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    Ambitioniert sind die Wasserstoff-Pläne der Bundesregierung. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek freut sich auf die Zusammenarbeit mit Westafrika und Nordrhein-Westfalen auf die mit den Niederlanden. Energieexperte Prof. Dr. Schwarz sieht den Gesprächen zwar positiv entgegen, weiß aber auch auf die problematischen Aspekte hinzuweisen.

    Der letzte Dienstag soll für Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) ein persönlicher Erfolg gewesen sein. Sie hat sich mit ihrem nigrischen Amtskollegen Yahouza Sadissou auf ein Maßnahmenpaket zum Ausbau der strategischen Wasserstoff-Partnerschaft mit Westafrika verständigt. Gemeint ist allerdings nur der grüne, also der lediglich aus erneuerbaren Energien erzeugte Wasserstoff.

    In 15 Ländern der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft hätten Expertenteams ihre Arbeit aufgenommen und müssen bis Ende des Jahres einen „Potentialatlas“ veröffentlichen. Den Afrika-Deal wolle man zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte machen, um „dem Erfolg des europäischen Green Deal beizutragen“, so Karliczek.

    In früheren Interviews hatte sie vorgeschlagen, dass Deutschland in Afrika die notwendige Technik aufbaue und den erzeugten Wasserstoff dann ablade. Schließlich habe man da genug Sonne, um Wasserstoff zu günstigen Konditionen zu produzieren und etwa in Form von Ammoniak per Schiff nach Europa zu transportieren. Der grüne, importierte Wasserstoff sei das Öl von morgen, schwärmt Karliczek.

    Ende Januar hatte das Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU), der Deutschland bei den Wasserstofftechnologien zur Nummer 1 in der Welt machen will, einen Entwurf der sogenannten Nationalen Wasserstoffstrategie freigegeben, die sich aktuell in der Ressortabstimmung befinden und Anfang Frühling präsentiert werden soll. Man will diesbezüglich in erster Linie mit den Niederlanden zusammenarbeiten. Ende Januar hatten übrigens der Energieminister Nordrhein-Westfalens, Andreas Pinkwart, und sein niederländischer Amtskollege Eric Wiebes auf der Combined-Energy-Konferenz in Arnheim eine Absichtserklärung unterzeichnet.

    Man wolle mit dem sogenannten HY3-Projekt prüfen, ob eine gemeinsame Wertschöpfungskette für Wasserstoff möglich sei und ob transnationale Business Cases, also Geschäfte mit grünem Wasserstoff, auf dem Gebiet der Niederlande und Nordrhein-Westfalens durchführbar seien. Die Niederlande wird laut dem Wasserstoffbeauftragten des Landes, Noé van Hulst, dazu schon Anfang April ihre eigene nationale Wasserstoffstrategie vorstellen. Wie Minister Pinkwart in Arnheim weiter sagte, biete sich die Kooperation mit dem Nachbarland auch an, weil es bereits eine grenzüberschreitende Pipeline-Infrastruktur und logistische Routen gebe. Ein zusätzlicher Pluspunkt sei das zu erwartende Wachstum der Windenergie und die steigende Nachfrage von Industrieunternehmen, so Pinkwart.

    Kann Afrika ein „potenter“ Lieferant werden?

    Sputnik hat den Experten für elektrische Energietechnik von der BTU Cottbus-Senftenberg, Prof. Dr. Harald Schwarz, gebeten, seine Meinung über die anspruchsvollen Pläne der Bundesregierung mitzuteilen. In früheren Sputnik-Interviews wies Schwarz übrigens auf die Risiken eines gleichzeitigen Ausstiegs aus Kernenergie und Kohle für die deutsche Energiesicherheit hin.

    Zum Wasserstoff sagt der Experte: „Rein unter technischen Gesichtspunkten kann ich mir Vieles vorstellen, man braucht aber weniger diejenigen, die darüber reden, sondern diejenigen, die es machen und eine gewaltige Menge Geld investieren.“ Insofern sei es ganz einfach – gebe es einen gewaltigen Markt für Wasserstoff in Deutschland, würden sich weltweit auch potente Geldgeber finden, die notwendigen Erzeugungsanlagen wo auch immer auf der Welt hinzustellen.

    Doch die Realität sieht seiner Expertise nach anders aus: „Leider haben wir den Markt nicht einmal ansatzweise.“

    Wolle man einen riesigen Markt für Wasserstoff entwickeln, müsse man auch potente Lieferanten haben, die diesen Markt bedienen würden, so Schwarz. Ob Afrika ein potenter Lieferant werden kann, bleibt offen, genauso wie die Behauptung Pinkwarts von der „steigenden Nachfrage“ der Industrieunternehmen. 

    Karliczeks Vergleich von Wasserstoff und Öl findet der Experte schon richtig. Er weist aber darauf hin, dass der Rohölmarkt sich beginnend mit den 50er Jahren über 20-30 Jahre entwickelt habe, weil „der Privatkunde sowohl Auto fahren und im Keller keine Kohlen mehr in die Heizung schippen wollte“. Es sei also ein klarer Mehrwert für den Kunden gewesen, der auch bereit gewesen sei, dafür mehr Geld auszugeben.

    Das offensichtliche, aber unvermeidbare Fazit: „Die Energiewende ist politisch getrieben und unter dem Aspekt des Klimawandels sicher auch nachvollziehbar. Allerdings ist diese Veränderung in keinster Weise marktinduziert, da der Kunde vorher Strom bekommt und hinter auch nur Strom bekommt.“ Die Diskussion über den grünen Wasserstoff als Alternative zu Kernenergie und Kohle sei übrigens schon vor 15 Jahren geführt worden. Die Deutsche Energie-Agentur (DENA) hätte damals massiv dafür geworben, die ersten 1000 MWe Elektrolyseleistung in Deutschland aufzubauen, verweist Schwarz. Was ist seitdem passiert? „Passiert ist nichts.“

    Zwar wollte der Hamburger Wirtschaftssenator Michael Westhagemann nach eigenen Angaben noch im letzten Jahr im September eine finale Entscheidung über den Bau der in Deutschland und weltweit größten Wasserstoff-Elektrolyse-Anlage mit einer Leistung von 100 MWe publik machen, aber davon hatte man in Hamburg noch keinen Wind bekommen. Die bislang größten Anlagen leisten allenfalls zehn Megawatt. Zum Vergleich: Block C des bis 2022 noch funktionierenden AKW Gundremmingen in Bayern hat eine Bruttoleistung von 1344 MWe, im Vergleich zu den übrigen fünf Atomkraftwerken ist das noch die niedrigste.

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    Tags:
    Energiewende, erneuerbare Energien, Peter Altmaier, Wasserstoff