15:05 19 September 2020
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    14 Prozent aller Angestellten sind aktuell in Kurzarbeit – etwa vier Millionen Beschäftigte. Rund ein Drittel bekommt das Kurzarbeitergeld aufgestockt. Von den restlichen Betroffenen geben 40 Prozent an, in dieser Situation maximal drei Monate finanziell durchhalten zu können. Das zeigt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

    „Die Corona-Krise verstärkt die soziale Ungleichheit im Land weiter – das spüren auch die Menschen. Nach milliardenschweren Rettungsschirmen für die Wirtschaft müssen wir nun entschieden gegen die Spaltung der Gesellschaft angehen. Wir brauchen ein klares Signal an die Menschen, dass auch sie jetzt über diese schwierige Zeit gebracht werden und nicht in der Sozialhilfe landen. Und wir müssen dafür sorgen, dass die Arbeit all jener Menschen, die in diesen schwierigen Zeiten unser Land am Laufen halten, angemessen gewürdigt wird und sie anständige Arbeitsbedingungen haben. Das geht am besten mit Tarifverträgen“,

    sagt Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB und des Vorstands der Hans-Böckler-Stiftung.

    Vier Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit

    Für eine repräsentative Studie der gewerkschaftsnahen Stiftung wurden 7677 Erwerbstätige zwischen dem Dritten und 14. April 2020 interviewt. 14 Prozent der Befragten in abhängiger Beschäftigung gaben an, momentan in Kurzarbeit zu sein. Rechnet man diese Zahl auf die Gesamtzahl der Beschäftigten hoch, entspräche das momentan circa vier Millionen Kurzarbeitern und -arbeiterinnen. Beschäftigte in niedrigeren Einkommensgruppen sind häufiger in Kurzarbeit als Arbeitnehmer mit höherem Einkommen, zeigt die Auswertung der Befragungsdaten durch Bettina Kohlrausch. Die Soziologin an der Universität Paderborn und designierte Wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung warnt:

    „Bestimmte gesellschaftliche Gruppen sind vor den Auswirkungen der Krise schlechter geschützt als andere. Das kann langfristig negative Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft haben.“

    32 Prozent könnten mit Kurzarbeitergeld höchstens drei Monate durchhalten

    74 Prozent der Befragten würden Sorgen um den sozialen Zusammenhalt in Deutschland äußern, ganze 70 Prozent würden sich sogar um ihre eigene wirtschaftliche Situation sorgen. Diese Sorgen sind in den unteren Einkommensgruppen stärker ausgeprägt.

    Von den Befragten in Kurzarbeit erklärt rund ein Drittel (32 Prozent), dass ihr Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld auf das übliche Gehalt aufstocke, gut die Hälfte (52 Prozent) berichtet hingegen, es gebe in ihrem Betrieb keine Aufstockung, der Rest machte keine Angaben dazu. Von den Betroffenen ohne Aufstockung, gaben demnach 40 Prozent an, in dieser Situation maximal drei Monate finanziell durchhalten zu können. Insgesamt geben etwa 32 Prozent aller Befragten (unabhängig von der aktuellen Arbeitssituation) an, mit Kurzarbeitergeld ohne Aufstockung höchstens drei Monate auskommen zu können. Weitere 20 Prozent schätzen, höchstens zwischen drei und sechs Monaten auskommen zu können. Menschen mit geringerem Einkommen sind nicht nur mehr von Kurzarbeit betroffen, sie geben außerdem deutlich häufiger an, dass sich die Krise bereits negativ auf das Haushaltseinkommen ausgewirkt hat.

    Mehr Sorgen um den Arbeitsplatz bei Geringverdienern

    Zudem glauben sie auch seltener, dass die Krise keinerlei Auswirkungen auf ihr Einkommen haben wird. Das sagen 36 Prozent in der unteren Einkommensgruppe gegenüber 58 Prozent in der obersten. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Umfrage des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Bei der repräsentativen Umfrage gaben besonders Personen, die ohnehin nur schwer von ihrem Einkommen leben können an, dass die Sorgen um ihren Arbeitsplatz stärker zugenommen hätten (plus 17 Prozentpunkte) als bei Personen, die ohnehin gut von ihrem Einkommen leben können. Die Daten machen auch deutlich: Bei Frauen stiegen die Sorgen um den Verlust ihres Arbeitsplatzes etwas stärker als bei Männern; bei Müttern mehr als bei Vätern.

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    Tags:
    Gehalt, Arbeitslosigkeit, Wirtschaft, Covid-19, Coronavirus, Kurzarbeit