08:09 13 August 2020
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    Trotz Corona-Krise können sich Saudi-Arabien und Russland nicht auf neue Öl-Produktionsbeschränkungen einigen. Stattdessen entwickelt sich ein Preiskrieg. Dahinter vermutet Energieexperte Behrooz Abdolvand einen geoökonomischen Konflikt zwischen den russischen Öl-Produzenten und den US-amerikanischen Fracking-Ölunternehmen.

    Am Freitag waren die Gespräche zwischen der OPEC und Russland über eine gemeinsame Förderdrosselung gescheitert. Der saudi-arabische Öl-Konzern „Saudi Aramco“ kündigte daraufhin an, den offiziellen Verkaufspreis für alle Öl-Sorten und alle Abnehmer zu senken. So sollten sich Lieferungen nach Nordwest-Europa um acht Dollar je Barrel verbilligen. Auf 12,3 Millionen Barrel täglich solle die Produktion hochgefahren werden. Im Februar waren es noch 9,7 Millionen Barrel gewesen.

    Auch Russland könne die eigene Ölproduktion ebenfalls um bis zu 500.000 Barrel täglich steigern, erklärte Russlands Energieminister Alexander Nowak. Russland würde damit seine Förderung auf einen Rekordwert von 11,8 Millionen Barrel hochtreiben. Gleichzeitig betonte Nowak, dass die OPEC+-Türen nicht verschlossen seien und die nächsten Treffen im Mai oder Juni durchgeführt würden. Im Kreml wird zudem nicht ausgeschlossen, dass sich Moskau und Riad hinsichtlich der Ölförderung einigen werden.

    Saudi-Arabien sieht jedoch laut dem Energieminister des Königreichs, Abdulaziz bin Salman, „keinen Anlass zur Einberufung der Treffen im Mai und Juni, nur um unseren Misserfolg bei der Verabschiedung von erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung dieser Krise und bei der Durchführung nötiger Aktionen zu zeigen“.

    „Preissturz wird nicht lange dauern“

    Hier finde ein „Kampf um den Marktanteilerhalt“ statt, der zu dem Preissturz geführt habe, sagt der Rohstoffexperte vom „DESB Consulting“, Dr. Behrooz Abdolvand, im Sputnik-Interview. „Russland hat immer versucht, seinen Marktanteil zu erweitern. Die OPEC versucht seinen Marktanteil, zu behalten und die USA versuchen, mindestens so viel Fracking-Öl zu produzieren, um ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt zu behalten.“

    Das sei für die Verbraucher derzeit eine gute Gelegenheit, die strategischen Reserven zu füllen, „weil dieser Preissturz nicht lange dauern wird“, glaubt der Experte. Denn die Produktionskosten seien in Russland oder in Saudi-Arabien in den letzten Jahren gestiegen. Gleichzeitig sieht Abdolvand einen Grund zur Sorge: Neben der angekündigten Produktionserweiterung biete Riad ein Rabat bis zu sieben US-Dollar. „Im Prinzip haben wir damit die 25 Dollar-Marke auf der realen Marktbasis erreicht“, bemerkt der deutsch-iranische Ökonom. In zwei bis drei Monaten erwartet er gar einen Preissturz bis zu 20 US-Dollar pro Barell.

    Geoökonomische Faktoren?

    Doch Abdolvand sieht auch andere Hintergründe für den extremen Preissturz: „Allen voran der Weltwirtschaftskrieg zwischen Russland und den USA hatte den ersten Anstoß gegeben. Im Nachhinein gab der Coronavirus den zweiten Schubs in die Richtung, dass der Ölpreis reduziert wurde.“ Diese Veränderung komme nicht überraschend und sei ein langfristiger Trend. Der Ölpreis sei nur eine Art Parameter, der die Weltwirtschaftskrise signalisiere, erklärt der Energieexperte.

    So spiele in dieser Produktionserweiterung Russlands der geoökonomische Faktor eine entscheidende Rolle: Es gehe darum Fracking-Öl und -Gas vom Markt zu verdrängen, vermutet Abdolvand.

    „Zurzeit haben wir mit Reduzierung der Produktion von shale oil und shale gas (Anm. d. Red.: Frackingöl und – Gas) zu tun. Durch diesen Preissturz ist es nicht mehr rentabel. Dafür braucht man einen Preis von mindestens 50 US-Dollar pro Barrel.“

    Für den US-Markt sei es damit eine Katastrophe, betont Abdolvand. Er rechnet mit einer „massiven Arbeitslosigkeit“ im US-Ölsektor. Laut Medienberichten hängen Hunderttausende Arbeitsplätze an dem Wirtschaftszweig.

    Auch Saudi-Arabien werde, unter den niedrigen Preisen leiden, „weil der Staatsetat von Saudi-Arabien eine 80 Dollar-Marke verlangt. In Russland sind 45 US-Dollar vorgesehen für die Deckung des Staatsetats. Aus dieser Perspektive stürzen alle drei Länder in die Weltwirtschaftskrise“, prognostiziert Abdolvand.

    Jedoch sei es für Russland ein Vorteil, bemerkt der „DESB Consulting“-Geschäftsführer. „Wir sehen, dass die USA versucht haben, Russland mit Sanktionen vom Markt zu drängen und durch Sanktionen auch ‚Gazprom‘ aus dem Markt zu werfen“. Nun habe Russland die Möglichkeit, sich zu revangieren.

    Vor diesem Hintergrund erwartet Abdolvand, dass sowohl Russland als auch Saudi-Arabien aus dem sogenannten Preiskrieg als Gewinner hervorgehen werden. Verlierer seien die Fracking-Öl und -Gas.

    Nur Russen, Saudis und Fake-News sind schuld?

    US-Präsident Donald Trump macht für den Preissturz an den Märkten allein den Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland sowie die „Fake News“ verantwortlich.

    ​Das sieht Abdolvand anderes: Einer der Gründe für den Preisrückgang sei die „merkantilistische Politik“ von Trump. „Trump hat die wirtschaftliche Grundlage für eine Weltwirtschaftskrise und den Weltwirtschaftskrieg vorbereitet. Das ist nun das Nachbeben dieser Ereignisse.“ Nicht nur der Coronavirus und der Ölsturz seien schuld daran. Auch vor Corona, seit 2017 beobachtet er einen Preisrückgang.

    Der Ölpreis steht bereits wegen der Sorge vor einem Abschwung der Weltwirtschaft im Zuge der Coronavirus-Epidemie unter Druck. Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass es auf dem Markt bereits eine Ölschwemme entstand.

    Das Interview mit Dr. Behrooz Abdolvand:

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    Tags:
    Ölmarkt, Russland, Saudi-Arabien, Saudi Aramco, OPEC