04:11 03 April 2020
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    Aufgrund eines Schweiz-Zuschlags müssen die Schweizer ihre Produkte oft teurer kaufen als Konsumenten aus dem umgebenden Ausland. In einer Studie zeigt sich, dass diese Benachteiligung des Schweizer Kunden mehrere Milliarden Franken ausmacht – und das jährlich. Die will eine Initiative nun ändern.

    Anlässlich der Fair-Preis-Initiative, die im März vom Schweizer Nationalrat beraten werden soll, wurde eine Studie durchgeführt. Diese verglich den Preis identischer Produkte in der Schweiz und dem umgebenden Ausland. Laut der Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“ soll die Studie vom Wirtschaftsprofessor der Fachhochschule Nordwestschweiz Mathias Binswanger durchgeführt worden sein. Er habe mit seinem Team die Preise von über 1000 Produkten auf verschiedenen Internetseiten und im Fachhandel analysiert.

    Im Internet kommt es zu einem sogenannten Geoblocking, was einen erheblichen Nachteil für Kunden aus der Schweiz darstellt. Geoblocking ist die Umleitung von einer Homepage zu einer anderen Seite, die Produkte zu einem teureren Preis verkaufen soll. Dies passiere automatisch, sobald der Nutzer aus der Schweiz identifiziert wird.

    Binswanger berichtet dem „Tages-Anzeiger“, dass Schweizer Unternehmen, Institutionen und Konsumenten rund 3,33 Milliarden Franken (3,13 Mrd. Euro) im Jahr zu viel bezahlen würden – diese Zahl bezieht sich auf den von ihm untersuchten Bereich. Die untersuchten Produkte liegen in den Wirtschaftssektoren aus dem Gesundheitswesen, der Gastronomie und Hotellerie, dem Forschungs- und dem Bildungswesen.

    15 Milliarden Franken zu viel

    Die weitaus größte Betragsdifferenz liegt im Bekleidungsbereich. Binswanger legt Schätzungen an, die sagen, dass Schweizer 1,86 Milliarden Franken (1,75 Mia. Euro) zu viel zahlen für Modeartikel. Im Durchschnitt seien Markenkleider 20 Prozent teurer als im Ausland– dies gilt immer für das gleiche Produkt einer Kleidungsmarke. Der größte festgestellte Preisaufschlag befände sich bei einem Aufpreis von 78 Prozent.

    Auch die Krankenhäuser seien enorm von dem Preisunterschied betroffen. Seit einer Untersuchung des Kantonsspital Winterthur, gehe Binswanger von 600 Millionen Franken (564 Mio. Euro) aus, die Schweizer Spitäler zu viel für Verbrauchs- und Gebrauchsgüter bezahlen. Der „Tages-Anzeiger“ schreibt, dass alleine in Winterthur 11,9 Millionen Franken (11,2 Mio. Euro) gespart werden können, wenn man 70 Prozent aller Produkte zu dortigen Preisen bestellen würde. In der Gastronomie und der Hotellerie komme Binswanger auf den Wert von 289 Millionen Franken (271,7 Mio. Euro) und in der Forschung betrüge die Differenz etwa 40 Millionen Franken (37,6 Mio. Euro).

    Auch im Initiativkomitee sitzt der ehemalige SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm. Dieser schätzt die Summe, welche durch Importpreise verloren geht, für den Schweizer Konsumenten auf 15 Milliarden Franken (14,1 Mrd. Euro). Diese Zahlen müssten jedoch mit Vorsicht genossen werden, schreibt der „Tages-Anzeiger“, da sich diese hauptsächlich auf Schätzungen beziehen. Dennoch bleibe unbestritten, dass die Studie eine klare Benachteiligung von Schweizer Kunden aufzeige.

    Fair-Preis-Initiative

    Die Initiative soll im März dieses Jahres vor den Nationalrat kommen. Der Zweck der Initiative soll es sein, fairere Preise für Schweizer Konsumenten im öffentlichen und privaten Bereich einzurichten. Grund dafür sei laut dem Initiativkomitee:

    „Dies liegt an ungerechtfertigten Schweiz-Zuschlägen – und nicht an den höheren Schweizer Lohn-, Miet- und Infrastrukturkosten. Tatsache ist: Ausländische Produzenten und Lieferanten schöpfen die Schweizer Kaufkraft gezielt ab. Sie schotten ihre Vertriebssysteme ab und setzen so überhöhte Preise durch. Darunter leidet die Schweiz.“

    lm

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