21:42 05 April 2020
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    Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz tritt am Sonntag in Kraft. Experten haben gegenüber der DPA die neue Regelung kommentiert.

    Der Migrationsexperte Thomas Liebig von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat das Gesetz vorsichtig optimistisch eingeschätzt. Schon der Name sei ein „deutliches Signal, dass wir uns für Fachkräfte aus dem Ausland öffnen“, zitiert ihn die Agentur.

    „Es wäre wichtiger, auf Anpassungsfähigkeit und hohe Motivation von Einwandern zu achten als auf formale Qualifikationen.“

    Das sei auch deshalb wichtig, weil der technologische Wandel die Arbeitswelt in Deutschland so stark

    verändern werde wie in kaum einem anderen Land.

    Nach den Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) steige die Anzahl der Anfragen schon jetzt rasant. Häufig gehe es dabei um Situationen, in denen Handwerksbetriebe schon ausländische Fachkräfte kennen und diese möglichst schnell ins Land holen wollten.

    „Entscheidend ist jetzt, dass das Gesetz bürokratiearm und mittelstandsfreundlich umgesetzt wird.“

    Anerkennung der Qualifikationen

    Allerdings wird das Gesetz aus der Sicht der Vorsitzenden des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), Petra Bendel, „erst dann wirken“, wenn „im Ausland erworbene Qualifikationen zügig anerkannt“ würden. Außerdem seien gute Sprachkurse und schnelle Visa wichtig.

    Umstritten ist jedoch, wie sich die Pflicht zum Nachweis vergleichbarer Qualifikationen auswirken wird.

    „Im Ausland erworbene Qualifikationen lassen sich oft nicht mit deutschen Berufsabschlüssen vergleichen“, sagte Bendel.

    Deshalb sei es gut, dass die Bundesregierung die Möglichkeiten zur Nachqualifizierung in Deutschland stark ausgebaut habe.

    Marius Clemens vom Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) bezeichnete Deutschlands Ausbildungssystem als „speziell“. Dadurch sei eine „eindeutige Nachweisregelung nur schwer möglich“. Gegenüber dem Gesetz ist Clemens daher etwas skeptisch.

    „Auch wenn das Einwanderungsgesetz der erste Schritt in die richtige Richtung ist, wird es wohl in der aktuellen Form nur einen kleinen Beitrag zur Lösung des Fachkräfteproblems leisten können.“

    Der OECD-Experte Liebig bedauerte im deutschen System die nicht ausreichende Flexibilität.

    „Im deutschen System kann man nicht Schwächen in einem Bereich – etwa den Mangel an formal anerkannten Qualifikationen – zum Beispiel durch gute Sprachkenntnisse ausgleichen.“

    Sprachkenntnisse

    Liebig sind gerade Sprachkenntnisse eine gute „Messlatte“ für Motivation. Laut Susanne Baumgart, der Leiterin des Goethe-Instituts, das an einem Ausbildungsprojekt in Marokko für die Gastronomie und die Baubranche teilnimmt, geht es neben der wichtigen sprachlichen Ausbildung vor allem auch darum, ein realistisches Bild von Deutschland und der Arbeit in den Branchen zu zeichnen.

    „Für manche ist das ein Traum, der zum Alptraum wird, wenn sie sich dann irgendwo alleine in der bayerischen Provinz wiederfinden.“

    Immerhin: Von den mehr als 100 Teilnehmern aus einer ersten Pilotphase, die 2017 begonnen hatte, sind nach GIZ-Angaben noch drei Viertel in Ausbildung und legen bald ihre Abschlussprüfungen ab.

    Leichterer Weg nach Deutschland für Fachkundige

    Am 1. März 2020 tritt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Damit wird der Rahmen für die Einwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Ländern außerhalb der EU nach Deutschland erweitert.

    Bislang können nur Uni-Absolventen aus Nicht-EU-Staaten ohne Arbeitsplatzangebot in Deutschland nach Jobs suchen. Von März an können auch Fachkräfte zur Arbeitsplatzsuche kommen, wenn sie Deutsch sprechen und ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Die Vorrangprüfung, bei der geprüft wird, ob nicht auch ein inländischer Bewerber zur Verfügung steht, soll für qualifizierte Ausländer mit Arbeitsvertrag entfallen. Visa sollen schneller vergeben werden. Für EU-Bürger gilt weiterhin Arbeitnehmerfreizügigkeit.

    Laut einer früheren Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt es weltweit einen großen Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Alleine das deutsche Handwerk könne 250.000 offene Stellen besetzen.

    Nach der Einschätzung von Experten werden im Pflegebereich rund 150.000 zusätzliche Kräfte bis 2025 benötigt.

    mo/mt/dpa

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