00:47 03 April 2020
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    Laut dem Arbeitsmarktexperten vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Karl Brenke, kann derzeit niemand abschätzen, welche ökonomischen Folgen die Corona-Pandemie haben wird. Die Politik könne aber nicht versprechen, dass sie jedes Unternehmen vor dem Konkurs retten kann.

    So kommentierte Brenke die kürzlichen Versprechen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier, die Krise werde Deutschland kaum Jobs kosten. „Wir haben so viele Reserven, dass wir versprechen können, dass wir alles tun, dass kein Arbeitsplatz verloren geht und kein gesundes Unternehmen schließen muss“, sagte Altmaier am Montagabend bei „Hart, aber fair“ im WDR. „Egal, ob es eine Milliarde mehr oder weniger kostet“, so der CDU-Politiker. 

    Allerdings sei die Bundesregierung bemüht, die Bürger zu beruhigen, damit keine Verzagtheit und insbesondere keine Panik aufkommt, erklärt Brenke weiter. „Welche ökonomischen Folgen die Corona-Pandemie hat, kann derzeit aber niemand abschätzen – zumal völlig unbekannt, ist, welchen Verlauf die Pandemie nimmt und wie lange sie dauert.“ Schwer sei dies alles auch, weil es überhaupt keine Referenzsituation gebe, an der Prognostiker sich orientieren könnten. 

    „Klar ist aber schon jetzt, dass es erhebliche Produktionsausfälle gibt und weitere angekündigt sind“, verweist der Experte weiter. Natürlich werde es mehr Arbeitslose und Kurzarbeiter geben, wenn Gaststätten oder Einzelhandelsgeschäfte schließen müssten, denn die Arbeitgeber in den entsprechenden Branchen hätten keine Einnahmen und müssten deshalb versuchen, alle Kosten so weit wie möglich zu senken. 

    „Und wenn keine Einnahmen fließen, aber Kosten weiterlaufen (etwa für Miete, Strom, Versicherungen etc), dann folgt über kurz oder lang die Geschäftsaufgabe. Dann sind die Jobs auf jeden Fall weg, selbst wenn die Arbeitnehmer in Kurzarbeit geparkt sind.“

    Brenkes Fazit: Die Politik kann nicht versprechen, dass sie jedes Unternehmen vor dem Konkurs retten kann. Warum? Siehe oben. Weil die Folgen nicht kalkulierbar sind: „Wenn die Krise lange dauert, wird es überhaupt nicht die finanziellen Mittel geben.“

    So ähnlich dürfte es auch mit dem Versprechen sein, dass immer für eine hinreichende Lebensmittelversorgung gesorgt sei. „Denn wenn wegen Krankheit Hersteller von Lebensmitteln die Produktion einstellen oder Supermärkte schließen müssen, dann gibt es Versorgungsprobleme. Alles eine Frage des Verlaufs und der Dauer der Pandemie.“ Bisher erleben Deutschlands Supermärkte einen Ansturm vor allem auf Lebensmittel und Hygieneartikel und planen Sofortmaßnahmen. Allerdings ging man in den von Sputnik befragten Supermarktketten nicht auf die Frage ein, ob man da einen Notfallplan habe, sollte es in wenigen Tagen zu einer bundesweiten Ausgangssperre kommen.

    Vor einigen Tagen hatten Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) angekündigt, in der Corona-Krise die deutsche Wirtschaft mit 500 Milliarden Euro unterstützen zu wollen. Auch sollen „wichtige Firmen“ notfalls vorübergehend verstaatlicht werden. Experten rechnen ihrerseits mit einer großen Insolvenzwelle. Der Chef des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Sebastian Dullien, lehnte Altmaiers Äußerungen zu den Arbeitsplätzen als „realitätfern“ ab. Schon jetzt erzählen einige Arbeitnehmer von kleineren Firmen anonym gegenüber Sputnik, dass ihre Arbeitgeber mit Entlassungen rechnen, sollte die Corona-Krise bis zum Mai andauern. 

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    Tags:
    Arbeitsmarkt, Insolvenz, Krise, Peter Altmaier, Coronavirus