18:27 31 Oktober 2020
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    Bitcoin ist die wohl bekannteste Kryptowährung. Voraussichtlich am 12.Mai steht nun das Bitcoin-„Halving“ an. Was das bedeutet und welche Möglichkeiten sich für potentielle Anleger eröffnen, das erklärt der Ökonom und Bestsellerautor Marc Friedrich im Sputnik-Interview.

    - Herr Friedrich, bevor wir uns über die neuen Möglichkeiten durch Bitcoin begeistern, vielleicht eine obligatorische Warnung vorneweg, welche Risiken die Kryptowährung Bitcoin beinhaltet?

    - Ja, wenn man seine Bitcoins falsch behandelt oder verwahrt, dann kann man die natürlich verlieren. Wenn eine Börse gehackt wird und man seine Bitcoins da liegen lässt, dann sind die natürlich auch weg. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich mit dem Thema wirklich auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, wie kann ich meine Bitcoins tatsächlich sicher verwahren. Es gibt dieses schöne Sprichwort aus der Bitcoinszene: Not your keys, not your Bitcoin. Das bedeutet, wenn ich nicht den Schlüssel zu meinem Schließfach habe, dann komme ich auch nicht dran. So ist es auch, weil wenn man die Bitcoins am offenen Marktplatz, bei der Börse liegen lässt. Dann vertraut man praktisch seinen Schließfachschlüssel dem Marktplatz, dem Anbieter der Börse an. Wenn der sich entweder aus dem Staub macht mit dem Schlüssel, dann sind die Bitcoins weg, oder wenn er gehackt wird, dann ist der Schlüssel auch weg. Aus diesem Grund ist die Lagerung so wichtig.

    - Nachdem das hinter uns ist, Bitcoin ist die weltweit führende Kryptowährung. Was macht Bitcoin so besonders?

    - Es ist die älteste, die robusteste Blockchain. Es ist der erste „Coin“ gewesen, der 2009 als Kind der Finanzkrise entwickelt wurde, von diesem ominösen Satoshi Nakamoto, den keiner kennt, läuft seit elf Jahren und hat sich stetig weiterentwickelt. Der Code, der Algorithmus, die Kryptografie ist wirklich charmant und beeindruckend, weil Satoshi Nakamoto mehrere Probleme auf einmal gelöst hat, das habe ich ja auch in einem ganzen Kapitel von unserem Buch beschrieben. Das Besondere ist, dass Bitcoin das allererste von Menschenhand erstellte, digitale, limitierte Gut ist, was es zuvor noch nie gab. Früher konnten sie zum Beispiel Fotos, die sie auf dem Handy oder woanders hatten, beliebig oft weiterkopieren und weiter verschicken. Das ist beim Bitcoin-Code nicht möglich. Sie können Bitcoins nicht kopieren und weitergeben. Also er ist limitiert auf 21 Millionen Einheiten, deflationär – im Gegensatz zu unserem Geldsystem. Der Euro zum Beispiel ist inflationär, weil die Notenbanken so viel Geld wie noch nie raushauen. Und er ist grenzenlos, also nicht in der Hand von Politik oder Notenbanken, was auch wichtig ist, und nicht manipulierbar. Das sind viele Vorteile, die unser jetziges Geldsystem nicht hat. Bitcoin ist eine riesige Chance und das sollte sich jeder angucken. Deswegen habe ich im Buch auch die Menschen aufgefordert einfach mal 50 oder 100 Euro zu investieren, weil ich einfach glaube, es ist die größte und gigantischste Investmentchance, die wir zu unserer Lebzeit jemals haben werden. Wir sind wirklich erst ganz am Anfang, das ist so wie das Internet 1996. Wenn sie 1997 Amazon-Aktien gekauft hätten, oder Microsoft, dann wären sie jetzt auch aus dem Schneider.

    - Sind wir noch 1996? Es gab ja schonmal einen Run, beziehungsweise einen sehr hohen Kurs bei Bitcoin, der danach wieder fiel.

    - Ja, wir sind ganz am Anfang. Ich bin davon überzeugt, dass wir wirklich in den Kinderschuhen stecken. Ich meine, stellen sie sich selber die Frage, wer von ihren Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen hat denn Bitcoin im Portfolio oder kennt sich damit aus? Das sind wenige. So war es 1996 auch mit dem Internet. Als ich mir meinen ersten Computer fürs Studium angeschafft habe, da haben mich alle Freunde angeschaut und haben gesagt. „Was willst du denn mit E-Mail? Wir haben alle keine E-Mail, wem willst du denn schreiben?“ Zwei Jahre später war das genau anders herum, derjenige, der keine E-Mail hatte, war eigentlich der Außenseiter. Der technologische Forstschritt geht immer exponentiell. Da der Mensch nur linear denken kann, können wir es uns einfach nicht vorstellen.

    - Nun steht voraussichtlich am 11. oder 12. Mai das dritte Bitcoin-„Halving“ an. Das heißt, dass anstatt wie bisher 12.5 BTC nur noch 6,25 BTC an die „Miner“ pro Block ausgeschüttet wird, was bedeutet das in der Praxis?

    - Das heißt, dass der Zufluss von Geld im System einfach begrenzt ist und zeigt, dass es limitiert ist. Statt 12,5 Bitcoins, bekommt man dann nach dem „Halving“ nur noch 6,25 Bitcoins für einen erschaffenen Block Bitcoins alle zehn Minuten. In vier Jahren sind es dann irgendwann nur noch 3,125. So wirkt dieses Geld-System entgegen unserem Fiatgeldsystem. Das spannende ist, dass Bitcoin dann durch das „Stock-to-Flow“-Modell, mit dem nächsten „Halving“, also ab nächster Woche, genauso rar ist, wie Gold. Gold ist momentan eines der rarsten Geldmetalle das es gibt. Das hat einen „Stock to Flow“-Wert von aktuell rund 58. „Stock“ ist das, was an dem Material schon vorhanden ist und „Flow“ ist das, was jedes Jahr hinzukommt. Wir haben knapp 200.000 Tonnen Gold, was schon geschürft wurde und jedes Jahr kommen so 3000 Tonnen dazu. Bei Bitcoin ist es momentan bei 26, 27 und durch das kommende „Halving“ wird es praktisch gleichgestellt mit Gold, auf 58. Mit dem übernächsten „Halving“ 2024 wird Bitcoin das rarste Gut sein, was die Menschheit jemals gesehen hat: dann sind wir bei über 100. Dann bin ich gespannt wie sich der Preis entwickeln sollte. Nach dem „Stock-to-Flow“-Modell, das der Twitter-Nutzer „PlanB@100trillionUSD“ entwickelt hat, und dass wir im Buch auch erstmalig in deutscher Sprache auf Papier gebracht haben, wird der Preis nach oben skalieren. Wir sprechen da konservativ von 42.000 US-Dollar. Das hat unsere Prognose hergegeben. Die BayernLB (Bayerische Landesbank) spricht von 90.000 US-Dollar und Plan B, der Erfinder vom „Stock-to-Flow“-Modell geht von sechsstelligen Kursen aus. Er sagt ungefähr 250.000 Dollar pro Bitcoin im Jahr 2022/23.

    ​- Der Bitcoin-Kurs umkreist nun schon seit einigen Tagen stetig die Marke von 9.000 US-Dollar. Was für eine Voraussetzung ist das für das „Halving“?

    - Eine sehr schöne. Also er ist schön gestiegen, in den letzten zwei Wochen über 1000 Dollar, und gerade relativ stabil. Ich bin positiv gestimmt. Ich würde jetzt nicht erwarten, dass nächste Woche der Preis gleich durch die Decke geht, aber bis Ende des Jahres wird es Richtung Norden gehen. Ich denke mal so in ein, anderthalb, zwei Jahren, so 2022, werden wir deutlich über zwanzig-, dreißigtausend Dollar stehen. Meine Preisprognose ist wie gesagt 42.000 Dollar, da sollte man einfach einen Fuß in der Türe haben. Wenn jeder nur 100 oder 200 Euro investiert, wird es wahrscheinlich das beste Investment, was man in dieser Dekade machen kann.

    - Nun ist der Kurs nach den letzten beiden „Halvings“ gestiegen, aktuell haben wir aber eine ganz spezielle, nie vorher da gesehene Situation mit der Corona-Krise, wie könnte sich die Lage also auf den Bitcoin-Kurs auswirken?

    - Wir sehen, dass die Notenbanken aus allen Rohren schießen, dass sie so viel Geld reinpumpen wie noch nie, auch die Staaten nehmen Geld in die Hand, für Konjunkturprogramme. Das heißt, unser jetziges Geldsystem wird immer weiter aufgebläht, zeigt sich inflationär und wird wahrscheinlich auch an der Hyperinflation sterben. Da brauchen Sie natürlich Gegengewichte, um ihre Kaufkraft zu schützen. Auch in der Honorarberatung, wo wir für Kunden maßgeschneiderte, individuelle Strategien bauen, zur Vermögenssicherung, habe ich immer wieder empfohlen, dass man jetzt in dieser Dekade beginnen muss, in durch die Natur oder durch die Mathematik limitierte Werte zu investieren. Gold ist in über 70 Währungen auf dem Rekordniveau – auch im Euro. Gold war nie teurer, als aktuell. Das bedeutet aber nicht, dass Gold an Gewicht gewinnt. Ein hundert Gramm Barren wird nicht schwerer, sondern sie müssen lediglich immer mehr Papiergeldfetzen hinlegen, um sich eine Unze, oder einen Barren Gold zu kaufen. So wird es in Zukunft mit allen limitierten Werten sein, egal ob digital, oder real. Sie werden dafür immer mehr zahlen müssen, weil das Geldsystem durch die Notenbanken und die Staaten aufgebläht wird. Aber in der Deflation, die ich zuerst erwarte, können natürlich Werte auch noch einmal abverkauft werden, deswegen sollte man immer schrittweise in den Bitcoin einsteigen – häppchenweise, in Tranchen. Wenn es dann Rücksetzer gibt, antizyklisch nachkaufen, um einen guten „cost average effect“ zu haben, guten Durchschnittspreis zu ergattern.

    - Welche Kurse halten Sie für Ende 2020 oder für 2021 bei Bitcoin für realistisch?

    - Über 10.000 Euro kann ich mir vorstellen, aber das ist momentan Lotterie. Ich fühle mich mit mittel- bis langfristigen Prognosen wohler. Bin mir aber sehr sicher, dass wir wieder fünfstellig werden. In geraumer Zukunft kann es auch sechsstellig werden. Mit unserer Prognose 42.000 Dollar, damit fühle ich mich sehr wohl.

    - Sollten wir also tatsächlich einen fünf- oder sogar sechsstelligen Bitcoin-Kurs erreichen, also gehen wir mal von ihren 42.000 Dollar aus: raten Sie dann zum Verkauf, oder sollte man besser einen langen Atem behalten?

    - Wenn es so Übertreibung gibt, wie 2017, als der Preis innerhalb von einem Jahr von 600 auf 17.000 oder sogar 20.000 Dollar gestiegen ist, muss man natürlich verkaufen. Ich habe Ende 2016 in einem „Focus“-Artikel geschrieben, im Jahr 2017 muss man in Bitcoin investieren, ich gehe von einer Verdopplung aus. Damals wurde ich belächelt, weil alle gesagt haben: Bitcoin ist doch tot. Siehe da, es ging dann von 600 auf, wie gesagt, fast 20.000 Dollar. Natürlich muss man bei diesen Übertreibungsphasen auch oben verkaufen. Das haben wir unseren Kunden auch empfohlen, ab 15.000 Dollar sind wir aus dem Markt ausgestiegen und haben dann wieder letztes Jahr bei 3000 Dollar nachgekauft. Man muss immer zyklisch, antizyklisch handeln. Wenn es eine Übertreibung gibt, wenn der Chart aussieht wie so ein Hockey-Stick, also exponentiell steigt, dann muss man immer aussteigen, weil dann wird irgendwann der große Crash kommen, weil exponentielles Wachstum in unserer Welt einfach nicht möglich, oder nicht nachhaltig ist. Wenn der Kurs jetzt in den nächsten ein, zwei Jahren das Hoch erreichen wird fünfzig-, oder siebzig-, oder hunderttausend Dollar, dann würde ich auf jeden Fall dazu raten auszusteigen.

    Das aktuelle Buch von Marc Friedrich und Matthias Weik „Der grösste Crash aller Zeiten – Wirtschaft, Politik, Gesellschaft. Wie Sie jetzt noch Ihr Geld schützen können“ ist im Eichborn Verlag erschienen.

    Das komplette Interview mit Marc Friedrich zum Nachhören:

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    Tags:
    Kriptowährung, Investitionen, Marc Friedrich, Bitcoin