07:00 29 September 2020
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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (200)
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    Der Coronavirus breitet sich aus und droht, die deutsche Wirtschaft stark zu treffen. Einem Medienbericht zufolge beabsichtigt die Bundesregierung, sich nun „mit verschiedenen Szenarien und Hilfen“ einzumischen.

    „Wir prüfen derzeit verschiedene Szenarien und Hilfen für die Wirtschaft“, berichtet das „Handelsblatt“ am Donnerstag unter Verweis auf Regierungskreise. Je nachdem, wie stark das Virus sich verbreite, gebe es unterschiedliche Möglichkeiten zum Gegensteuern. Demnach soll in wenigen Tagen ein konkreter Plan, an dem unter anderem das Bundesfinanzministerium und das Bundeswirtschaftsministerium arbeiten, vorliegen.

    Geprüft werden laut dem „Handelsblatt“ Steuersenkungen und bessere Abschreibungsregeln. Auch überlege die Regierung, wie sie einzelnen Firmen helfe könne, die besonders unter den Folgen des Virus leiden.

    Zugleich berichtet das Magazin, dass die Hilfsmaßnahmen nur begrenzte Wirkung entfalten dürften: Es gehe vor allem darum, die Folgen des Virus abzufedern. „Die Störung globaler Wertschöpfungsketten wird man auch mit konjunkturellen Maßnahmen nicht in den Griff bekommen“, sagte ein Regierungsvertreter dem „Handelsblatt“.

    Coronavirus-Ausbruch versetzt auch Deutschland in Krisenmodus

    Nach den ersten Ausbrüchen des neuartigen Coronavirus steht Deutschland am Beginn einer Epidemie. In mehreren Bundesländern wird intensiv nach möglichen Sars-CoV-2-Infizierten gesucht. Nach den bisher bekannten Zahlen ist das neue Virus laut Robert Koch-Institut (RKI) tödlicher als die Grippe. Wie viel höher die Sterberate sei, sehe man erst nach dem Ende der Epidemie, sagte Institutspräsident Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. Bundesinnenminister Horst Seehofer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn richten einen Corona-Krisenstab ein.

    Die deutsche Industrie sieht das neuartige Coronavirus als „Stresstest“ für die Wirtschaft und befürchtet Folgen für die Konjunktur. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang forderte die Bundesregierung am Donnerstag zu einem koordinierten wirtschaftspolitischen Vorgehen auf. „Die Unsicherheit über die Auswirkungen des Virus ist groß. Der Konjunktur drohen spürbare negative Effekte“.

    Schon 230 Messen wegen Covid-19 abgesagt oder verschoben

    Die Furcht vor dem neuartigen Coronavirus lähmt zunehmend das weltweite Messegeschäft. Laut einer Datensammlung der Frankfurter m+a Messemedien sind rund um den Globus bereits 230 Messeveranstaltungen abgesagt oder zumindest verschoben worden. Darunter sind 50 Veranstaltungen in Europa mit dem Schwerpunkt Italien. In Deutschland wurden bislang drei Messen in Berlin, Frankfurt und Köln auf spätere Termine verlegt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen seien unabsehbar, erklärte am Donnerstag die Chefredakteurin der Fachzeitschrift „m+a report“, Christiane Appel, in Frankfurt. Die Liste soll laufend aktualisiert werden.

    Coronavirus-Fälle in Deutschland

    In Nordrhein-Westfalen, wo bis Donnerstagmorgen fünf Fälle bekannt waren, suchen die Behörden nach möglichen weiteren Infizierten. Mehrere Hundert Menschen stehen dort unter häuslicher Quarantäne. Das schätzte der Kreis Heinsberg. Betroffen seien vor allem Besucher einer Karnevalssitzung in Gangelt, die ein infiziertes Paar besucht hatte. Die Maßnahme gelte auch für das Personal und die Kinder des Kindergartens, in dem die Frau als Erzieherin beschäftigt sei. Auch die Menschen, die mit diesen Betroffenen in einem Haushalt leben, sollen zu Hause bleiben, sagte der Sprecher des Kreises. Die Leute dürften 14 Tage lang ihre Wohnungen nicht verlassen und müssten sich von Freunden, Verwandten oder Nachbarn mit Lebensmitteln versorgen lassen, die dann die Einkäufe vor der Haustür abstellten.

    In Baden-Württemberg halten die Gesundheitsbehörden Familie, Freunde und Kollegen von vier Infizierten im Blick. Am Dienstagabend wurde ein Nachweis bei einem Italien-Rückkehrer in Göppingen bekannt. Nach Angaben der Behörden steht der Fall im Zusammenhang mit zwei Nachweisen in Tübingen. Bei einem Fall im Landkreis Rottweil war ein Mann mit seiner Familie aus einem Risikogebiet, dem Ort Codogno in der italienischen Provinz Lodi, eingereist.

    In Deutschland waren vor mehr als zwei Wochen insgesamt 16 Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet geworden, die nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen geführt haben.

    Coronavirus-Fälle weltweit

    Aus weiteren Ländern wurden erste Fälle gemeldet, etwa aus Israel, Dänemark, Norwegen, Estland und Rumänien. In Italien gibt es mit mehr als 500 Infizierten und mindestens 14 Toten den größten Ausbruch Europas. Saudi-Arabien hat aus Sorge vor einer Verbreitung seine Grenzen für Pilgerreisen von Ausländern in die beiden Städte Mekka und Medina geschlossen. Vorerst ausgesetzt würden auch Einreisen mit Touristenvisa aus Ländern, in denen die Verbreitung des Virus eine Gefahr darstelle, teilte das Außenministerium in Riad mit. Für welche Länder dies gelte, blieb zunächst unklar.

    In Südkorea verschieben die Streitkräfte des asiatischen Landes und der USA ihr Frühjahrsmanöver auf unbestimmte Zeit. Die Gesundheitsbehörden des Landes meldeten im Verlauf des Donnerstags 505 neue Fälle und damit mehr als China. Die Zahl der Menschen, die sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, kletterte auf 1766. Bisher wurden 13 Todesfälle mit dem Virus in Verbindung gebracht. Die Mehrzahl der neuen Infektionen konzentriert sich auf die südöstliche Millionen-Stadt Daegu und die Region. Etwa die Hälfte aller Fälle im Land entfällt auf Anhänger der in Daegu stark vertretenen christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die auch Verbindungen nach China hat.

    Japan will im Kampf gegen das neuartige Virus alle Schulen schließen. Die Maßnahme trete Montag in Kraft, sagte Premierminister Shinzo Abe am Donnerstag. Die Schließung soll demnach bis zum Beginn der zehntägigen Frühlingsferien Ende März gelten.

    In China stieg die Zahl der erfassten Infektionen auf rund 78 500, die Zahl der Toten lag in der offiziellen Statistik für Festlandchina bei 2744. Seit einer neuerlichen Änderung der Zählweise vergangene Woche hat sich der täglich berichtete Anstieg der neuen Infektionen mit dem Virus und der Todesfälle in der Statistik Chinas deutlich reduziert.

    sm/gs/dpa

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