20:04 03 Juli 2020
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    Großbritannien tritt am heutigen Freitag formell aus der Europäischen Union aus. Doch schon im Verlauf des Brexit-Prozesses sind die deutschen Exporte nach Großbritannien laut Expertenangaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) geschrumpft und den deutschen Exporteuren mehrere Milliarden Euro entgangen.

    Ein Jahr vor dem britischen EU-Austrittsreferendum 2016 seien noch 7,4 Prozent der deutschen Exporte nach Großbritannien gegangen, teilte Martin Braml, Außenhandelsexperte des Ifo-Instituts, am Freitag mit. „2018 waren es lediglich 6,2 Prozent.“

    Insgesamt wäre der Umfang der Exporte nach Großbritannien um 16,2 Milliarden Euro höher ausgefallen, wenn sich der britische Export-Anteil auf dem Niveau von 2015 gehalten hätte. Bei den Importen hätte die Summe 5,5 Milliarden Euro betragen. Die Zahlen enthalten nur Güter, nicht den Dienstleistungshandel.

    „Die politischen Unsicherheiten scheinen aber abzunehmen, und ein No-Deal-Szenario wird unwahrscheinlicher“, sagte Braml. „Davon kann auch der Handel in Zukunft wieder profitieren.“

    Der Kurs der britischen Landeswährung Pfund habe sich zuletzt erholt, was die Nachfrage nach deutschen Produkten ebenfalls wieder steigern dürfte. „Zudem ist die britische Volkswirtschaft insgesamt in guter Verfassung, die Arbeitslosigkeit ist niedrig“, sagte der Ökonom.

    Großbritannien sackt im Handelspartner-Ranking ab

    Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bestätigt, dass die deutschen Exporte nach Großbritannien aufgrund des Brexits gesunken seien. Nach Angaben des DIHK führten deutsche Unternehmen von Januar bis November 2019 Waren im Wert von 73,6 Milliarden Euro nach Großbritannien aus. Das seien drei Milliarden Euro oder vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum gewesen.

    In den vergangenen drei Jahren ist das Königsreich laut DIHK-Präsident Eric Schweitzer von Platz fünf auf Platz sieben der wichtigsten Handelspartner Deutschlands gerutscht. Besonders bei den Exporten sei in diesem Zeitraum ein deutlicher Rückgang von minus sechs Prozent zu verzeichnen. Die Ausfuhren in die anderen Länder Europas seien hingegen um fast sieben Prozent gestiegen.

    Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Votum wird Großbritannien am Freitag um 24 Uhr (MEZ) die Europäische Union verlassen. Das Land war über 47 Jahre lang Mitglied in der Staatengemeinschaft und ihren Vorgängerorganisationen. In einer Übergangsphase bis zum Ende des Jahres müssen London und Brüssel aber noch ihre künftigen Handelsbeziehungen klären.

    leo/ae/rt/dpa/sna/

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    Euro, Goldexporteur, Rückgang, EU, Brexit, Exporte, Deutschland, Großbritannien