01:54 11 Juli 2020
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    Auf die Pandemie folgt der Wirtschaftssturz. Es geht im wahrsten Sinn ans Eingemachte. Gibt es in solchen Zeiten noch Anlagemöglichkeiten für die sauer verdienten Ersparnisse: Gold, Aktien, Anleihen? Einen 100-prozentig sicheren Tipp haben derzeit auch Experten nicht. Aber eine Warnung.

    Mit Bitcoin werden sie reich, die paar wenigen Gewieften. Für die meisten aber sind Crypto-Währungen derzeit ein „absolut wilder Markt“, in dem die Masse verliert, warnt FinTech-Experte Alexander Treschtschew im Sputnik-Gespräch. Der Mann kennt sich aus mit dem Markt, denn er ist Gründer des Russischen Verbands für Crypto-Währungen und Blockchain (RAKIB).

    „In Crypto-Währungen zu investieren, kann ich momentan überhaupt nicht empfehlen. Es gibt hier, wie in jedem aufstrebenden Sektor, viel mehr Aufgeblasenes als Realwirtschaftliches. Auf den heutigen Tag trifft es meiner Ansicht nach nicht zu, dass Crypto-Währungen ein sicherer Hafen sein können. Der Markt ist eher ein absolut wilder Markt“, sagte der Experte. Zu warnen sei auch vor Betrügern, die mit großen Versprechen Geld einsammeln und „danach die Anleger mit nichts dastehen lassen, die gehofft hatten, ihr Erspartes zu vermehren“.

    Staat soll als Schutzherr einspringen

    Auch russische Gewerkschafter weisen auf derzeit besondere Wirtschaftsgefahren hin. Nur dass diese Gefahren sich im größeren Maßstab abspielen: „Aktienverluste und wirtschaftliche Schwierigkeiten können Spekulation und feindliche Übernahmen von Firmen und Konzernen befeuern“, warnt der russische Chef-Gewerkschafter Michail Schmakow, Präsident des Bunds unabhängiger Gewerkschaften Russlands, in einem Schreiben an den russischen Premierminister Michail Mischustin.

    Es sei notwendig, „einen Mechanismus zur Verstaatlichung von Betrieben auszuarbeiten, die für die russische Wirtschaft und für die Wahrung der sozialen Stabilität wichtig sind“. Der Mechanismus sei dann auch ohne Verzögerung „in der Praxis anzuwenden“. Die Rückführung der verstaatlichten Firmen in private Hand sei anschließend durch ein Moratorium für ein Jahr aufzuschieben. Und: Möglich werde die Rückführung erst nach Beratung mit der jeweiligen Branchengewerkschaft, rät der Verbandspräsident.

    Auf die Nationalisierung relevanter Betriebe soll sich die staatliche Wirtschaftshilfe nicht beschränken. Der Gewerkschafter ruft die russische Regierung in seinem Schreiben auch dazu auf, die Mehrwertsteuer zu senken, die Einkommenssteuer für Menschen zu streichen, die nicht mehr verdienen als den Mindestlohn, und im Gegenzug die Steuern auf Spitzeneinkommen zu erhöhen. Zudem seien Löhne von Ärzten und Krankenpflegern in Zeiten der Corona-Krise zu steigern – um 50 Prozent.

    Bausektor und Landwirtschaft stabil

    Arbeitsplätze zu erhalten und Einkommen in dieser Krisen zu sichern, ist ja auch eine nationale Aufgabe für Russland: Eine „Priorität für die Regierung, die Regionen und die Wirtschaft“, wie es Wladimir Putin in seiner gestrigen Fernsehansprache an die Nation formulierte. Wegen der Corona-Krise hat der russische Präsident die arbeitsfreie Woche in Russland bis Ende April verlängert, damit Bürger in häuslicher Quarantäne bleiben können – bei vollem Lohnausgleich.

    Dies kann von kleinen und mittelständischen Unternehmen einen Kraftakt erfordern. Andere Branchen der russischen Wirtschaft wiederrum zeigen sich auch in dieser schwierigen Zeit robust, erklärte ein Sprecher der Moskauer Kreditbank gegenüber der Wirtschaftszeitung RBC: „Die Baubranche und die Agrarwirtschaft sind von der Verlängerung der arbeitsfreien Zeit nicht betroffen und setzen ihre Arbeit fort. Eine spürbare Verschlechterung ihrer Finanzlage erwarten wir deshalb nicht.“ Mehr noch: Firmen aus diesen Sektoren nehmen laut dem Banksprecher weiterhin Kredite auf, selbst in diesen unsicheren Zeiten. 

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    Tags:
    Bitcoin, Coronavirus, Finanzkrise, Wirtschaft, Russland