18:51 16 Juli 2020
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    Die Gaspipeline Nord Stream 2 ist laut deren Betreiber finanziell bereits zu 98 Prozent abgedeckt worden. Früher am Tag machte Österreichs Energieriese OMV seine Investitionen ins Projekt im Jahre 2019 publik. Man vertraut auf die Fertigstellung der Pipeline, bezweifelt aber angesichts der US-Sanktionen eine baldige Wiederaufnahme der Bauarbeiten.

    „Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit beinhaltete 2019 einen Mittelabfluss von 113 Millionen Euro für die Finanzierungsvereinbarungen für das Pipelineprojekt Nord Stream 2“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten OMV-Bericht. 2018 hatte der Konzern 275 Millionen in die Nord Stream 2 gesteckt. Insgesamt will das österreichische Unternehmen das Projekt zum Jahreswechsel bereits mit 712 Millionen Euro unterstützt haben. Wie Konzernchef Rainer Seele am Donnerstag auf der Pressekonferenz mitteilte, werde sich die Verzögerung der Bauarbeiten nicht auf die finanzielle Beteiligung des Konzerns am Projekt auswirken. Jedoch geht Seele nicht davon aus, dass die Bauarbeiten bald wiederaufgenommen werden. 

    „Verzögerung des Projekts beeinträchtigt die Rentabilität nicht“

    „Details zu den Finanzierungsvereinbarungen sind vertraulich“, sagte seinerseits der Konzernsprecher Andreas Rinofner gegenüber Sputnik.

    „Wir können jedoch sagen, dass die Verzögerung des Projekts die Rentabilität der Finanzierungsvereinbarung nicht beeinträchtigt. Die OMV hat Finanzierungsverträge mit einem Höchstbetrag von 950 Millionen Euro abgeschlossen.“

    Die Nord Stream 2 AG entwickele derzeit einen überarbeiteten Projektdurchführungsplan. In der OMV vertraue man auf die Fertigstellung der Pipeline, so Rinofner.

    Neben Gazprom wird die leidgeprüfte Gaspipeline zur Hälfte von fünf europäischen Energieunternehmen finanziert, also von der OMV, der englisch-niederländischen Royal Dutch Shell, der französischen Engie und nicht zuletzt von den deutschen Firmen Wintershall Dea, einer Tochterfirma von BASF AG, sowie von Uniper. Bisher sollten die gesamten Baukosten für das Projekt bei rund 8 Milliarden Euro liegen.   

    Ungefähr 98 Prozent davon seien bereits von Gazprom und den übrigen fünf Unternehmen gestellt worden. Dies antwortete der Sprecher des Betreibers, Steffen Hartmann, auf die Sputnik-Fragen, wie gut das Projekt finanziell gesichert sei. Bei der europäischen Unterstützung handele es sich dabei um die Fremdfinanzierung, das heißt, dass Gazprom doch der alleinige Anteilseigner ist. Anfangs sollte Gazprom lediglich die Hälfte der Aktien besitzen, die europäischen Unternehmen durften sich aber letztendlich wegen der Gegenwirkung seitens der polnischen Kartellbehörde nicht am Stammkapital beteiligen und wurden somit direkte Finanzinvestoren.

    Neue US-Sanktionen in Sicht - OMV-Chef Seele: „Wenn die Sanktionen tatsächlich Gaskunden betreffen würden …“ 

    Kürzlich waren Informationen aufgetaucht, dass die USA womöglich neue Sanktionen gegen das Projekt planen, sollte Russland versuchen, die noch fehlenden Kilometer der Pipeline in der Ostsee fertigzustellen. Dem „Handelsblatt“ zufolge könnte es dieses Mal die europäischen Investoren treffen, also die fünf Unternehmen, oder womöglich die Firmen, die das Gas, sollte es irgendwann einmal fließen, abnehmen wollten. Das alles könnte sehr schnell gehen, heißt es weiter, möglicherweise noch im Februar oder März.

    OMV-Seele meinte weiter auf der Pressekonferenz am Donnerstag, es stehe nicht die Frage, ob sein Konzern das Projekt verlassen oder bleiben würde. Bei den Auswirkungen der angeblich neuen Sanktionsideen der USA auf das Projekt brachte er neue Informationen ins Spiel. „Wenn die Sanktionen tatsächlich Gaskunden betreffen würden, hätte das nicht nur Auswirkungen auf Pipelineprojekte, sondern vor allem auf den gesamten Gasmarkt in Europa. Das heißt, das würde die Gaspreise und die Versorgungssicherheit in Europa stark beeinflussen“, so Seele.

    Die ersten US-Sanktionen längst in Kraft 

    Die Bauarbeiten an der Nord Stream 2 waren Ende Dezember mit der Unterzeichnung eines entsprechenden Verteidigungsetats für 2020 mit Sanktionen gegen russische Pipeline Projekt gestoppt worden, nachdem der Rohrverleger Allseas aus dem Projekt endgültig ausgestiegen war. Die Maßnahmen gegen Nord Stream 2 sowie gegen die Pipeline Turkish Stream, die aus Südrussland in die Türkei führt, richteten sich gerade gegen Verlegefirmen und deren Schiffe. Etwa 160 Kilometer in zwei Rohrsträngen von der insgesamt 2460 Kilometern langen Pipeline sind damit zum Bau übrig geblieben.

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    Tags:
    Nord Stream 2, OMV, Nord Stream 2 AG