14:35 04 August 2020
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    Das US-Energieministerium will Donald Trump dahin bewegen, einen Pakt mit Riad zu schließen, um die Ölpreise zu stützen. Das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Russland würde damit strapaziert, schreibt „The Wall Street Journal“ (WSJ).

    Noch ist der Plan des US-Energieministeriums weder vom Minister noch vom Weißen Haus bestätigt worden, schreibt die Zeitung: Man bespricht sich. Doch würde das Vorhaben umgesetzt, könnte der Austritt Saudi-Arabiens aus der OPEC die Folge sein, so das „WSJ“.

    Zuvor hatte dieselbe Zeitung berichtet, das Trump-Kabinett prüfe die Möglichkeiten, wegen des Preisverfalls am Ölmarkt zu intervenieren: möglicherweise mit politischen Maßnahmen gegen Saudi-Arabien und mit neuen Sanktionen gegen Russland. Präsident Trump erklärte, Amerika werde sich „zur richtigen Zeit“ einmischen.

    Wenig später hat sich das US-Außenministerium mit dem Vorwurf gemeldet, Russland verhalte sich feindselig im Energiesektor: Man kenne Fälle, wenn Russland die Energiewirtschaft zu feindseligen Zwecken eingesetzt habe. „Dieser Umstand spreche bitte für sich“, sagte ein Vertreter des State Departments und rief alle Länder zu Gegenmaßnahmen auf. Moskau hat den Vorwurf zurückgewiesen.

    Keine Verlängerung von OPEC+

    Teilnehmerländer der Vereinbarung OPEC+ haben sich auf weitere Förderkürzungen nicht einigen können, was einen Preissturz im Ölsektor ausgelöst hat. Anfang 2017 hatten sich OPEC-Mitglieder und andere ölproduzierende Länder auf Kürzungen der Ölfördermengen verständigt. Dieser Deal wurde seitdem mehrfach zu unterschiedlichen Bedingungen verlängert.

    Für das Jahresanfangsquartal 2020 einigten sich Teilnehmer von OPEC+ auf eine Förderkürzung um weitere 1,7 Millionen Barrel pro Tag zum Förderumfang vom Oktober 2018. Saudi-Arabien bestand jedoch auf weiteren Kürzungen, während Russland das Förderniveau beizubehalten beabsichtigte. Eine Einigung haben die beiden Seiten nicht erzielen können, weshalb sie ab dem kommenden April an den OPEC+-Deal nicht mehr gebunden sind.

    Daraufhin hat Saudi-Arabien erklärt, seine Ölförderung steigern, die Ölpreise senken und den Abnehmern in Europa größere Liefermengen zu besseren Preiskonditionen anbieten zu wollen. Mit dieser Erklärung brachen die Preise am Ölmarkt nochmal ein.

    Abermals Sanktionen?

    Ob die Vereinigten Staaten jetzt weitere und härtere Sanktionen gegen Russland verhängen wollen, hat der Sprecher des US-Außenministeriums nicht kommentiert: Dies wäre definitiv „gegen unsere Politik“.

    Dass die Anti-Russland-Sanktionen eh einen Umkehreffekt auf die russische Wirtschaft haben, ist jedoch inzwischen auch bei den amerikanischen Leitmedien angekommen:

    „Wie paradox es auch ist“, schreibt „The New York Times“, doch „gerade die Sanktionen und die Gegenmaßnahmen Russlands“ hätten den Kreml auf die aktuelle Wirtschaftsflaute und den Preiskrieg am Ölmarkt vorbereitet. Russland gehe mit enormen Finanzreserven in die Krise: „Die Großkonzerne seien nahezu schuldenfrei, das Land selbst ist landwirtschaftlich autark“.

    Lange Zeit ist Moskaus Wirtschaftspolitik wegen „übermäßigem Konservatismus“ kritisiert worden. „Aber jetzt bekommt diese Politik offenbar eine Bestätigung“, schreibt die führende Zeitung aus New York.

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    Tags:
    Schieferöl, Fracking, Ölexport, USA, Russland, Saudi-Arabien, Ölpreis