20:12 11 August 2020
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    US-Präsident Trump bestärkte die saudische Führung im Vorhaben, Russland auf dem Ölmarkt durch Fördersteigerungen zu bedrängen. Das schreibt das Fachblatt „Politico“ mit Verweis auf US-Regierungskreise. Doch die Ölpreise mögen dabei nicht zu tief sein, bat der Präsident.

    Ein ranghoher ehemaliger Mitarbeiter der US-Regierung hat dem Fachblatt zufolge gesagt, Trump unterstützte Riad im Ölpreiskampf gegen Russland zwar, forderte aber zugleich auch, die Preise sollten nicht allzu stark sinken: Man müsse die amerikanischen Ölproduzenten schützen.

    Zwei Wochen nachdem Donald Trump mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman diesbezüglich telefoniert hatte, fielen die Preise aber so stark, dass das Weiße Haus völlig überrascht gewesen sei, erklärte der Insider laut „Politico“: „Niemand hätte gedacht, dass es (das Öl) so tief einbrechen würde.“

    Keine Verlängerung von OPEC+

    Dass die Teilnehmerländer der Vereinbarung OPEC+ sich auf weitere Förderkürzungen nicht einigen konnten, hat einen Preissturz im Ölsektor ausgelöst. Anfang 2017 hatten sich OPEC-Mitglieder und andere ölproduzierende Länder auf Kürzungen der Ölfördermengen verständigt. Dieser Deal wurde seitdem mehrfach verlängert.

    Für das Jahresanfangsquartal 2020 einigten sich die Teilnehmer von OPEC+ auf eine Förderkürzung um weitere 1,7 Millionen Barrel pro Tag zum Förderstand vom Oktober 2018. Saudi-Arabien bestand jedoch auf weiteren Kürzungen, während Russland das Förderniveau beibehalten wollte.

    Daraufhin hat Saudi-Arabien erklärt, seine Ölförderung steigern, die Ölpreise senken und den Abnehmern in Europa größere Liefermengen zu besseren Preiskonditionen anbieten zu wollen. Mit dieser Erklärung brachen die Preise am Ölmarkt nochmal ein.

    Der Petro-Pakt

    Das Börsenblatt „The Wall Street Journal“ hat kürzlich geschrieben, das US-Energieministerium wolle Trump dahin bewegen, zur Stabilisierung der Ölpreise einen Pakt mit Riad einzugehen – zu Lasten Russlands.

    Der US-Präsident hatte vor circa einer Woche erklärt, Russland und Saudi-Arabien kämpften um Anteile am Ölmarkt, weshalb der Ölpreis auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten gefallen sei. Die USA würden aber „zur richtigen Zeit“ intervenieren. Bis dahin müsse man einen Mittelweg finden zwischen dem Nutzen aus den niedrigen Ölpreisen und dem Schutz der amerikanischen Ölindustrie.

    Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, sagte daraufhin, man verstehe im Kreml den Grund für diese Erklärung von Präsident Trump. Denn viele Unternehmen litten an den niedrigen Ölpreisen – erst recht die Fracking-Förderfirmen in den USA, deren Situation wirklich schlimm sei.

    Schweizer Bankengruppe beurteilt Russlands Lage

    Auf die Fracking-Förderer in den USA rolle eine Pleitewelle zu, erklärt unterdessen die Schweizer Bankengruppe Julius Baer in einer Tagesmitteilung. Die amerikanischen Produzenten benötigten einen Mindestölpreis von rund 50 Dollar je Barrel, um wirtschaftlich zu bleiben. Besonders gefährlich werde es derzeit für die hochverschuldeten Fracking-Firmen, so das Geldhaus.

    Russlands Position im Ölpreiskampf wertet die Bankengruppe währenddessen als eine eindeutig günstigere im Vergleich zu Saudi-Arabien: Zwar könnten die Saudis ihr Öl zu extrem niedrigen Kosten fördern, aber für einen ausgeglichenen Staatshaushalt benötige die Golfmonarchie einen Ölpreis von über 80 Dollar je Barrel. In Russland liege diese Schwelle bei 43 Dollar je Fass – „was unserer Ölpreisprognose für die nächsten 12 Monate von 45 Dollar je Barrel sehr nahe kommt“, schreiben die Schweizer Finanzexperten.

    Für Saudi-Arabien ist demnach ein Haushaltsdefizit von bis zu 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht auszuschließen. Hingegen kann Russland die fehlenden Einnahmen in seinem Haushalt über fünf Jahre decken – aus einem vorausschauend angelegten Währungsfonds von 580 Milliarden Dollar. Als weiteren Vorteil kann Russland seine freigehandelte Währung einsetzen: Um den tiefen Ölpreis nach innen abzufedern, kann es den Rubel abwerten. Der Saudi-Riyal bleibt indes an den Dollar gebunden.

    Russland habe also die Ressourcen, schreibt die Bankengruppe Julius Baer, „um die niedrigen Ölpreise länger auszuhalten“ – wobei die gegenwärtige Situation für keine der Seiten zufriedenstellend sei.

    Wohin will Saudi-Arabien sein Billig-Öl liefern?

    Hinzu kommt eine für Saudi-Arabien wenig erfreuliche Prognose von Wirtschaftsexperten hinzu. Riad hatte bekanntlich angekündigt, mehr Erdöl nach Europa verkaufen zu wollen. Ein Super-Plan – wäre da nicht der schlimmste Konjunktureinbruch seit der Gründung der EU: Den sagen nämlich „Bloomberg“-Analysten für die Europäische Union voraus.

    Der Einkaufsmanagerindex der europäischen Industrie hat im Zuge der Corona-Pandemie seinen tiefsten Stand seit 1998 erreicht. Dieser Wert ist gegenwärtig noch tiefer gefallen als in der Weltfinanzkrise 2008-2009. Übersetzt heißt das: Die Unternehmenslenker in Europa sehen für die nächste Zukunft schwarz.

    Die „Bloomberg“-Experten erwarten für die EU derweil den stärksten Rückgang der Wirtschaftsleistung seit der Gründung der Europäischen Union. Denn die Pandemie führt zu Nachfrageeinbrüchen bei bestimmten Produkten, zu Unterbrechungen von Lieferketten und zu Produktionsstopps in wichtigen Industriezweigen: Peugeot, Citroen und Opel, Fiat Chrysler und Volkswagen haben bereits Werke geschlossen.

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    Tags:
    Fracking, OPEC, Saudi-Arabien, Russland, USA, Ölpreis