11:21 03 Juni 2020
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    Weil Präsident Trump den Rückhalt der Erdöllobby behalten will, lässt er sich auf eine Kürzung der Fördermengen in den USA wahrscheinlich nicht ein. Das ist eine Einschätzung von Fachleuten, die den Markt kennen. Das Verhängnis, das Trump mit dieser Haltung von seinen Ölproduzenten abzuwenden versucht, wird gerade dadurch unvermeidlich.

    Um die Ölpreise zu stützen, müssen die OPEC-Mitglieder nach Einschätzung von Experten ihre Förderung um insgesamt 20 Millionen Barrel pro Tag verringern. Für Saudi-Arabien würde das eine Tagesdrosselung um 400.000 bis 500.000 Barrel bedeuten, sagte Marktanalyst Alexej Antonow vom Finanzmarktbroker ALOR der Zeitung „RBC“. Macht Russland bei der Förderkürzung mit, müsste es seine Fördermengen laut dem Experten um 200.000 bis 300.000 Barrel pro Tag reduzieren. Damit wäre der Ölpreis stabilisiert.

    Dabei sind sich die Experten weitgehend einig, dass die Vereinigten Staaten sich den Förderkürzungen wahrscheinlich nicht anschließen werden: Präsident Trump fürchte, den Rückhalt der Öl-Lobby zu verlieren.

    Aber gerade dadurch würden ganz andere Verluste auf die amerikanische Öl-Industrie zukommen: Der Preisverfall am Ölmarkt werde voraussichtlich einen „beträchtlichen Förderrückgang“ in den USA nach sich ziehen, schreibt Analyst Sergej Wakulenko vom russischen Ölförderer Gazprom Neft im Fachblatt „Energy Policy“. Es gehe um „eine bis zwei Millionen Barrel pro Tag nach neun bis zwölf Monaten“.

    Die Förderquote auf Schieferölfeldern geht laut dem Experten eh schon rapide zurück. Hinzu kommt aber noch der Umstand, dass die Erschließung neuer Quellen auf den Schieferölfeldern unrentabel wir:

    „Der natürliche Rückgang der Schieferölförderung wird durch die Fördermengen aus neuen Quellen nicht aufgefangen werden können.“

    Die russische Führung nennt mehrere Ursachen für den Preissturz am Ölmarkt. Die COVID-19-bedingte Krise sei eine davon, sagte Präsident Putin am vergangenen Freitag. Dass Saudi-Arabien aus der Vereinbarung OPEC+ ausgestiegen ist, seine Förderung intensiviert und Preisrabatte angekündigt hat, seien die anderen Gründe für die historisch niedrigen Ölpreise. Dabei betonte der russische Präsident, die Ölförderer seines Landes seien bereit, Schritte zur Preisstabilisierung zu unternehmen, aber nur gemeinsam mit der OPEC+ und den Ölproduzenten aus den USA.

    Doch genau die werden die konzertierte Aktion wahrscheinlich verweigern, sagte Marktanalyst Dmitri Lukaschew im Sputnik-Gespräch: „Die Vereinigten Staaten werden keine Verpflichtungen auf sich nehmen. Sie werden statt einer Förderkürzung die Fördermengen beibehalten, gemäß ihrem wirtschaftlichen Interesse und der Nachfrage.“

    OPEC prüft harten Eingriff am Ölmarkt

    Noch aber haben sich Saudi-Arabien und Russland nicht einigen können, wer die Anstrengungen zur Stabilisierung der Ölpreise in welchem Umfang auf sich nehmen muss. Für den morgigen Donnerstag (9. April) ist eine Sitzung der OPEC+-Teilnehmerländer anberaumt. Die OPEC hat dazu mehrere Varianten zur Kürzung der Ölfördermengen ausgearbeitet – darunter eine „radikale“, wie Experten sagen.

    Die Agentur „Bloomberg“ berichtet, man setze eine Förderkürzung von zehn Millionen Barrel pro Tag als Zielmarke. Wie diese zehn Millionen auf die Beteiligten zu verteilen sind, steht jedoch nicht fest. Immerhin sind sich Riad und Moskau darüber einig, dass auch Washington sich den Maßnahmen anschließen muss, doch die Position der US-Regierung bleibt weiter unklar.

    Die Sitzung der OPEC+ soll als Videokonferenz stattfinden. Anschließend befassen sich die Energieminister der G20 am Freitag (10. April) in einer Tagung mit der Lage auf dem globalen Energiemarkt.
    Iran und Moskau beraten sich

    Im Vorfeld der Sitzung der OPEC+ hat der iranische Ölminister Bijan Zangeneh mitgeteilt, er habe die Situation mit den Ölpreisen mit dem russischen Energieminister Alexander Nowak besprochen. Nicht nur mit ihm – auch mit den zuständigen Ministern von Algerien und Kuweit habe er telefoniert, teilte Zangeneh via Twitter mit. Man sei sich einig, dass auch andere erdölproduzierende Länder – Kanada und die USA – sich an „dieser Frage“ beteiligen sollten. Vor allem müsse man im Vorfeld der OPEC+-Gespräche vereinbaren, in welchem Umfang die beteiligten Länder ihre jeweilige Ölförderung zu kürzen haben.

    Laut Medienberichten schlägt Moskau vor, die durchschnittliche Fördermenge des ersten Quartals dieses Jahres als Berechnungsbasis zu nehmen. Riad hingegen will die derzeitige Fördermenge als Ausgangswert für die Berechnung der Förderkürzungen heranziehen. Schließlich hat Saudi-Arabien seine Ölproduktion seit Jahresbeginn von 9,8 Millionen auf 12,3 Millionen Barrel hochgefahren, während Russland bei 11,3 Millionen Barrel pro Tag geblieben ist.

    Sollten die Gespräche der OPEC+ am kommenden Donnerstag erfolgreich sein, stellt sich die Frage, wie sich dann der Ölpreis verhalten würde. Momentan gibt es auf dem Markt weit mehr verfügbares Erdöl, als es die Nachfrage erfordert. Investmentbanken schätzen den Ölüberschuss auf täglich 20 bis 30 Millionen Barrel. Deshalb: „Ein Förderrückgang um zehn Millionen Barrel pro Tag wird die Preise sicherlich nicht auf 50 Dollar treiben“, sagte Marktanalyst Dmitri Lukaschew im Sputnik-Gespräch. „Zumindest aber würde sich der Ölpreis bei 30 Dollar je Fass einpendeln. Vorausgesetzt, die beteiligten Länder einigen sich.“

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    Tags:
    Ölexport, Ölpreis, Ölförderung, USA