09:41 07 Juli 2020
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    Im französischen Atomkraftwerk Fessenheim, das sich nahe der deutschen Grenze befindet, ist am Samstagmorgen der erste von zwei Reaktoren erfolgreich vom Netz genommen worden. Dies meldet die Nachrichtenagentur France-Presse unter Verweis auf den Betreiber Electricité de France (EDF).

    Der 900-Megawatt-Druckwasserreaktor wurde demnach gegen 02.00 Uhr abgeschaltet. Die Operation habe am späten Freitagabend begonnen und sei planmäßig verlaufen.

    Kritik und Proteste

    Fessenheims Bürgermeister Claude Brender kritisierte die Stilllegung, für die nach seinen Worten viele Menschen in der Region kein Verständnis haben, als „Sterbehilfe“ und „politische Plakatierung“.

    „Wir wollen Fessenheim schließen, weil es ein bestimmtes Symbol ist. Wir berücksichtigen dabei die Bedürfnisse des Territoriums nicht“, zitiert ihn die Agentur.

    Mitarbeiter, die mit der Abschaltung nicht einverstanden waren, hatten noch damit gedroht, die geplanten Arbeitsschritte nicht zu befolgen. Für Samstagnachmittag kündigten Atomkraftbefürworter eine Demonstration an.

    Technologiepark statt AKW

    Laut Frankreichs Energieministerin Elisabeth Borne ist die Abschaltung dagegen ein „historischer Schritt“. Sie versprach, es werde keinen Arbeitsplatzverlust geben.

    Deutschland und Frankreich vereinbarten nach AFP-Informationen, in der Region Fessenheim einen Technologiepark zu errichten. Dafür seien Startgelder in Höhe von rund einer Million Euro vorgesehen.

    Kraftwerk-Demontage dauert offenbar noch 20 Jahre

    Das Atomkraftwerk hatte vor 43 Jahren den Betrieb aufgenommen. Nach Angaben der französischen Regierung soll dann am 30. Juni der zweite Block des AKW endgültig abgeschaltet werden.

    Voraussichtlich soll es noch mehrere Monate dauern, bis beide Reaktoren ausreichend abgekühlt sind. Erst dann kann mit dem Rückbau des Atomkraftwerks begonnen werden. Die Brennelemente sollen laut der Agentur bis 2023 entfernt werden. Die Demontage des Meilers beginnt 2025 und könnte 2040 beendet werden.

    Ursprünglich hatte die französische Regierung das Aus für das AKW Fessenheim bereits für Ende 2016 versprochen. Trotz einer Zusage des damaligen Präsidenten François Hollande gab die Regierung von Präsident Emmanuel Macron aber erst 2018 endgültig grünes Licht.

    mo/mt

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    Tags:
    AKW, Frankreich