01:41 24 September 2020
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    Seit Anfang 2020 sind die Ölpreise auf ein Minimum gefallen. Nach Schätzungen von Experten erwägt die OPEC im Zusammenhang mit einem Rückgang der Ölnachfrage aufgrund der Verbreitung des Coronavirus Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Produktion. Was erwartet den globalen Energiemarkt?

    Anfang dieses Monats berichtete Bloomberg, dass das Coronavirus 2019-nCoV die Ölnachfrage in China um 20 Prozent einbrechen ließ. Die Agentur erkannte dies als größten Schock auf dem Ölmarkt seit der globalen Krise von 2008-2009 an. Der Rückgang der Ölnachfrage löste eine Diskussion über die Notwendigkeit stärkerer Produktionskürzungen im Rahmen des OPEC-Plus-Abkommens aus. Das Kartell empfahl, den Vertrag bis Ende des Jahres zu verlängern und die Produktion bis zum Ende des zweiten Quartals um 600.000 Barrel pro Tag weiter zu reduzieren.

    „Wir müssen abwarten, wie stark sich die Epidemie entwickelt“, sagte der deutsche Energieexperte Stephan Kohler gegenüber Sputnik. Derzeit sei ein Wirtschaftsrückgang in China zu verzeichnen, was zur sinkenden Energienachfrage führe, weil China einer der größten Ölimporteure und Energieverbraucher sei.

    „Wir sehen am Ölmarkt, dass die Mengennachfrage sowie die Preise zurückgehen. Die OPEC überlegt, Förderkürzungen durchzuführen, um den Preis zu stabilisieren. Natürlich hat das Coronavirus einen wesentlichen Einfluss auf den Energiemarkt, und das ist nicht ein singuläres Ereignis. In Europa geht das Wirtschaftswachstum zurück. Der Ausfall von China führt auch dazu, dass die Autoproduktion oder der Autoabsatz in China massiv einbricht, was wiederum die deutschen Produzenten betrifft. Also der Virus hat schon eine internationale Auswirkung auf die Wirtschaft und damit auch auf den Energieverbrauch“, so der Ex-Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur DENA.

    Vertreter russischer Ölunternehmen sprachen nach einem Treffen mit Energieminister Alexander Nowak am 12. Februar hauptsächlich über die Unterstützung der Option, den Deal nur bis zum Ende des zweiten Quartals und unter den gegenwärtigen Bedingungen zu verlängern.

    Die Frage der Verlängerung des OPEC-Abkommens ist ein sehr wichtiges Thema, sagte Konstantin Simonow, Generaldirektor des russischen Energiesicherheitsfonds. Auf einer Pressekonferenz in Moskau stellte er fest, dass private Unternehmen dieses Abkommen satt hätten und der künstlichen Reduzierung der Ölproduktion nicht zustimmten. Während Russland reduziert, erhöhen andere, zum Beispiel die Amerikaner.

    „Langfristige Verpflichtungen sind hier unlogisch. Wenn wir aber an der Verlängerung der Transaktion nicht teilnehmen, müssen wir uns auf einen Preiskampf vorbereiten. Russland hat Reserven, um die Preisentwicklung abzuwarten und darauf zu warten, dass Produzenten mit teurerem Öl den Markt verlassen“, sagt der Energieexperte.

    Kann ein Rückgang der Ölnachfrage auch den Gasmarkt beeinflussen? In Europa werde die Nachfrage nach Erdgas weiterhin steigen, meint Stephan Kohler:

    „In Deutschland haben wir einen erheblichen Zurückgang im Heizungsbereich, den ganzen Winter hatten wir sehr milde Temperaturen. Auf der anderen Seite haben wir einen Mehrabsatz im Kraftwerksbereich, weil Kohlekraftwerke im letzten Jahr weniger gelaufen sind, und wir haben dadurch eine erhebliche CO2 Einsparung erreicht.“

    Laut dem Energieexperten ist Nord Stream 2 demzufolge ein Projekt, das strategisch eine langfristige Funktion hat.

    „Wir werden in Europa weniger Erdgas selbst befördern, wir haben einen steigenden Gasverbrauch, weil Deutschland innerhalb von zwei Jahren aus der Kernenergie und bis 2038 aus den Kohlekraftwerken aussteigen wird. Deshalb ist die energiewirtschaftliche Notwendigkeit von Nord Stream 2 immer noch gegeben“, unterstrich der Geschäftsführer von EnergyEfficiencyInvest-Eurasia GmbH.

    Seine Prognose ist, dass China den Virus in Griff bekommen und sich spätestens im März-April eine wirtschaftliche Erholung ereignen wird. Von daher sei eine Ölpreisprognose bei 50-55 US-Dollar angemessen.

    Die Coronavirus-Epidemie habe sich negativ auf die Wirtschaftstätigkeit, den Verkehr, den Tourismus und die Industrie ausgewirkt, sagte Alexej Gromow, Leiter der Stiftung des Instituts für Energie und Finanzen:

    „Die Situation im Jahr 2020 wird stetig negativ sein. Direkte Verluste durch 2019-nCoV werden das gesamte erste Quartal andauern. Dies ist ein Minus in Jahreszahlen, sodass wir das ganze Jahr über einen negativen Fußabdruck spüren werden.“
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    Tags:
    Nord Stream 2, Energiemarkt, Energiebereich, Erdgas, Ölpreise, OPEC, Coronavirus