02:25 20 Februar 2020
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    Coronavirus auf dem Vormarsch: Chronologie der Ausbreitung (95)
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    Obwohl der Finanzmarkt bei dem am 3. Februar nach dem Neujahrsfest in China wiederaufgenommenen Börsenhandel auf erlaubte Tiefstwerte abgestürzt ist, sehen Analytiker keinerlei Gefahren, weder für den unmittelbaren Nachbarn Russland noch für Europa. Die „Hysterie“ um das Coronavirus kann laut ihnen die Weltwirtschaft kaum erheblich beeinflussen.

    „Zumindest glauben es die Märkte vorläufig nicht“, meinte einer der führenden russischen China-Experten, Alexej Maslow, während der Diskussionsrunde in der Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“. „China ist von einem nie dagewesenen Informationsangriff betroffen. Die Zahl der Gerüchte und Fake News, die vorwiegend außerhalb Chinas im Umlauf sind, ist kolossal. Es ist leicht einzusehen, woher sie stammen: hauptsächlich aus dem Twitter. Dabei kommen immer neue Autoren dazu.“

    Jedoch herrsche in China selbst keine Panik, fährt der Wissenschaftler fort. „Dort wird sogar eine Stabilisierung verzeichnet. Die Menschen haben sich mit dem anfänglichen Schreck abgefunden. Die Weltwirtschaft und die Märkte werden eigentlich nicht durch die Ausbreitung des Coronavirus beeinträchtigt, die inzwischen von der chinesischen Staatsführung in Griff genommen worden ist, und zwar durchaus entschlossen und hart, sondern eben durch die Verbreitung panischer Gerüchte. Die Informationsangriffe auf China werden sich mehren und politischen Zwecken dienen.“

    Flaut die Infektion ab?

    Der Leiter des Zentrums für ökonomische und soziale China-Forschung der Russischen Akademie der Wissenschaften, Andrej Ostrowski, ist der Meinung, die chinesische Wirtschaft sei lebenskräftig genug und werde schon auf ihren jährlichen BIP-Zuwachs von 5,5–6 Prozent kommen. „Nach der atypischen Pneumonie 2003 zu urteilen, hat China die Höchstzahl der mit Coronavirus Infizierten noch nicht erreicht. Laut Schätzungen wird es zwischen dem 10. und 20. Februar soweit sein. Nachher flaut die Infektion ab. Und bereits in der ersten April-Dekade wird man sie völlig vergessen.“

    Mit der Wirtschaft werde es sich so verhalten wie mit der atypischen Pneumonie von damals, ist sich Ostrowski sicher.

    „Die schwersten Verluste, verursacht durch die Fake News, werden die Tourismusbranche und die Luftfahrt hinnehmen müssen. Gebuchte Reisen werden storniert, Flüge abgesagt. Auf andere Branchen wird sich das Coronavirus nicht auswirken.“

    Der Hauptberater des Analysezentrum-Chefs der Regierung Russlands, Leonid Grigorjew, behauptet, die Größe der chinesischen Wirtschaft und ihre strikte Regelung würden eine optimistische Prognose erlauben, was die Bewältigung der ganzen Situation durch China angehe. „Jedenfalls liegen heute weltweit keine Voraussetzungen für eine Wirtschaftskrise vor: kein drastischer Preisanstieg bei Rohstoffen, keine galoppierende Inflation in Industrieländern, kein Emporschnellen der Zinssätze, keine Überinvestitionen. Die Akkumulationsrate ist in letzter Zeit sogar gesunken.“ Ferner sieht der Ökonom keinen Grund, warum „der chinesische Zwischenfall mit dem Virus irgendein globales Ereignis auslösen sollte.“

    Maslow versichert, die Ereignisse rund um das Coronavirus würden die russische Wirtschaft praktisch nicht berühren. „Abgesehen von dem Tourismus mit den drei Millionen Chinesen, die uns besuchen und von denen jeder etwa 1.000 Dollar an die russische Wirtschaft abgibt. Wenn auch ein Teil davon zurück nach China fließt, bleibt doch ein anderer Teil als Steuern hierzulande. Dabei werden nicht globale russische Reiseveranstalter, sondern Klein- und mittelständische Unternehmen Schaden nehmen, die darin involviert sind.“

    Das betreffe insbesondere die Gaststättenbranche von Moskau, Petersburg und dem Fernen Osten, so der Experte. „Dies wird aber eine kurzfristige Wirkung haben, worauf sich der Markt im April oder Mai wieder erholt und seine Positionen zurückerobert.“ Laut Finanzanalysten wird Russland sie selbst im Falle einer Krise im Unterschied zu früheren Einbrüchen relativ ruhig überstehen. Die kleine Staatsschuld, die von Ölpreisen abgekoppelte Währung und ein dickes Finanzpolster würden dafür sorgen.

    Wird aber Europa, darunter auch Deutschland, betroffen sein?

    „Wie könnte es betroffen werden?“ Ostrowski verstand die Sputnik-Frage nicht. „Auf absolut keine Weise, so wie auch die russische Wirtschaft nicht betroffen sein wird. Das chinesische Außenhandelsvolumen mit der EU, in der Deutschland den Ton angibt, beträgt gut 670 Milliarden Dollar. Es wird nicht schrumpfen.“

    „Dabei haben die Chinesen sich im Rahmen ihres Projekts ‚One Belt, One Road‛ den Weg zum griechischen Hafen von Piräus gebahnt, in den sie beträchtliche Geldsummen investiert haben“, urteilt der China-Forscher. „Inzwischen bestehen Vereinbarungen zu weiteren zwei Häfen, zu denen von Genua und Venedig, die bei der Umsetzung dieser chinesischen Initiative die Schlüsselrolle spielen werden. Also wird Europa mit chinesischen Waren gespeist werden. Auch China wird Waren aus Europa reichlich beziehen.“

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