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    Stillstehende Lieferketten und immer noch viele geschlossene Fabriken: Der „Corona“-Lockdown trifft die Weltwirtschaft hart. „Banken setzen die Volkswirtschaften durch Geldpolitik zusätzlich unter Druck“, sagt „Degussa“-Chefvolkswirt Thorsten Polleit gegenüber Sputnik. Sein Kollege, Degussa-CEO Markus Krall, warnt im Interview vor Hyper-Inflation.

    „Die Volkswirtschaften sind in der Corona-Krise gewissermaßen in einen Blindflug versetzt worden“, sagte Thorsten Polleit im Sputnik-Interview. Er ist Chefvolkswirt bei „Degussa Goldhandel“ mit Sitz in Frankfurt/Main, dem größten Goldhändler in Deutschland. Dort ist er verantwortlich für volkswirtschaftliche Analysen zu Konjunktur, Edelmetall- und Finanzmärkten sowie Geld- und Wirtschaftspolitik.

    Er kritisierte die aktuelle Geldpolitik der Staaten und Zentralbanken. Diese sei „im Großen und Ganzen eine Manipulation aller Preise. Die Finanzmärkte werden ja systematisch von den Zentralbanken durchdrungen, diese setzen die Zinsen auf Null oder sogar unter Null. Sie sprechen ein Sicherheitsnetz aus, damit keine Bank zahlungsunfähig wird.“ 

    „Viele Menschen verstehen den Ernst der Lage noch nicht“

    Dadurch würden zwar „die Sorgen über Kreditausfälle aus den Finanzmärkten vertrieben“. Doch damit verliere die Volkswirtschaft auch „ihren natürlichen Kompass, wenn die Preise nicht mehr die Knappheit der Waren anzeigen. Genau das ist mittlerweile auch geschehen.“

    Dies sei auch der Grund, „warum viele Menschen gar nicht die Dramatik dieser Krise erkennen. Die Banken schließen nicht die Pforten, was sie eigentlich machen müssten – wenn sie sich nach den Regeln des freien Marktes bewähren müssten. Aber alles ist subventioniert und manipuliert.“

    Markus Krall, CEO und Geschäftsführer bei „Degussa Goldhandel“, brachte im Sputnik-Gespräch die Lage der Weltwirtschaft auf den Punkt: „Die weltweiten Lieferketten stehen still, die Fabriken sind heruntergefahren und die Wertschöpfungs-Ketten sind unterbrochen.“ Es sei Ausdruck des Lockdowns, dass „nichts mehr produziert wird und die Menschen nicht mehr zur Arbeit gehen. Was wir sagen können, ist:

    Die extrem steigende Geldmenge (unter anderem die milliardenschweren 'Corona'-Rettungspakete der Staaten, Anm. d. Red.) trifft auf ein fallendes Produkt-Angebot (hervorgerufen durch den Wirtschafts-Lockdown, Anm. d. Red.).“ 

    „Hyper-Inflation von 1923 sollte uns eine Warnung sein“

    Eine solche Entwicklung war in der deutschen Geschichte schon der Fall. Finanz-Experte Krall verwies auf das Jahr 1923, als ebenso eine deutlich steigende Geldmenge auf ein schrumpfendes Produktangebot traf.

    „Die Zeit der deutschen Hyper-Inflation 1923 ist ein Daten-Punkt, den man dabei zu Hilfe ziehen kann“, zog er einen historischen Vergleich zur heutigen Zeit. Damals „hatten wir die Situation, dass man – ausgelöst durch die Besetzung des Rheinlands durch Frankreich im Zuge der Reparations-Streitigkeiten mit Deutschland – im Ruhrgebiet einen Generalstreik ausgerufen hatte. Das Ruhrgebiet war im Grunde genommen das, was heute China ist: Der Ausgangspunkt für die Lieferketten für die Wirtschaft in Deutschland.“

    Es kam in jener Zeit zu einem „Komplettausfall der dortigen Produktion. Gleichzeitig hatte aber die damalige Reichsregierung gesagt: 'Jetzt drucken wir Geld, um den streikenden Arbeitern für ihre patriotische Tat des Streiks gegen die Besatzung den Lebensunterhalt zu finanzieren. Aus dieser Mischung enstand über kurze Zeit der Cocktail der Hyper-Inflation.“ 

    Die Gefahr einer Hyper-Inflation sei auch heute durchaus „denkbar und wird angesichts der Geldpolitik und der Tiefe der Krise immer wahrscheinlicher. Das wird dann noch einmal eine andere Hausnummer. Weil eine Hyper-Inflation dazu führen würde, dass unsere Währung insgesamt kollabiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns vom Euro verabschieden, war noch nie so hoch wie derzeit. Die Frage ist: Hält der Euro das strukturell aus, wenn eine richtige Inflation einsetzt. Dann nicht nur vier oder fünf Prozent – sondern 50 oder 100 Prozent oder eine Million Prozent wie in Venezuela.“ 

    Euro-Crash: Schreckens-Szenario für Investoren und Anleger

    „Es ist eben zu befürchten“, betonte Krall mit Verweis auf die Gegenwart, „dass die Inflations-Erwartungen als auch der tatsächliche Inflations-Druck sich durch diese Kombination sein Ventil suchen. Wenn das passiert, dann ist davon auszugehen, dass der Goldpreis – der seit jeher schon immer traditionell ein Desinfektionsschutz gewesen ist – stark anzieht.“ Papiergeld verliere in Krisenzeiten meist massiv an Wert.

    „Das größte Risiko-Szenario für Anleger und Investoren ist die Entwertung der Kaufkraft des Euro in den kommenden Jahren“, ergänzte Finanz-Experte und „Degussa“-Chefvolkswirt Polleit. „Weltweit finden wir ein ungedecktes Papiergeld-System vor, das pyramidisiert auf dem US-Dollar aufgebaut ist.“ Schon bei einem möglichen Zusammenbruch des Euro „ist es sehr wahrscheinlich, dass diese gesamte Architektur in sich zusammensackt. Der Euro wird derzeit durch das Drucken und die Schaffung von neuem Geld aufrecht erhalten.“

    „Banken müssen Kreditausfälle nicht mehr verbuchen“

    Mit Blick auf die aktuelle Lage und die weltweite Stilllegung von Teilen der Weltwirtschaft sagte Degussa-Geschäftsführer Krall:

    „Die meisten Deutschen haben noch nicht gemerkt, wie sehr es ihnen an die Geldbörse geht. Es ist zwar so, dass sie jetzt zu Hause in der Quarantäne sitzen, ihre Mieten und Autoraten nicht mehr zahlen müssen und auf Kurzarbeit sind – was neudeutsch für arbeitslos steht. Aber im Moment funktioniert diese Illusion noch. Diese Illusionswelt wird auch an vielen anderen Fronten aufrechterhalten.“
    Zum Beispiel im Bankensektor.

    „Die Banken müssen ihre Kreditausfälle, die sie aktuell in sehr großer Zahl erleiden, nicht mehr verbuchen. Das heißt, die Banken müssen keine Abschreibungen mehr vornehmen, wenn jemand Zins und Tilgung nicht mehr leistet. Der Kredit gilt weiterhin als gesund. Weil der Staat und die Aufsicht es so will. Der Bilanzbetrug ist damit amtlich.“

    „Falsche Reaktion der Wirtschaftspolitik“

    Auch Wirtschaftstreibende, die jetzt in der Krise in Insolvenz gehen sollten, müssen laut ihm aktuell diese Zahlungsunfähigkeit nicht anmelden und können diese verzögern. Eigentlich ein Verstoß gegen das Insolvenzrecht.

    Aktuelle Probleme wie verschleppte Insolvenzen, fragwürdige Kreditabschreibungen, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit „sind nur Symptome und entstehen nicht im luftleeren Raum. Sondern sie bestehen in der falschen Reaktion der Politik. Die Politik maßt sich ein Wissen an allen Fronten (sei es in der Medizin oder Virologie, Anm. d. Red.) an, was sie nicht hat und vergrößert damit unsere Probleme. Das Ergebnis ist, dass die Informations- und Signalfunktion einer freien Marktwirtschaft über freie Preisbildung und stabiles Geld außer Kraft gesetzt werden. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Menschen überhaupt richtige und gute Entscheidungen treffen können.“

    Investoren und Anleger sollten sich auch an den Aktien- und Edelmetall-Märkten ihre Entscheidungen momentan gut überlegen.

    „Wer überzeugt ist, dass das Währungssystem zusammenbricht und eine große Depression droht, der ist nicht gut beraten, jetzt in Aktien zu investieren“, empfahl Degussa-Chefvolkswirt Polleit. „Wer allerdings die Chance sieht, dass die Volkswirtschaften doch in den nächsten Jahren auch mit Inflationsschüben und Produktionsausfällen die weltweite Produktivität wieder herstellen können, der ist gut beraten, zumindest einen Teil seines Vermögens in Produktiv-Kapitel zu investieren.“ Ansonsten seien Edelmetalle wie Gold und Silber immer eine sehr gute Anlage-Alternative.

    „Man ist gut beraten, wenn man sich jetzt auf einen massiven Inflationsschub zum Ende des Jahres einstellt“, betonte Degussa-CEO Krall abschließend.

    Das Radio-Interview mit den Finanz-Experten Dr. Markus Krall und Dr. Thorsten Polleit zum Nachhören:

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