00:04 11 August 2020
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    Auf ihrer Jahreskonferenz zu den Ergebnissen des Jahres 2019 in Moskau sprachen die europäischen Autohersteller von einem Absatzrückgang auf dem Pkw-Markt in Russland. Der Dialog mit der russischen Regierung solle transparenter und die Geschäftsbedingungen sollten vorhersehbarer werden.

    „2019 insgesamt war viel schwieriger als ursprünglich gedacht. Zunächst gaben wir eine optimistischere Prognose ab - ein leichtes Plus, das sich jedoch als negativ herausstellte“, sagte Jörg Schreiber, Vorsitzender des Ausschusses der Automobilhersteller der Assoziation des Europäischen Business (AEB).

    Im Interview mit Sputnik kommentierte er die Stimmung der deutschen  bzw. europäischen Automobilhersteller in Russland wie folgt:

    „In dem Markt wie Russland ist Wachstum oder die Marktentwicklung sehr schwer vorherzusagen. Immer. Wir haben gewisse Erwartungen. Momentan, was hier zu sehen ist, ist die jetzige Erwartungshaltung der Hersteller im Durchschnitt eine leicht negative, bezogen auf das neue Jahr. Und wie immer im Leben, die Erwartungshaltung auf die Zukunft beeinflusst die Zukunft tatsächlich. Wenn Sie positiver Stimmung sind, werden Sie auch bessere Resultate erzielen. Wenn Sie nicht so guter Stimmung sind, wird auch das Ergebnis nicht so gut werden. Und momentan ist die Stimmung nicht ganz so gut.“

    Trotz eines Absatzanstiegs im Dezember 2019 um 2,3 Prozent (179.235 Fahrzeuge, bei denen lokal produzierte Autos führend waren) ging der Automobilmarkt im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent zurück.

    Im Jahr 2020 könne man nicht auf eine Verbesserung der externen Faktoren warten, daher gehe die Prognose von einer Fortsetzung des Rückgangs bei 2,1 Prozent aus (1,72 Millionen Autos), sagte Schreiber, der Präsident von MAZDA MOTOR RUS ist. Das Unternehmen hat das Jahr mit einem negativen Ergebnis in Russland abgeschlossen – minus drei Prozent.

    Toyota und Volkswagen verlieren fünf bzw. zwei Prozent. Nissan sank um zwanzig Prozent auf 65.000 Autos. Und es ist keineswegs verwunderlich, dass Ford nach der Entscheidung, Fabriken in Russland zu schließen, einen Absatzrückgang von 57 Prozent auf 17.000 Autos verzeichnete.

    Laut dem Vorsitzenden des AEB-Automobilherstellerausschusses haben die Marktteilnehmer die Grenze ihrer Fähigkeit erreicht, die Nachfrage anzukurbeln. Ohne externe Faktoren wie Wirtschaftswachstum, staatliche Anreizmaßnahmen und eine Verhinderung zusätzlicher Steuern und Gebühren, die zu höheren Einzelhandelspreisen führen, wird es keine Besserung geben.

    „Im Dialog mit der Regierung ist nicht alles gut. Es kann nicht gesagt werden, dass er überhaupt nicht existiert, aber er sollte offener und transparenter und das Geschäft vorhersehbarer werden. Der russische Automobilmarkt ist nach wie vor klein und liegt weit unter seinem Potenzial. Für die Kapazitäten in Russland ist das nicht ausreichend“, betonte Schreiber mit Bedauern.

    Nach seinen Prognosen wird ein weiterer Rückgang des russischen Automarktes für einige seiner Teilnehmer nicht günstig sein. Es sei notwendig, durch gemeinsame Anstrengungen das aufgebaute Potenzial zu schützen, und dies erfordere staatliche Unterstützung.

    Das Premium-Segment lebt mittlerweile ein eigenes Leben: Die „Deutschen“ Mercedes und BMW können bereits eine ernsthafte positive Dynamik vorweisen - plus 11 bzw. 17 Prozent, ebenso wie Porsche, der um 18 Prozent gewachsen ist.

    Der Porsche-Generaldirektor für Russland, Thomas Sterzel, erläuterte den Erfolg der Marke im Sputnik-Interview. Dabei sagte er, dass das populärste Modell bei russischen Kunden, Männer wie Frauen, der Cayenne sei.

    Jörg Schreiber, Vorsitzender des Ausschusses der Automobilhersteller der Assoziation des Europäischen Business (AEB)
    © Foto : AEB
    Jörg Schreiber, Vorsitzender des Ausschusses der Automobilhersteller der Assoziation des Europäischen Business (AEB)
    „Obwohl der Markt leicht geschrumpft ist, haben wir bei Porsche ein positives Beispiel – wir  haben mehr Kunden gewinnen können. Wir haben ein attraktives Modellprogramm und mehr Händler in Moskau und St.-Petersburg, was zum Wachstum beigetragen hat. Wir haben den größten Anteil weltweit an weiblichen Kunden, was uns sehr entgegenkommt. Wir sind zuversichtlich für nächstes Jahr, auch wenn wir gleiche Ergebnisse nicht erzielen können, weil wir Teil des Marktes sind. Unsere neuen Produkte werden in diesem Jahr die Sportlichkeit der Marke noch mal betonen“, so Sterzel.

    Der AEB-Generaldirektor Frank Schauff sagte seinerseits, dass die Unvorhersehbarkeit des Geschäfts das neue US-Sanktionsregime und die Verlangsamung der Weltwirtschaft hervorgerufen habe: „Es ist für die Europäer von entscheidender Bedeutung, eine Situation zu verhindern, in der ihre außenwirtschaftlichen Beziehungen von jemandem von außen reguliert werden.“

    Er erinnerte daran, dass die AEB in diesem Jahr 25 Jahre ihrer Präsenz in Russland feiere. In dieser Zeit hat sich der Verband zur wichtigsten Repräsentanz ausländischer Investoren im Land entwickelt und vereint heute mehr als 500 Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftssektoren. 28 Unternehmen repräsentieren 49 Marken von Autos und Motorrädern, was 98 Prozent des Neuwagenverkaufsmarktes in Russland ausmacht.

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    Tags:
    Automarkt, Autoindustrie, Daimler AG, BMW, Russland, Assoziation der europäischen Geschäftstätigkeiten (AEB)