01:35 28 Februar 2020
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    Vergangene Woche ist eine der wenigen Fabriken, die Lackfolien für Schallplatten herstellt, in Flammen untergegangen. Seither gibt es nur ein einziges japanisches Unternehmen, welches das Rohmaterial für die Schallplatten herstellt. Dadurch könnte die Produktion neuer Schallplatten bald schon ins Stocken geraten.

    Aufgrund eines Fabrikbrands am 06.02. diesen Jahres werden größere Ausfälle und Lieferengpässen bei der Produktion von Schallplatten befürchtet. Betroffen ist dabei der kalifornische Hersteller Apollo Masters, der Lackfolien zur Herstellung von Schallplatten produzierte. Apollo Masters ist neben der japanischen Firme MDC der einzige Hersteller dieser Lackfolien. Zudem sei Apollo Masters als Hersteller für Plattenspieler-Nadeln bekannt, welche im Platten-Pressverfahren verwendet werden. Auf der Website schreiben sie, dass sie noch keine Vorstellung davon haben, was auf sie zukommen wird:

    „Im Moment sind wir bezüglich unserer Zukunft sehr unsicher und evaluieren Optionen, während wir versuchen, diese schwierige Zeit durchzustehen.“

    Apollo Masters ist das deutlich größere Unternehmen der beiden Hersteller. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) schreibt, dass sie 75- 80 Prozent aller Lackfolien an Schallplattenproduzenten liefern. Der deutsche Schallplattenhersteller Optimal Media sage zur FAZ, dass Engpässe und Preissteigerungen aufgrund des Brandes befürchtet werden.

    Zu spüren sein werden diese Ausfälle wohl vor allen Dingen in Amerika. Da Apollo Masters ein amerikanischer Vertreter ist, wird am amerikanischen Markt der Folienhersteller fehlen. Laut der Nachrichten-Website „heise“, solle es aber vor allen Dingen Plattenspielerproduzenten betreffen, die mit Lackrohlingen arbeiten. Es gebe aber auch Firmen, die mit einer Kupferschicht statt Lackfolien arbeiten. Die FAZ beschreibt dies als „Direct Metal Mastering“ (DMM-Verfahren), welches momentan auch immer mehr aufgestockt wird. Hersteller, die beide Methoden nutzen, werden vermutlich viel weniger von den Folgen des Brands mitbekommen.

    Engpass bei Vinyl? Kein neues Phänomen

    Ab dem Jahre 2012 ging die Popularität der Vinyl-Schallplatten rasant nach oben. In einem Artikel aus dem Jahre 2016 vom Goethe Institut steht schon, dass Engpässe in dieser Branche unumgänglich sind. Zum einen, weil viele Plattenspielerproduzenten in den 2000er Jahren ihre Produktion eingestellt haben. Doch die Produktion stieg wieder an: Laut der FAZ verkaufte man im Jahre 2009 500.000 Exemplare, während man 2018 schon 3,1 Millionen Platten herstellte. So ein enormer Zuwachs der Produktion und gleichzeitig das Wegfallen vieler Hersteller Jahre zuvor resultiere schon immer in einem Engpass.

    Ein weiteres Problem, welches beim Vertreiben von Schallplatten besteht, ist, dass kleine Labels fast keine Chance haben, ihre Platten schnell zu erhalten. So müssten sie laut dem Goethe-Institut bis zu sechs Monate warten, bis sie ihre Schallplatten bekommen würden. Diese Zeitspanne sei auf dem schnelllebigen Musikmarkt katastrophal. Außerdem würden viele Klassiker der Musikgeschichte ebenfalls auf Schallplatten produziert werden, was im Angesichts des schon bestehenden Mangels eine weitere Komponente für einen Lieferengpass darstellen könnte.

    lm/tm

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