SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    132457
    Abonnieren

    Die USA wollen ihre Abhängigkeit von Chinas Seltenerdmetallen verringern. Mit der entsprechenden Initiative preschte dieser Tage der republikanische Senator Ted Cruz vor. Laut dem von ihm vorgeschlagenen Gesetzentwurf sollen in den Vereinigten Staaten mehr Seltenerdmetalle gewonnen werden.

    Auch der Importersatz dieser Produkte für die amerikanische Rüstungsindustrie soll ausgebaut werden.

    Der Senator verwies darauf, dass Peking Washington gedroht habe, die Lieferung von Medikamenten und Anlagen zu stoppen. Daraus schlussfolgerte er, dass auch der Import von Seltenerdmetallen unterbrochen werden könnte. Sein Gesetzentwurf sieht wesentliche Steuervergünstigungen für Unternehmen vor, die Seltenerdmetalle auf dem US-Territorium fördern werden, wie auch für Firmen, die sie bei amerikanischen Förderern und nicht bei der Konkurrenz aus dem Reich der Mitte kaufen. Und einige Verbraucher, insbesondere das Verteidigungsministerium und Unternehmen aus der Rüstungsindustrie, sollten Cruz zufolge dazu verpflichtet werden.

    Säen im russischen Gebiet Krasnodar
    © Sputnik / Ilya Naimuschin
    Seltenerdmetalle sind ein Rohstoff, der für die Herstellung praktisch aller moderner High-Tech-Erzeugnisse notwendig ist – von Smartphones und Computern bis zu Kampfjet-Rümpfen (F-35 ist da keine Ausnahme). Das Problem für die Amerikaner besteht darin, dass sie in dieser Hinsicht stark von China abhängen.

    Dabei waren die USA einst der größte Förderer dieses wertvollen Rohstoffs. Aber nach den 1980er-Jahren wurde die Volksrepublik zum Branchenführer. Inzwischen entfallen auf China 70 bis 90 Prozent aller globalen Lieferungen von Seltenerdmetallen. Bei der Verarbeitung dieses Rohstoffs haben sie überhaupt keine Konkurrenz: Aktuell werden jeden Monat drei bis vier Tonnen Seltenerdmetallkonzentrate, die in Mountain Pass in Kalifornien gewonnen werden, nach China geliefert, um dort bearbeitet zu werden. Und das hat seinen Grund: Die Chinesen sind zum Branchenprimus in diesem Bereich avanciert. Deshalb ist die Initiative von Senator Cruz nahezu aussichtslos. Der Experte des Zentrums für internationale Handels- und Wirtschaftskooperation beim chinesischen Kommerzministerium, Mei Xinyu, verwies in einem Interview für Sputnik darauf, dass es den Amerikanern nicht gelingen werde, ihre Bearbeitungsbranche in absehbarer Zeit wiederzubeleben – das werde viel Zeit in Anspruch nehmen und enorm kostspielig sein, und die anderen amerikanischen Wirtschaftszweige würden deshalb weniger Finanzierung bekommen.

    „Auf China entfällt ein riesiger Anteil des Marktes für Seltenerdmetalle, und zwar nicht nur dank der hohen Qualität seiner Produkte bei geringen Selbstkosten, sondern auch dank dem Vertrauen der Verbraucher. Selbst wenn sich die Amerikaner für eine Wiederbelebung dieser Branche entscheiden sollten, wären ihre Produkte meines Erachtens kaum konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt“, so der Experte. „Jedenfalls könnten sie unwahrscheinlich mit den chinesischen Produkten mithalten. China ist der Spitzenreiter, was die Technologien zur Förderung und Verarbeitung der Seltenerdmetalle angeht. Seine Effizienz ist enorm hoch. Deshalb hat China aus technologischer Sicht große Vorteile. Sollten die Amerikaner ihre Förderung und Verarbeitung der Seltenerdmetalle wiederbeleben, wäre ihre Produktion kaum effizient. Langfristig würde ihre Wirtschaft das nicht verkraften. Deshalb glaube ich nicht, dass die Gewinnung von Seltenerdmetallen in Amerika China Konkurrenz macht.“

    Die USA seien gewohnt, ihre eigenen Technologien als „Knüppel“ einzusetzen und andere Länder zu erpressen, so Mei Xinyu weiter. So sei das in letzter Zeit mit dem High-Tech-Konzern Huawei und auch anderen chinesischen Unternehmen passiert, die jetzt keinen Zugang mehr zum US-Markt haben. Deshalb meinen die Amerikaner, dass China ähnlich vorgehen könnte. Experten aus verschiedenen Ländern vermuteten schon seit dem Ausbruch des Handelskonflikts zwischen Washington und Peking, dass die Chinesen gerade Seltenerdmetalle als Hebel einsetzen könnten, um die Amerikaner unter Druck zu setzen. Und falls sie das tun, würden sie die US-Rüstungsindustrie über Nacht lahmlegen.

    Aber wenn die Volksrepublik die Seltenerdmetalle als „Wechselmünze“ nutzen würde, würde das ihr selbst schaden, unter anderem ihrem Image als zuverlässiger Lieferant, so dass Peking seine Positionen auf dem Weltmarkt verlieren könnte. Denn Seltenerdmetalle gibt es immerhin nicht nur in China, sondern auch in Australien, Japan, der Mongolei und den USA selbst. Deshalb wollen die Chinesen eine neue Konfrontation lieber vermeiden, um ihre Konkurrenzvorteile beizubehalten.

    Die Amerikaner gehen ihrerseits oft wider die Marktregeln vor, indem sie nur mit ihren eigenen Kräften rechnen. Doch dieser Weg führe in die falsche Richtung, so Mei Xinyu, wovon unter anderem die negativen Erfahrungen der Sowjetunion zeugen würden.

    „Initiativen der USA wie diese von Ted Cruz führen nur dazu, dass Washington seine Verbindungen mit äußeren Märkten schwächt. Diese Politik wurde einst einer der Gründe des Zerfalls der UdSSR. Damals waren die wirtschaftlichen Verbindungen der Sowjetunion mit anderen Subjekten des Welthandels enorm schwach, es gab keine faire Arbeitsverteilung in der Welt. Deshalb konnte die Situation die Vorteile ihrer Wirtschaft nicht maximieren. Jetzt gehen auch die USA diesen Weg. Falls die Handelskriege sich in die Länge ziehen werden, wird das vor allem den USA selbst schaden.“

    Aktuell gibt es keine Voraussetzungen dafür, dass das Reich der Mitte seine Lieferungen von Seltenerdmetallen reduzieren könnte. Im Gegenteil: Ende 2019 erhöhten die Chinesen die Quoten für die Förderung dieses Rohstoffs um zehn Prozent auf 132 000 Tonnen. Sie sind daran interessiert, möglichst mehr Seltenerdmetalle zu fördern, denn der größte Teil der digitalen Technik wird immerhin in der Volksrepublik gebaut. Um das Vertrauen der Verbraucher nicht zu zerstören, wurden die Lieferungen von Seltenerdmetallen aus China nicht einmal in Zeiten der Corona-Pandemie reduziert. Nach Angaben der chinesischen Zollbehörden ist der Export von Seltenerdmetallen im März um 19,2 Prozent im Jahresvergleich gewachsen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Protektive Corona-Antikörper nachgewiesen: Russische Forscher erzielen Durchbruch
    Corona-Bußgeld: Familie in Baden-Württemberg muss 1000 Euro für Spaziergang zahlen
    Geheimdienstakte Theodor Heuss: Deutschlands erster Bundespräsident ein US-Agent?
    Tags:
    Handelskrieg, seltene Erden, Seltenerdmetallen, USA, China