22:42 06 Juli 2020
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    Wegen des Coronavirus und der Maßnahmen zur Verhinderung seiner Ausbreitung riskiert die Ölnachfrage in der Welt im Jahr 2020 laut der Wirtschaftsagentur Bloomberg, den größten Absturz in der Geschichte aufzuzeigen. Die Agentur beruft sich dabei auf eine Expertenumfrage.

    Das Reiseverbot, Remote-Arbeit zu Hause, abgesagter Urlaub und zerstörte Lieferketten – all das bedeutet eine Verringerung der Brennstoffnachfrage. Je nach der weiteren Reaktion der Gesellschaft auf das Virus fällt auch die Ölnachfrage (...) weiter“, schreibt die Agentur.

    So befürchten die Trader, dass die Ölnachfrage, die im Jahr 2019 mehr als 100 Millionen Barrel pro Tag betrug, in diesem Jahr den maximalen Rückgang in der ganzen Geschichte aufzeigen werde. Die Abnahme könne mehr als eine Million Barrel pro Tag erreichen, wie dies während der Rezession 2009 registriert wurde, und sogar  2,65 Millionen Barrel, wie es 1980 passierte, als die Weltwirtschaft ein Crash nach der zweiten Ölkrise erlitten hatte. Darüber hinaus seien einige Trader der Ansicht, dass die Ölpreise bis auf einstellige Werte zurückrollen könnten, die es seit den Zeiten des Ölpreiskrieges zwischen Saudi-Arabien und Venezuela 1997 bis 1999 nicht gegeben habe.

    „Eine solche Situation haben wir noch nie in der Geschichte erlebt“, zitiert die Agentur den Chefökonom des Trading-Unternehmens Trafigura Group, Saad Rahim.

    „Wir werden eine äußerst scharfe Nachfragesenkung sehen“, meint der Chefökonom vom Trading-Unternehmen Vitol Group, Giovanni Serio, der ebenfalls von Bloomberg zitiert wird.

    Goldman Sachs sagt voraus, dass von Februar bis April die Nachfrage nach Erdöl um mehr als vier Millionen Barrel pro Tag monatlich sinken werde, heißt es in dem Beitrag. Andere Investoren erwarten sogar eine noch schlechtere Entwicklung. Nach Einschätzungen des Andurand-Fonds könne die Nachfrage um zehn Millionen Barrel pro Tag im ersten Quartal und sogar darüber hinaus abnehmen.

    Das Unternehmen Trafigura erwartet zudem, dass die Ölnachfrage in absehbarer Zeit eine Senkung um zehn Millionen Barrel pro Tag erreichen könne. Allerdings gelte diese Prognose, wie die Agentur betont, vorerst für eine kurzfristige Periode, nicht aber für das Quartal oder das Jahr. Dabei prognostiziert das Consulting-Unternehmen IHS Markit eine Nachfragesenkung um 1,42 Millionen Barrel im Durchschnitt im Jahr oder sogar um 2,8 Millionen Barrel – dies gelte für ein schlimmeres Szenarium. Eine andere Consulting Company – FGE – vermutet, dass die Abnahme der Nachfrage im Jahr 2020 1,3 Millionen Barrel pro Tag betragen werde.

    ek/mt/sna

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    Tags:
    Coronavirus, Absturz, Nachfrage, Ölpreise, Agentur Bloomberg