10:11 01 Dezember 2020
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    Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof scheint unter der Last der Corona-Krise erdrückt zu werden: Anstehende Rechnungen will die Warenhauskette nicht mehr begleichen, auch wurde die Kurzarbeit auf alle Mitarbeiter ausgedehnt. Trotz Milliardenumsätzen machen sich die rund 30.000 Beschäftigten Sorgen um den Fortbestand ihres Arbeitgebers.

    Es bleibe "keine andere Wahl" – mit diesen Worten begründet das Unternehmen seine aktuelle Entscheidung, von April bis Juni für seine Warenhäuser zunächst keine Miete mehr zu zahlen. Im Gegensatz zu H&M oder Deichmann will Galeria Karstadt Kaufhof seine Mietschulden auch nicht bis zum Jahr 2022 stunden, sondern die Zahlungen in der Corona-Krise komplett einstellen. Man behalte sich sogar vor, die schon an Immobilienbesitzer gezahlte März-Miete und vorausgezahlte Nebenkosten mindestens zur Hälfte zurückzufordern.

    Eine versteckte Drohung?

    Dem Warenhauskonzern geht es ähnlich, wie vielen anderen Einzelhändlern in Deutschland: Abseits vom Lebensmittelgeschäft bleiben die Ladentüren geschlossen. In einem internen Schreiben der Firmenleitung heißt es, der Betrieb sei auf den angemieteten Flächen derzeit nicht möglich. Damit schiebt Galeria Karstadt Kaufhof den Vermietern Schuld zu:

    "Da Sie uns Flächen [...] vermietet haben, ein solcher Betrieb jedoch derzeit nicht möglich ist, gewähren Sie uns den Gebrauch der Mietsache nicht."

    Es entfalle daher der Anspruch auf Gegenleistung. Am Ende des Schreibens spricht der Konzern noch eine versteckte Drohung aus: Man bitte um Verständnis, es sei die "gemeinsame Verantwortung", zukünftig eine Basis zu finden, um später das „gemeinsame Mietverhältnis zu stabilisieren". Mit anderen Worten: Man verlangt ein massives Entgegenkommen, da Karstadt Kaufhof andernfalls Filialen dauerhaft schließen wird.

    Finanzielle Einschnitte …

    Mittlerweile ist auch bekannt geworden, dass die Warenhauskette auch Rechnungen an Lieferanten entweder gar nicht oder nur sehr zeitverzögert begleicht. Intern heißt es, alle Bestellungen seinen storniert, eine offizielle Stellungnahme dazu gibt es noch nicht. Ähnliche finanzielle Einschnitte wie die Zulieferer müssen auch die Mitarbeiter des Konzerns aktuell verkraften. Bereits am 18. März, als die Läden aufgrund der Corona-Verordnungen geschlossen wurden, schickten Karstadt und Kaufhof die Angestellten in den Filialen in Kurzarbeit. Nun mussten auch die Mitarbeiter der Zentrale in die Kurzarbeit folgen. In einem Brief an sie hieß es laut dem „Spiegel“:

    „In dieser sehr ernst zu nehmenden Krise muss man alles tun, um die Liquidität unserer Galeria sicherzustellen und so den Erhalt des Unternehmens zu sichern."

    Das Unternehmen verliere nach eigenen Aussagen aktuell rund 80 Millionen Euro Umsatz pro Woche. Bei einem daraus errechneten Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro Umsatz dürfte sich jedoch die Frage stellen: Wie solvent war der Kaufhaus-Riese überhaupt vor der Krise? Größere Rücklagen scheint es jedenfalls nicht zu geben.

    Es wird mehr als eng …

    Zusätzlich hat der Konzern nun auch Staatshilfen beantragt – wie viele andere Unternehmen in diesen Wochen auch. Doch die Luft scheint für Galeria Karstadt Kaufhof langsam auszugehen. Die Warenhauskette hofft deshalb auf einen höheren dreistelligen Millionenbetrag, doch bislang stellen sich die Banken noch quer. Experten rechnen damit, dass es nur eine Frage der Zeit sei, wann das Unternehmen vollends in die Knie gehe. Nach dem im Januar vollzogenen Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof versuchte das Unternehmen krampfhaft, wieder rote Zahlen zu schreiben. Bereits ohne Corona-Verluste rechnete der Konzern für das Jahr 2020 mit einem Minus von über 100 Millionen Euro, dieser negative Wert dürfte nun um ein Vielfaches höher ausfallen.

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    Tags:
    Coronavirus, Bankrott, Deutschland, Karstadt, Galeria Kaufhof