslöse. Auch das Angebot von unbegrenzten Tarifen auf dem Markt, die Volatilität der Landeswährung (denn die Betreiber kaufen Technik am meisten im Ausland) sowie die Größe des Landes (davon hängen die Investitionen in die Entwicklung und Modernisierung des Netzes ab) und das Funktionieren von 5G, mit dem die Preise auch niedriger werden, würden die Preise prägen. 

    In einem in Russland einst umhypten Artikel schrieb der deutsche Journalist Dominik Kalus im September für das Portal „Ostexperte“ von Dingen, die in Russland anders als in Deutschland sein sollen. „Internet läuft“, resümierte Kalus und verwies darauf, dass die Russen fast immer eine stabile Verbindung hätten.

    Während man schon eine halbe Stunde außerhalb Münchens teilweise keinen internetfähigen Empfang mehr hat, reichte mir die Verbindung selbst in einem kaukasischen Bergdorf für einen flüssigen Internetanruf“, so der Journalist. Im Moskauer Zentrum sei Gratis-Wifi allgegenwärtig, selbst in der Metro und in Parks.

    Wer Russland noch mit technischer Rückständigkeit verbinde, sollte dringend eine Reise hierher tun. Warum ist es aber in Deutschland so anders?

    „Ich hasse deutsches Internet“, 

    sagt ein Sputnik-Kollege mit einer deutschen und einer russischen Staatsbürgerschaft.

    „Wenn man in Deutschland noch sein Zuhause mit Internet versorgen will, muss man eine oder sogar zwei Wochen auf die gute Verbindung warten. In Russland habe ich das in einer Stunde geschafft.“

    Dem Internet-Ombudsmann Dmitri Marinitschew zufolge haben die niedrigeren Mobilinternet-Preise in Russland auch damit zu tun, dass die Konkurrenz zwischen den Internet-Anbietern und Telekommunikationsbetreibern von Anfang an groß gewesen sei. Dazu kommt noch, dass es kein Monopol eines bestimmten Betreibers für die Vernetzung eines bestimmten Haushaltes oder eines Bezirkes gebe. Man könne sich anders als in vielen europäischen Ländern einfach jeden beliebigen Anbieter für das Zuhause-Internet auswählen. Außerdem gibt es laut Marinitschew gute staatliche Programme zum Anschluss der Haushalte an das Internet, was die Betreiberunternehmen auch in Kleinstädte und Dörfer anzieht. Die Fernverbindung und die sogenannte „letzte Meile“ oder die Amtsleitung in fernen Orten werden also vom Staat garantiert. 

    Geht es um das mobile Internet in Deutschland, dann hat es plötzlich eine schlechtere LTE-Abdeckung als Schweden, Großbritannien, Österreich oder sogar Polen. Einer Auswertung der Mobilfunkanalysefirma Opensignal zufolge haben die Nutzer in vielen Teilen Deutschlands oft gar keinen LTE-Empfang. Im Durchschnitt beträgt die LTE-Abdeckung in der Fläche knapp 66 Prozent. Manche ländliche und grenznahe Regionen liegen deutlich darunter.

    Neben dem teuren Netzausbau werden in Deutschland die Mobilfunkfrequenzen bei einem Auktionsverfahren vom Staat vergeben. Die Kosten für die Netzbetreiber würden dadurch künstlich in die Höhe getrieben, bemängeln die Kritiker. So führen viele Experten auch heute noch die Erlöse aus der UMTS-Versteigerung (Mobilfunkstandard der dritten Generation 3G - Anm. d. Red.) 2000 als Hauptgrund für die hohen Mobilfunkpreise in Deutschland an. Damals zahlten die Netzbetreiber insgesamt 50,8 Milliarden Euro für die UMTS-Lizenzen – viel mehr als in anderen Ländern. 

    Mit Abschaffung der Roaming-Gebühren im EU-Ausland Ende 2018 war für die Provider noch eine wichtige Einnahmequelle weggebrochen. Offenbar versuchen die Unternehmen nun, den Schaden zu begrenzen, und schaffen Ausnahmen für die Auslandsnutzung wie bei den sogenannten Zero-Rating-Tarifen oder den rein nationalen Tarifen. Ein Blick in den durchschnittlichen Verbrauch der Internetdaten bei den Deutschen - 2,5 Gigabyte - zeigt eben, dass auf dem deutschen Mobilfunkmarkt nicht viel Geld zu holen ist. Nur sehr wenige Deutsche gönnen sich laut dem Vergleichsportal Verivox aus Sparsamkeit die kostspieligen Daten-Flatrates.

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