14:32 09 Juli 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (20)
    38411
    Abonnieren

    Im Rahmen des dritten Teils des Projekts „Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten – ein gemeinsames Ziel“ bringt Sputnik Reportagen über deutsche Firmen, die in Russland tätig sind. Der deutsche Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler habe bewusst die Entscheidung getroffen, in Russland zu investieren.

    Wir haben mit Maxim Schachow, CEO von Schaeffler Russland, über kulturelle Unterschiede zwischen Russen und Deutschen, Russland als stabilen Automobilmarkt sowie die Wachstumsperspektiven trotz Sanktionen gesprochen.

    © Sputnik .
    CEO von Schaeffler Russland - Interview

    - Guten Tag, Maxim Wladimirowitsch. Meine erste Frage: Die Schaeffler Gruppe ist einer der führenden deutschen Automobil- und Industriezulieferer, der international tätig ist. Warum wurde Russland als Region für die Erweiterung gewählt?

    Russland ist in der Tat eine wichtige Region für Schaeffler und mit 150 Millionen Einwohnern ein wichtiger Markt. Russland verfügt über eine sehr entwickelte Bergbauindustrie, die ein wichtiger Abnehmer unserer Industrieprodukte ist. Auch der Automobilmarkt wächst und hat Entwicklungspotential. Aber es gibt weitere Gründe. Tatsache ist, dass in den letzten Jahren in Russland die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden, dass die Produktion hier auf globaler Ebene wettbewerbsfähig wird und dass Produkte zu niedrigen Kosten lokal hergestellt und nicht nur in Russland, sondern in der ganzen Welt nachgefragt werden können.

    - Worin bestehen die Besonderheiten der Arbeit auf dem russischen Markt? Was charakterisiert die russischen Kunden?

    Meiner Meinung haben sich die russischen Kunden in den letzten Jahren dem Kaufverhalten in anderen Ländern angenähert. Russische Verbraucher achten heute in erster Linie auf das Preis-Leistungs-Verhältnis, bleiben aber dennoch der Qualität sehr verpflichtet. Und in dieser Hinsicht ist Schaeffler als Anbieter von hochwertigen Produkten auf dem russischen Markt sehr gefragt. Zudem hat Russland heute großes Vertrauen in Produkte „Made in Germany“. Deutschland gilt in der Tat als Maßstab für Qualität, dies wird durch zahlreiche Umfragen und Nachweise unserer Kunden bestätigt.

    - Die Geschichte von Schaeffler in Russland reicht fast 30 Jahre zurück – seit der Eröffnung der Firmenvertretung in Moskau im Jahr 1992. Welche Ergebnisse hat das Unternehmen in dieser Zeit in Russland erzielt?

    Fast von Anfang an sind wir auf dem russischen Markt stetig gewachsen. Russland ist für uns ein stabiler und wachsender Markt. Die wichtigsten Meilensteine für uns waren der Übergang zu einer GmbH Anfang der 2000er Jahre, wie auch die Eröffnung eines eigenen Lagers und der Bau des Werkes im Jahr 2014. Schaeffler hat bewusst die Entscheidung getroffen, in Russland zu investieren. Als Familienunternehmen treffen wir langfristige und marktorientierte Entscheidungen, die auf unseren fundierten wirtschaftlichen Analysen und Prognosen basieren. Wir exportieren – damit tragen wir auch mit unserer russischen Landesgesellschaft dazu bei, die Schaeffler Gruppe zu stärken. 

    - Was sind für Schaeffler heute die wichtigsten Herausforderungen? In welchen Bereichen wird gearbeitet, um sie zu überwinden?

    Als globaler Automobil- und Industriezulieferer ist Schaeffler, wie die gesamte Branche weltweit, derzeit mit herausfordernden Rahmenbedingungen konfrontiert, die durch ein sich wandelndes Marktumfeld und den technologischen Wandel gekennzeichnet sind. Schaeffler versteht diese Transformation als Chance, das Unternehmen nachhaltig im Wettbewerb zu positionieren, seine Technologieführerschaft zu sichern sowie zusätzliche Effizienzpotenziale und vorhandene Synergien besser zu nutzen. Das Unternehmen setzt noch stärker als bisher auf Innovation, Agilität und Effizienz. Für Schaeffler als Automobil- und Industriezulieferer bedeutet dies außerdem die Erweiterung des Produktportfolios vom Komponenten- zum System- und Servicelieferanten in all den Sektoren, in denen wir tätig sind. Wir wollen immer möglichst nahe an unserem Kunden und dessen Wünschen sein. Damit das funktioniert, hat Schaeffler bereits 2016 mit der Transformation des Konzerns begonnen – die heute und in Zukunft erfolgreich weiter vorangetrieben wird. Was die russische Schaeffler-Landesgesellschaft angeht, so sind wir hier sehr zuversichtlich, wir haben ein Umsatzwachstum von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das ist deutlich mehr als das Marktwachstum. Die Kunden schätzen unsere Zuverlässigkeit als Lieferant, und wir versuchen, ihnen hohe Qualität zu einem angemessenen Preis zu bieten.

    - Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Themen im deutsch-russischen Business-Dialog heute?

    Natürlich beschäftigt Wirtschaftsvertreter auf deutscher wie auf russischer Seite die weltpolitische Lage sowie politische Handelsrestriktionen, die grenzübergreifenden Wirtschaftsverkehr beeinträchtigen und mit denen wir umgehen müssen.  Darüber hinaus ist der gegenseitige Austausch aber vor allem wertvoll, um voneinander zu lernen. Für Russland ist das insbesondere das Verständnis für die deutsche Ingenieurskunst, die effiziente Produktionskultur und die hohen Qualitätsanforderungen. In Russland sind wir stolz auf unsere oft innovativen Ansätze, mit denen wir völlig unkonventionelle Lösungen anbieten können. Russland ist ein ressourcenreiches Land. Ich denke, dass die Kombination dieser Ressourcen mit ihrer kreativen Nutzung und sorgfältigen Bewirtschaftung die Zusammenarbeit zwischen russischen und deutschen Unternehmen sehr fruchtbar machen kann.

    - Beobachten Sie irgendwelche Mentalitätsunterschiede bei der Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen? Erweisen sie sich als ein Hindernis für die Geschäftskommunikation?

    Ich denke eher, dass es unsere Gemeinsamkeiten sind, die wir uns zunutze machen können. Sowohl Russen als auch Deutsche sind bei der Lösung von Problemen recht pragmatisch. Sie sind gleichermaßen daran interessiert, etwas Neues zu schaffen. Es gibt natürlich Mentalitätsunterschiede. Aber wenn man sich gegenseitig mit Respekt behandelt und wirklich versucht, sich zu verstehen und zusammenzuarbeiten, dann werden diese Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, und wir finden eine gemeinsame Sprache, die für beide Seiten verständlich ist.

    Kamera: Sergei Elow

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (20)

    Zum Thema:

    Läster-Attacke:„Mahlzeit, Frau Bundeskanzlerin“ - Spottrede von EU-Abgeordnetem Sonneborn vor Merkel
    UN-Sicherheitsrat lehnt Russlands Resolutionsentwurf zu Syrien ab
    Medwedew erzählt über sein Verhältnis zu Putin
    Tags:
    Geschäft, Deutschland, Russland