17:07 24 September 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    239131
    Abonnieren

    Die Rohölpreise sind gerade auf dem tiefsten Punkt seit 18 Jahren. Trotzdem kosten Benzin und Diesel vergleichsweise viel. Wird hier Umsatz auf Kosten der Autofahrer gemacht?

    Trotz Corona- und Wirtschaftskrise liefert sich Saudi-Arabien einen einen Preiskrieg mit anderen Förderern um die Vorherrschaft am Markt. Das führt dazu, dass Rohöl so billig wie seit 18 Jahren nicht mehr am Markt gehandelt wird. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent war am Montag zeitweise für 22,58 Dollar zu haben; ein Fass der US-Referenzsorte WTI sogar für unter 20 Dollar. Die Preise sind seit Anfang März um die Hälfte eingebrochen.

    Luft nach unten bei den Tankstellenpreisen

    Trotzdem ist davon an den deutschen Tankstellen nicht viel zu merken. Wie man bei dem Preisportal „clever-tanken.de“ nachlesen kann, kostet ein Liter Diesel im Durchschnitt immer noch 1,09 Euro und Super E10 gut 1,19 Euro. Und hundert Liter Heizöl kosteten laut der Preisvergleichsplattform „heizoel24.de“ am Ersten April gut 53 Euro.

    ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand fordert im Magazin „Spiegel“ dann auch:

    „Wenn der Ölpreis so dramatisch fällt, müssen die Kraftstoffe an der Tankstelle auch deutlich preiswerter werden. Das ist noch nicht in ausreichendem Maß geschehen. Bei den Tankstellenpreisen ist noch einige Luft nach unten drin.“

    Hohe Fixkosten für Tankstellen

    Die Preise seien tatsächlich zurzeit nicht so niedrig, wie sie sein könnten, zitiert der „Spiegel“ einen Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes. Das liege vor allem an den Auswirkungen der Coronakrise. Diese führe zu einem „signifikant“ geringeren Absatz von Benzin und Diesel. Die Fixkosten von Tankstellen oder Raffinerien etwa für Pacht, Personal oder Strom liefen aber unvermindert weiter. „Deshalb müssen die Unternehmen jetzt die gleich hohen Fixkosten auf weniger Kunden umlegen.“ Das führe zu höheren Kosten pro Liter.

    Tatsächlich hat der Verkehr in den vergangenen drei Wochen aufgrund der aktuellen Lage drastisch abgenommen. Wenn weniger Autos in Deutschland unterwegs sind, verbraucht das Land auch insgesamt weniger Treibstoff. Trotzdem sagt ein ein langjähriger Kenner der Branche gegenüber dem „Spiegel“:

    „Wenn die Nachfrage nach Kraftstoff fällt, müssten die Preise eigentlich noch stärker sinken. Die Kraftstoff- Anbieter nutzen den Preisverfall beim Rohöl und die Coronakrise aus, um Marge zu machen. Die Menschen haben gerade andere Sorgen als den Preisvergleich an der Tankstelle.“

    Hohe Heizölnachfrage

    Anscheinend macht die Corona-Krise die Deutschen auch zu Heizöl-Hamsterern.

    „Die Lieferfristen reichen bis in den Juni hinein“, erklärt der Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands. Das führt zu einem hohen Heizölpreis, der wiederum auch den Dieselpreis nach oben zieht.Schließlich sind beide Produkte eng miteinander verwandt.

    Und so ist Diesel im Vergleich mit Benzin gerade besonders teuer: Während die Steuerbelastung rund 22 Cent geringer ist, ist der Preisunterschied an der Zapfsäule im Schnitt nur knapp halb so groß.

    Hillebrand empfiehlt im „Spiegel“ deswegen den Autofahrern, vor dem Tanken die Preise zu vergleichen: „Wer die teilweise erheblichen Preisunterschiede zwischen verschiedenen Tankstellen und Tageszeiten nutzt, spart bares Geld und stärkt zudem den Wettbewerb zwischen den Anbietern.“

    bs

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Um das Dreifache billiger als Remdesivir: Russland liefert Anti-Corona-Medikament in 17 Länder
    Schock im Abwasserkanal: „Riesen-Ratte“ erschreckt Arbeiter – Video
    Russlands Verkehrsjet MS-21: Warum liefern westliche Partner nicht mehr?
    Tags:
    Tankstelle, Coronavirus, Benzin, Benzin, Benzinpreise, Öl