23:34 18 September 2020
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    Coronavirus auf dem Vormarsch: Chronologie der Ausbreitung (116)
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    Über umgerechnet 170 Milliarden US-Dollar will Chinas Zentralbank in die eigene Wirtschaft pumpen. Das berichten internationale Medien am Montag. Mit dem Konjunkturprogramm möchte Peking die chinesischen Banken bei der Kreditvergabe stärken und das Coronavirus eindämmen. Neues Virus „ist gefährlicher als SARS“, so die US-Zeitung „New York Times“.

    Erst Ende letzter Woche waren die Börsen in China schlagartig abgestürzt. Die Angst vor der Verbreitung des Coronavirus habe den chinesischen Aktienmärkten einen Einbruch von mehr als acht Prozent beschert, so Medienberichte. Deshalb will Chinas Notenbank jetzt das Finanzsystem des Landes mit einer hohen Geldspritze stärken. Die chinesische Zentralbank stellte den Geschäftsbanken am Montagvormittag chinesischer Zeit 1,2 Billionen Yuan (umgerechnet rund 150 Milliarden Euro bzw. 174 Milliarden US-Dollar) an Liquidität zur Verfügung. Das berichteten internationale Medien wie der „SRF“ in der Schweiz am Montag. „Allein die Ankündigung soll die Märkte schon beruhigen. Das Geld will die Notenbank über sogenannte umgekehrte Repo-Geschäfte zur Verfügung stellen.“ 

    Dies bedeute folgendes: Die chinesische Zentralbank soll geschäftlichen Banken im Land mit Hilfe der neuen Finanzspritze Wertpapiere abkaufen. „Das Geld, das diese dafür erhalten, sollen sie möglichst schnell in Form von günstigen Krediten an die Unternehmen weiterreichen. Sie sollen investieren. Damit soll die Delle abgeschwächt werden, die nun entsteht, weil die Menschen weniger konsumieren und beispielsweise auch weniger Touristen ins Land reisen.“ Die Wirtschaft Chinas habe zuvor – unter anderem auch durch das grassierende Coronavirus – einen „großen Einbruch“ erlebt.

    Ökonomen sind skeptisch

    Die aktuelle Talfahrt in der Wirtschaft komme für China zu „einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Wachstumsraten sind inzwischen so tief wie seit 30 Jahren nicht mehr.“

    Ökonomen und Wirtschafts-Experten in China und im Ausland „sind allerdings skeptisch, wie viel diese astronomisch hohe Summe (eines früheren chinesischen Konjunkturprogrammes, Anm. d. Red.) der Wirtschaft gebracht hat. Unklar ist darum auch, was das neue, ebenfalls große Paket zum jetzigen Zeitpunkt bewirken kann.“

    Ein Grund ist sich ausbreitendes Corona-Virus

    „Die chinesische Zentralbank will die Wirtschaft des Landes mit Milliardensummen vor den Folgen des sich ausbreitenden neuartigen Coronavirus stützen“, meldete der „Deutschlandfunk“ am Montag.

    Ziel des neuen Wirtschaftsprogrammes Chinas sei es, „das Bankensystem mit ausreichend Geld zu versorgen und den Devisenmarkt stabil zu halten. In China ist die Zahl der Menschen, die an den Folgen der Coronavirus-Infektion gestorben sind, inzwischen auf 304 angestiegen, wie die Behörden mitteilten. Landesweit hätten sich mehr als 14000 Menschen angesteckt.“ Zur aktuellen Lage in China wurde gemeldet, dass „in der besonders betroffenen Provinz Wuhan inzwischen ein erstes Nothospital fertiggestellt worden ist. Es hat Kapazitäten für 1000 Betten.“ Mittlerweile seien in China mehr als 14000 Menschen mit dem Virus infiziert. Außerdem habe die Europäische Union (EU) jüngst in großen Mengen Schutzkleidungen an die Volksrepublik als Hilfsleistungen gesendet.

    Shanghai: Geschäfte bleiben vorerst geschlossen

    Viele Geschäfte in Wirtschafts-Metropolen wie Shanghai haben aktuell laut der „Süddeutschen Zeitung“ ihre Betriebspause über das chinesische Neujahr hinweg verlängert. „Auch viele globale Unternehmen mit Niederlassungen in China haben ihre Mitarbeiter gebeten, zu Hause zu bleiben. Mehr als 10000 Flüge wurden als Reaktion auf den Virusausbruch weltweit in den vergangenen Tagen gestrichen. Chinas Zentralbank hat angekündigt, die Wirtschaft finanziell zu stützen. Peking müsse sich auf das Schlimmste vorbereiten, warnt die Staatspresse.“

    Unterdessen würden sich immer mehr Länder gegen China abschotten. „Die USA, Singapur, Neuseeland und Australien verweigern Menschen aus China die Einreise. Taiwan, Südkorea und Japan lassen keine Personen aus betroffenen Regionen einreisen.“ Auch Russland habe sein Visa-Abkommen mit China ausgesetzt.

    „Sollte sich das Coronavirus, vor allem in China, deutlich ausbreiten, dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen auch in Deutschland spürbar werden“, warnte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ökonom Marcel Fratzscher, die Zeitung „Augsburger Allgemeine“ bereits vor wenigen Tagen

    „Corona: Größere Bedrohung als asiatischer SARS-Virus“

    Das 2002 in Asien ausgebrochene Virus „SARS hatte einst die Weltwirtschaft ins Wanken gebracht“, berichtete die US-Tageszeitung „New York Times“ am Montag. Doch:

    „Das Coronavirus ist eine größere Bedrohung. In den nun fast 20 Jahren seit SARS hat Chinas Bedeutung in der Weltwirtschaft exponentiell zugenommen. Internationale Unternehmen, die sich bei der Herstellung ihrer Produkte auf chinesische Fabriken verlassen und beim Verkauf auf chinesische Verbraucher angewiesen sind, warnen bereits vor kostspieligen Problemen. Apple, Starbucks und Ikea haben vorübergehend Geschäfte in China geschlossen. Einkaufszentren sind menschenleer und bedrohen den Verkauf von Nike-Sneakers, Under-Armour-Kleidung und McDonald's-Hamburgern. Fabriken, die Autos für General Motors und Toyota herstellen, verzögern die Produktion. (…) Internationale Fluggesellschaften, darunter American, Delta, United, Lufthansa und British Airways, haben ihre Flüge nach China abgesagt.“

    Nach ökonomischen Schätzungen wird das Wirtschaftswachstum Chinas in diesem Jahr nur noch um 5,6 Prozent wachsen. 2019 waren es noch 6,1 Prozent Wachstum. Aufgrund „zunehmender Besorgnis skizzierten Chinas Regierungschefs am Sonntag Pläne, der Wirtschaft neue Kredite zu verleihen. Dazu gehören mehrere Milliarden US-Dollar zur Stützung der Geldmärkte sowie lockerere Kreditbedingungen für chinesische Unternehmen.“ So kommentierte die New Yorker Zeitung das neue Wirtschaftsprogramm Pekings, das jetzt die chinesische Konjunktur ankurbeln und die Ausbreitung des Virus eindämmen soll.

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    Tags:
    Konjunktur, Wirtschaft, Coronavirus, China