14:39 28 Februar 2020
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    Das Teilabkommen zwischen den USA und China zur Entschärfung des Handelskonflikts der beiden weltgrößten Volkswirtschaften wird laut dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) spürbare negative Folgen für die europäische Exportwirtschaft haben und insbesondere Deutschland treffen.

    Die Chinesen verpflichten sich in dem Teilabkommen von Mitte Januar, deutlich mehr Güter aus den Vereinigten Staaten abzunehmen als bislang. Chinas Importe bestimmter Güter aus den USA sollen im Jahr 2021 um 95 Milliarden US-Dollar (85,5 Milliarden Euro) höher liegen als im Jahr 2017, als der Handelskrieg mit den USA noch nicht begonnen hatte. Dies gab das Institut in Kiel am Dienstag auf seiner offiziellen Webseite bekannt.

    „Die von China zugesagten zusätzlichen Importe von US-Gütern werden Importe aus anderen Ländern verdrängen“, zitiert das IfW seinen Präsidenten, Gabriel Felbermayr.

    Europäische Hersteller werden Marktanteile abgeben müssen

    Die EU hat dem Bericht zufolge einen sehr hohen Anteil an Chinas Importen pharmazeutischer Produkte, von Fahrzeugen, Flugzeugen oder medizinischen Geräten. In diesen Bereichen sind die zusätzlich vereinbarten Einkäufe aus den USA substanziell. Es sei „sehr wahrscheinlich“, dass die EU-Hersteller Marktanteile abgeben müssten.

    Verglichen mit einem Szenario, in dem es weder den Zollkrieg zwischen China und den USA noch das Abkommen gegeben hätte, sollen 2021 die EU-Exporte nach China voraussichtlich um 10,8 Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro) geringer ausfallen, schätzten Felbermayr und die Handelsexpertin Sonali Chowdhry ein.

    Die betroffenen Industrien vor allem in Deutschland beheimatet

    Das IfW geht davon aus, dass die EU rund ein Sechstel der Handelsumlenkung werde tragen müssen, die durch das Abkommen ausgelöst wird. Am meisten werden laut der Prognose die Hersteller von Flugzeugen verlieren: 3,7 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) oder 28 Prozent.

    „Die betroffenen Industrien sitzen vor allem in Deutschland, aber auch Frankreich ist erheblich getroffen.“

    Der Ökonom kritisierte das Abkommen scharf. Es „heble“ das von der Welthandelsorganisation WTO bestimmte Grundprinzip des diskriminierungsfreien Handels aus. Washington und Peking setzten stattdessen auf bilateral vereinbarte Handelsmengen.

    „China macht sich damit zum Komplizen der USA in der Zerstörung des multilateralen Handelssystems“, so Felbermayr.

    USA und China unterzeichnen erstes Handelsabkommen

    Fast zwei Jahre nach Beginn des Handelsstreits hatten der US-Präsident Donald Trump und der chinesische Vize-Ministerpräsident Liu He am 15. Januar in Washington ein inhaltlich auf bestimmte Themen begrenztes Handelsabkommen unterzeichnet.

    Nach US-Angaben soll China nun deutlich mehr Energieträger, Industriegüter, Agrarerzeugnisse und Dienstleistungen in den USA einkaufen, um das riesige Handelsdefizit der Vereinigten Staaten zu verringern. Viele Sonderzölle, die im Zuge des Konflikts gegenseitig erhoben wurden, bleiben aber zunächst in Kraft.

    Die Beziehungen der USA mit China sind durch einen andauernden Handelsstreit belastet. Washington und Peking überziehen sich seit mehr als einem Jahr gegenseitig mit Strafzöllen. Der Handelskonflikt bremst sowohl das Wirtschaftswachstum in beiden Ländern als auch weltweit.

    mo/mt/dpa

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    Tags:
    China, USA, Deutschland