03:29 20 Februar 2020
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    Der ukrainische Premierminister Oleksij Hontscharuk sorgte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos für Furore, als er einen Vertrag zwischen der Ukrainischen Staatsbahn und der Deutschen Bahn verkündete. Spekulationen bezüglich einer Übernahme wurden in ukrainischen Medien laut. Doch die Deutsche Bahn sieht den Vorgang nur als Beratervertrag.

    Die ukrainische Tageszeitung „KP“ (früher Komsomolskaya Pravda in der Ukraine) meldete unter der Überschrift „Ukrsalisnyzja wird an die Deutschen für 10 Jahre übergeben“.

    In dem und Artikeln anderer ukrainischer Medien wird davon gesprochen, dass, laut Ministerpräsident Hontscharuk, die ukrainische Regierung plane, die Kontrolle über das staatliche Eisenbahnunternehmen „privaten Investoren“ zu übertragen. Hontscharuk wird in den Medienberichten mit den Worten zitiert, dass eine politische Entscheidung bereits getroffen worden sei.

    Die Deutsche Bahn in Berlin stellt das Geschäft etwas differenzierter dar. Eine Unternehmenssprecherin erklärte Sputnik auf Anfrage:

    „Die DB Engineering & Consulting, das Ingenieur- und Beratungsunternehmen der Deutschen Bahn für Infrastruktur-, Mobilitäts- und Transportprojekte, wird die Ukrainische Eisenbahn in unternehmerischen und technischen Fragen beraten und unterstützen. Ein entsprechender Vorvertrag wurde gestern in Davos aufgesetzt. Anfang Februar 2020 werden der DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Vertreter der ukrainischen Regierung in Kiew ein Memorandum of Understanding unterzeichnen. Darin werden die Einzelheiten zur Zusammenarbeit fixiert.“

    Deutsche Bahn spricht nicht von einer „Übergabe“, sondern von „Beratung“

    Von einer Übergabe oder Übernahme sind die beiden Bahnunternehmen also noch weit entfernt. Möglicherweise haben ukrainische Medien ihren Ministerpräsidenten auch nur unvollständig zitiert, denn Hontscharuk sagte in Davos auch:

    „Die Ukraine wird die Kontrolle über ‚Ukrsalisnyzja‘ vollständig behalten. Deutsche Spezialisten werden daran arbeiten, die Managementmechanismen des Unternehmens zu reformieren.“

    „Ukrsalisnyzja“, die ukrainische Staatsbahn ist seit 2018 eine Aktiengesellschaft, formalrechtlich also, wie die Deutsche Bahn ein privatrechtlich geführtes Unternehmen, das sich aber vollständig im Besitz des Staates befindet und 2011 mehr als 400.000 Beschäftigte hatte. Die „Ukrsalisnyzja“ unterhält aktuell ein Streckennetz von mehr als 22.000 Kilometern, wovon knapp 45% elektrifiziert sind. Das Unternehmen befördert rund 500 Millionen Fahrgäste und rund 300 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr.

    Das Unternehmen DB Enginerring & Consulting ist nach eigenen Angaben mit rund 5.000 Beschäftigten aus 80 Nationen auf dem Markt für Ingenieurleistungen im Verkehrssektor aktiv und dort einer der bedeutendsten Anbieter.

    Bei der Unterzeichnung sagte Gontscharuk, dass eine strategische Partnerschaft mit der DB das ukrainische Staatsunternehmen zur Arbeit nach neuen Standards bringen sollte.

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    Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzja, Deutsche Bahn, Davos-Forum, Deutschland, Ukraine