07:15 19 Januar 2020
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    Massive Eskalation in Nahost nach Mord an Soleimani – Alle Entwicklungen (66)
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    Der Politologe und Rohstoffexperte Behrooz Abdolvand, der sich derzeit in Teheran aufhält, spricht von „erheblichen Schäden und Verlusten“ bei dem iranischen Angriff auf US-Stützpunkte in Irak. Die USA vermieden deshalb eine weitere Eskalation der Lage, die zu einem drastischen Ölpreisanstieg, folglich einer Weltwirtschaftskrise führen würde.

    Bei dem Angriff auf US-Ziele im Irak sind laut dem iranischen Fernsehsender „Press TV“ 80 Menschen ums Leben gekommen. Die Agentur Reuters hat unter Verweis auf das iranische Staatsfernsehen gemeldet, Hubschrauber und militärische Ausrüstung des US-Militärs seien schwer beschädigt worden. US-Präsident Donald Trump erklärte, dass keine Amerikaner bei dem iranischen Raketenangriff verletzt worden seien. Auch die US-Stützpunkte seien nur minimal beschädigt worden.

    „Erhebliche Verluste der USA“

    Für den deutsch-iranischen Politologen und Rohstoffexperten, Dr. Behrooz Abdolvand, der sich derzeit in Teheran befindet, deute die Aussage von Trump darauf hin, dass die USA nicht gewillt seien eigene Verluste zuzugeben und als Konsequenz daraus, die Situation weiter eskalieren zu lassen: „Die Luftaufnahmen und Bilder von Journalisten legen allerdings nahe, dass die Schäden und Verluste erheblich sind. Folglich liegt der Schluss nahe, dass die USA eine weitere Eskalation und Vergrößerung des Konfliktes vermeiden möchten, da sie wissen, dass sie dem nicht gewachsen sein werden“, sagt Abdolvand im Sputnik-Interview.

    Die Vereinigten Staaten hätten es nach dem US-Angriff auf den iranischen General Qasem Soleimani nicht nur mit dem Gegner Iran zu tun: Schließlich habe sich als Reaktion darauf der gesamte schiitische Widerstand in der Region gegen die USA zusammengeschlossen, betont der Politologe vom DESB-Consulting: „Vor diesem Hintergrund gehe ich ferner davon aus, dass die vereinigte Widerstandsfront bestehend aus verschiedenen schiitischen religiösen Gruppierungen, weiter die US-Truppen in der Region unter Druck setzen werden, um die USA aus der Region zu vertreiben.“

    Am Mittwoch veröffentlichte das Middleburry Institute of International Studies Sattelitenaufnahmen des Bildgebungsunternehmens „Planet Lab“, auf denen das Ausmaß des Schadens auf dem US-Militärflugplatz Al Assad Airbase nach dem iranischen Angriff erkennbar sein.

    „Weltwirtschaftskrise als Auswirkung weiterer Eskalation”

    Eine weitere Eskalation des Konfliktes hätte zudem weitreichende wirtschaftliche Folgen, von denen auch die EU unmittelbar betroffen wäre, bemerkt der Rohstoffmarktanalyst. „So würde der Ölpreis drastisch steigen, was wiederum aller Voraussicht nach zu einer Weltwirtschaftskrise führen würde. Von weiteren Auswirkungen auf die Gesellschaft durch neue Flüchtlingsströme ist ebenfalls auszugehen. Daher erwarten besorgte Beobachter von den Entscheidungsträgern in Berlin und der anderen EU-Staaten besonnene Stellungnahmen und vermittelnde Maßnahmen, um den Konflikt schnellstmöglich zu entschärfen. Beides lassen Berlin, Paris und London allerdings leider noch vermissen“, bemängelt Abdolvand.

    Ihm zufolge hatte der Angriff auf General Soleimani keine wesentlichen unmittelbaren Auswirkungen auf die Ölmärkte - die Vergeltungsangriffe des Iran hingegen schon. Auch vor diesem Hintergrund würde es die USA nicht wagen, den Konflikt weiter eskalieren zu lassen, glaubt Abdolvand. „Schließlich hat der Iran erklärt, jedes Land als Feind anzusehen, das US-Truppen seinen Grund und Boden für Angriffe gegen den Iran zur Verfügung stellt. Die Länder des Golfkooperationsrates, wobei es sich um signifikante Öl- und Gasproduzenten handelt, sind sich darüber im Klaren, dass der Iran auf jede Aktion des US-Militärs reagieren wird und folglich üben diese nun Zurückhaltung und reagieren sehr vorsichtig“, so der Ökonom. Seiner Einschätzung zufolge könnte eine weitere Eskalation des Konfliktes dazu führen, dass 40 Prozent der Öl- und Gasproduktion in der Region betroffen sein könnten, „weshalb die Märkte nun sehr nervös reagieren“.

    Ölpreise vorerst wieder stabil

    Zur Wochenmitte hatte eine vorsichtige Entspannung der Iran-Krise einen starken Preiseinbruch am Ölmarkt ausgelöst. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Die Ölpreise waren jeweils um mehrere Dollar gefallen, nachdem US-Präsident Donald Trump im Konflikt mit dem Iran moderatere Töne angeschlagen hatte.

    Mittlerweile liegen der US-Ölpreis und der Preis für Nordsee-Öl wieder jeweils auf dem Niveau, das sie vor der gezielten Tötung eines ranghohen iranischen Generals durch das US-Militär in der vergangenen Woche hatten. Der amerikanische Raketenangriff hatte die Furcht vor einem Krieg in der ölreichen Region am Persischen Golf geschürt und Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Die Ölpreise waren zeitweise auf mehrmonatige Höchststände gestiegen.

    Die Ölpreise sind am Donnerstag leicht gestiegen und haben damit die starken Verluste vom Vortag vorerst gestoppt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 65,77 US-Dollar. Das sind 33 Cent mehr als am Vorabend. Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI stieg um 30 Cent auf 59,91 Dollar.

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