22:22 24 Januar 2020
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    Deutschland braucht dringend Einwanderung aus dem Ausland, um klaffende Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu schließen und die Sozialsysteme langfristig stabil zu halten. Das sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag.

    Der Anteil von Ausländern aus der EU und aus dem Nicht-EU-Ausland am Zuwachs der Beschäftigung habe im Juni 2019 bereits fast 60 Prozent betragen. Im Juni 2011 habe diese Quote noch bei rund 20 Prozent gelegen. Der Anteil, der nicht aus der EU komme, habe ebenfalls stark zugenommen.

    „Das Beschäftigungswachstum wird zu über der Hälfte von Ausländern getragen“, erörterte Terzenbach. Bei den Zuwanderern verschiebe sich der Anteil deutlich von der EU zu Nicht-EU-Ländern.

    Nicht politisch, sondern mathematisch

    Man sehe, dass es einen Zuwachs gebe, allerdings auf einem Niveau, das quantitativ einfach noch nicht ausreiche, sagte Terzenbach vor dem Hintergrund der Diskussion um das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz der Bundesregierung, das am 1. März in Kraft treten wird.

    „Wir brauchen Fachkräftezuwanderung, um die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu machen und damit auch die Soziale Marktwirtschaft in der Art und Weise zu erhalten, wie wir sie haben“, sagte Terzenbach. Das sei eine reine mathematische Ableitung, nicht etwa eine politische Meinung: „Das können wir gut finden oder nicht.“

    Der internationale Wettbewerb um Arbeitskräfte und kluge Köpfe werde gerade rapide schärfer, sagte Terzenbach: „Wir merken, dass Länder wie Japan, Südkorea oder die klassischen angelsächsischen Einwanderungsländer sehr stark in das Thema Fachkräfterekrutierung aus anderen Ländern investieren.“

    Deutschland müsse großen Einsatz aufbringen, um Ausländern in ihren Heimatländern die deutsche Sprache nahezubringen. Derzeit habe das Land in dieser Hinsicht einen Wettbewerbsnachteil, meint Terzenbach.

    Schneller, besser, unbürokratischer

    Zudem müssten Wege gefunden werden, wie berufliche Qualifizierung in Deutschland möglichst unbürokratisch und rasch anerkannt werden kann, ohne die Standards hierzulande aufzuweichen. Die duale Ausbildung lobte Terzenbach dabei als eines der Erfolgsrezepte der deutschen Industriegeschichte Die hohen Standards der Ausbildung kombiniert mit der Studienlandschaft hätten auch dazu geführt, dass Deutschland ein Forscher- und Entwicklerland habe werden können.

    Allerdings müssten die Prozesse in den Anerkennungsverfahren verbessert werden. „Der Anerkennungsprozess konnte bisher in Deutschland schon durchaus mühsam sein“, sagte Terzenbach. Das Fachkräftezuwanderungsgesetz mache nun nicht nur die Zugangshürde für Ausländer auf den deutschen Arbeitsmarkt niedriger, sondern auch den Blick auf die Prozesse in Deutschland frei, die seit 2014 nicht ausreichend gut funktionierten.

    Darüber hinaus muss Deutschland nach Ansicht von Terzenbach die Werbung in anderen Ländern, etwa über soziale Medien, intensivieren. „Wir müssen als Deutschland lernen, dass wir für uns ganz stark werben müssen“, betonte er. „Wir müssen Leute willkommen heißen wollen!“

    Im Dezember brachte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer angesichts des neuen Fachkräftezuwanderungsgesetzes ähnliche Meinungen zum Ausdruck. Er sah Deutschland ebenfalls als auf die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte angewiesen und betonte, dass die neue Welle von Zuwanderung auch dort akzeptiert werden sollte, wo bisher wenig Ausländer lebten und wo man das nicht gewohnt ist.

    msch/sb/dpa

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    Tags:
    Migrationspolitik, Zuwanderung, Arbeitsmarkt