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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (200)
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    Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Nachteile der Globalisierung aufgezeigt: Die wirtschaftliche Sicherheit einzelner Länder geht verloren. Der Gesamtverlust der Weltwirtschaft durch die Epidemie kann zwischen 300 und 500 Milliarden Dollar liegen. Alle Volkswirtschaften werden betroffen.

    Coronavirus werde sicherlich Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, sagte die Direktorin des Instituts für das Studium der internationalen Wirtschaftsbeziehungen, Wiktoria Perskaja, während einer Diskussionsrunde in der Nachrichtenagentur „Rossija Segodnja“.

    „Laut Goldman Sachs sollten die Gesamtverluste durch das Coronavirus innerhalb von 0,15 Prozent des globalen BIP-Wachstums liegen, das heißt, die Gesamtverluste werden sich auf 115 bis 120 Milliarden Dollar belaufen. Diese Prognosen sind recht optimistisch, da sie Anfang Februar gemacht wurden, als die Verbreitung des Virus nicht so viele Länder betraf und es keine Erwartungen gab, dass sich der Kampf gegen die Krankheit über längere Zeit hinziehen wird. Wenn wir die Rezessionsperiode und die Quarantänezeit berücksichtigen, die mindestens vier Monate dauern werden, können die Gesamtverluste der Weltwirtschaft zwischen 300 und 500 Milliarden Dollar liegen“, so die Expertin.

    Die weltweiten Aktienmärkte zeigten am Wochenanfang den größten Rückgang seit zwei Jahren: der Dow-Jones-Aktienindex fiel um 3,7 Prozent, Nasdaq verlor 3,71 Prozent und S&P – 3,35 Prozent. Dafür sorgte die rapide Ausbreitung des Coronavirus weit über die Grenzen Chinas hinaus, insbesondere seit COVID-19 das wirtschaftliche Zentrum Italiens bedroht. Die Investoren sind besorgt, dass alle Volkswirtschaften von dem Ausbruch betroffen werden, weil die Lieferketten weiter beeinträchtigt werden: der Handel mit China ist aufgrund der Quarantäne eingeschränkt.

    Laut Perskaja liegt die größte Fehleinschätzung der Ökonomen in der Abhängigkeit der Weltwirtschaft von einem Land:

    „Wir sehen die Abhängigkeit einer sehr großen Anzahl von Ländern von einem Land. Im Falle einer Epidemie bedeutet die Stilllegung von Unternehmen in einem Land die Aufhebung globaler Wertschöpfungsketten. Die Globalisierung zeigt sich auch darin, dass die wirtschaftliche Sicherheit einzelner Länder verloren geht.“

    Gleichzeitig bleibe die wirtschaftliche Situation selbst in China, das alles unternimmt, um die Epidemie einzudämmen, sehr schwierig, stellte der Direktor des Instituts für Fernost-Studien, Sergej Lusjanin, während der Diskussion fest.

    „Wir können bereits einen Rückgang des Dienstleistungssektors feststellen, der 50 Prozent der chinesischen Wirtschaft ausmacht. Dies wird zwangsläufig zu einem Rückgang des BIP-Wachstums um 4 Prozent gegenüber dem vorherigen Kennwert von 6 Prozent führen. Darüber hinaus leidet das Image des Landes. Die Modernisierung Chinas, die enormen Erfolge in der sozialwirtschaftlichen und technologischen Entwicklung sind bedroht. Sicher werden Programme wie „One Belt, One Way“ sowie Programme innerhalb der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit und der BRICS fortgesetzt, aber möglicherweise werden sie auf irgendeine Weise angepasst.“

    Während der Diskussion stellten Experten fest, dass die Tourismusbranche bereits unter der durch Epidemien verursachten Panik leidet und es Probleme mit den Kontakten zwischen Menschen gibt. Die Folgen werden mehrere Monate lang spürbar sein, und die Sektoren Technologie, Pharma und Elektronik werden als erste darunter leiden.

    Quarantänebeschränkungen werden Gerätehersteller in Deutschland, Japan, der Tschechischen Republik, Ungarn und Polen sowie die meisten globalen Autohersteller treffen, die auf Komponenten aus China angewiesen seien, sagte der Experte des Waldai-Clubs, Mitglied des russischen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik, Alexander Losew.

    Der deutsche Autohersteller Volkswagen AG gab im Januar beim Ausbruch von COVID-19 einen Umsatzrückgang von 11 Prozent in China bekannt. Volkswagen ist der größte ausländische Automobilhersteller in China und verkauft dort Autos der Marken Volkswagen sowie Audi, Porsche und Skoda. Globale Autohersteller haben große Aktivitäten in China. Analysten warnen davor, dass die Sperrung einer Reihe von Städten die Gewinne des Sektors im ersten Quartal 2020 ernsthaft beeinflussen wird.

    „Noch gefährlicher ist jedoch die allgemeine Verlangsamung der Weltwirtschaft, und das Risiko einer Rezession gleichzeitig in mehreren G7-Ländern ist eine echte Bedrohung für den Beginn einer neuen globalen Wirtschaftskrise“, betont Losew.

    Inzwischen hat sich das Virus auf 37 Länder ausgebreitet. Der Irak, Kuwait, Oman, Afghanistan und Bahrain haben erste Fälle gemeldet. In Südkorea ist die Zahl der Infizierten gestiegen, nachgewiesen sind etwa 900 Infektionen. Die Weltgesundheitsorganisation appellierte an die Regierungen, verstärkte Maßnahmen zu ergreifen, um sich auf eine mögliche Pandemie vorzubereiten.  Laut Dr. Michael Ryan, Exekutivdirektor WHO Health Emergencies Programme, gibt es die Hoffnung, dass es „mit kleineren Ausbrüchen gelingen wird, das Virus zu unterdrücken und einzudämmen“, wie es in China und einer Reihe anderer Länder der Fall ist.

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    Wirtschaftskrise, Weltwirtschaft, Coronavirus