17:52 19 September 2020
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    Italien, immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, steht nun in der „Corona-Krise“ mit dem „Rücken zur Wand“. Das wird der „finale Sargnagel“ für die Gemeinschaftswährung Euro sein, prognostiziert der Autor und Ökonom Marc Friedrich. Er betont dabei: „Die Corona-Krise ist lediglich der Auslöser, aber keineswegs die Ursache der Misere.“

    Der Ökonom und Bestsellerautor Marc Friedrich hat bereits in seinem aktuellen Buch „Der grösste Crash aller Zeiten“ geschrieben, dass der „Auslöser für den Eurocrash eine Naturkatastrophe“ sein könne. Er rechnet vor: Der Anteil der Tourismusbranche am Bruttoinlandsprodukt (BIP) macht in Frankreich 9,5 Prozent, in Spanien 14,6 Prozent, in Italien 13,2 Prozent und in Griechenland sogar 30,9 Prozent, sowie im Jahr 2018 25,9 Prozent an der Gesamtbeschäftigung, aus. Die Folgen eines Sommers ohne Touristen würden „zahllose Pleiten, hohe Arbeitslosenquoten, sinkende Steuereinnahmen, kippende Banken, explodierende Schulden sowie ‚Target2‘-Forderungen sein.“

    „Der Euro funktioniert nicht“

    „Target“ steht für „Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System“. Dabei handelt es sich um das am 19. November 2007 eingeführte gemeinsame Echtzeit-Brutto-Clearingsystem im Euroraum. Die „Target2“ Salden von Deutschland seien auf 935,1 Milliarden Euro, 113,6 Milliarden Euro mehr als im Vormonat, angestiegen. Laut Friedrich zeigen diese Zahlen tagtäglich auf, „dass der Euro nicht funktioniert“. Italien stehe mittlerweile mit 491,62 Milliarden und Spanien mit 407,43 Milliarden Euro bei Deutschland in der Kreide. Der Finanzexperte prognostiziert, dass diese Forderungen in der Krise weiter steigen werden:

    „Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis die Billionengrenze überschritten wird. Wir gehen sehr stark davon aus, dass der deutsche Steuerzahler das Geld niemals wieder sehen wird. Obendrein fragen wir uns, wie lange der deutsche Steuerzahler diesen Irrsinn noch mitträgt.“

    Italien ist der Verlier im Euroraum

    In Italien, so Friedrich, sei es absehbar, dass „Populisten“ wie die Partei „Lega“ von Matteo Salvini an die Macht kämen. Grund dafür seien eine Vielzahl an Problemen, die durch die Corona-Krise lediglich verstärkt würden. In drei Jahrzehnten hätte Italien seine Währung kontinuierlich gegenüber der Deutschen Mark abgewertet, bis zu über 80 Prozent. Seitdem man dieselbe Währung habe, knapp zwei Jahrzehnte, sei keine Außenabwertung der Italiener gegenüber Deutschland mehr möglich. So erodiere die Wertschöpfung der industriellen Produktion immer tiefer, da Italien diesbezüglich keine Wettbewerbsfähigkeit mehr herstellen könne.

    Mit Covid-19 drohe nun endgültig die Gefahr eines realwirtschaftlichen Kollapses mit einem Schuldenniveau des Staates, in „bis dato noch unvorstellbaren Höhen“. Friedrich betont:

    „Die italienische Wirtschaft kommt seit dem Eintritt in die Eurozone volkswirtschaftlich auf keinen grünen Zweig mehr und wird es unter dem Euro auch nie wieder kommen. Da werden weder Coronabonds noch sonstige Milliardentransfers langfristig helfen.“

    Zahlen wird der deutsche Steuerzahler

    Folglich lasse die Zustimmung zur Eurozone und der EU in dem südeuropäischen Land deutlich nach. Für Friedrich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Lage so dramatisch wird, dass eine populistische Regierung in Italien das Währungsexperiment Euro implodieren lässt. Die Folgen eines unkontrollierten Endes der Eurozone wären unvorstellbar.

    Um ein Scheitern der südeuropäischen Volkswirtschaften zu verhindern, würde man nun Coronabonds fordern, für Friedrich nichts anderes als Eurobonds und somit „eine Vergemeinschaftung der Schulden“.

    Der Ökonom fragt, warum immer von einer Vergemeinschaftung von Schulden, niemals aber von einheitlichen Steuersätzen gesprochen werde. Immerhin habe Deutschland die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast weltweit. Eine Antwort darauf habe ihm noch kein Politiker geben können. Er erwartet deshalb:

    „Das dicke Ende für den Steuerzahler in Deutschland wird erst noch kommen. Wir gehen von drastischen Steuererhöhungen und Vermögensabgaben aus, um die Programme der Politik zu finanzieren. Es stellt sich die Frage: Wie lange machen das die Steuerzahler in Deutschland noch mit?“

    „Dexit“ aus der Eurozone

    „Wenn man die Veränderung zum Besseren für unmöglich hält, wird sie auch nicht kommen“, zitiert Friedrich den linken Vorzeigeintellektuellen Noam Chomsky. Der Finanzexperte Friedrich fordert deshalb einen „Dexit“ aus der Eurozone: Den Austritts Deutschlands aus der Gemeinschaftswährung. Langfristig würde dieser Schritt weniger teuer sein, als ein Festhalten an dem „zum Scheitern verurteilten Währungsexperiment Euro“. Sein Fazit:

    „Je länger die deutsche Politik am Euro festhält, desto größer wird die volkswirtschaftliche Schadensmaximierung. Wir brauchen Europa als Wirtschaftsunion, aber nicht als Währungsunion. Der Euro, welcher Europa einen sollte, trennt es. Fakt ist: bleibt der Euro, dann scheitert mit Sicherheit die EU. Es ist an der Zeit neu zu denken.“

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    Tags:
    Währung, Euro, Coronavirus