15:34 07 Juli 2020
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    Die Bremer „Lürssen-Werft“ und die Werft „German Naval Yards Kiel“ kündigen eine Zusammenlegung ihrer Marinesparten an. Damit soll der deutsche Marineschiffsbau konkurrenzfähiger werden. Ein erster Schritt in die richtige Richtung?

    Die Aktivitäten im militärischen und behördlichen Überwasser-Schiffbau sollen in einem gemeinsamen Unternehmen unter Führung der „Lürssen-Gruppe“ gebündelt werden, teilten beide Werften in der Nacht zum Donnerstag mit. Außen vor bleibt einstweilen die große Werft „Thyssenkrupp Marine Systems“ (TKMS) in Kiel. Sie baut auch Überwasserschiffe, ist aber vor allem auf U-Boote spezialisiert.

    Die drei Werften hatten seit einiger Zeit über eine Kooperation gesprochen, weil der deutsche Marineschiffsbau im internationalen Vergleich kleinteilig und wenig konkurrenzfähig ist. Eine Konsolidierung ist auch erklärtes Ziel der Politik. Der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Norbert Brackmann (CDU), war eigenen Angaben zufolge früh in die Gespräche einbezogen. Für die Politik könnte die Zweierlösung zumindest einen Streit entschärfen.

    „Ich hoffe sehr, dass mit der Entscheidung jetzt auch der Bau des Mehrzweckkampfschiffs MKS 180 zeitnah starten kann“, erklärte Brackmann in Berlin. „Das wäre vor allem für unsere Marine eine gute Nachricht, da man dort auf die Schiffe wartet.“

    An der Ausschreibung um das Schiff MKS 180 hatten sich „Lürssen“ und „German Naval Yards“ noch als Wettbewerber beteiligt. Den Zuschlag des Verteidigungsministeriums erhielt die zur „Lürssen-Gruppe“ gehörende Hamburger Werft „Blohm & Voss“ im Konsortium mit der niederländischen „Damen-Werft“. Die Entscheidung wurde von „German Naval Yards“ gerügt.

    „Das ist ein erster Schritt einer Konsolidierung in einem Marineschiffbau“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) in Kiel. „Ich glaube aber auch, dass es weitere Schritte braucht.“ Nur dann könne der Marineschiffbau zu einer „Schlüsseltechnologie für Deutschland“ werden.

    „Wir begrüßen diese Entwicklung als einen ersten Schritt hin zu einer Konsolidierung der fragmentierten Werften-Landschaft in Deutschland“, sagte ein TKMS-Sprecher der Deutsche Presse-Agentur zufolge.

    Ganz deutlich schrieb „Thyssenkrupp“-Personalvorstand Oliver Burkhard auf Twitter: „Das ist (noch) nicht der Dt. Marine Champion, von dem dort gesprochen wird.“ Man selber sei aber bereit, auch noch weitere Schritte zu gehen.

    Der Chef der obersten Konzerngesellschaft von „German Naval Yards“, Iskandar Safa von der Privinvest Holding, nannte eine Konsolidierung in Deutschland überfällig. Die Kunden bräuchten „Partner, die über die Größe und die Fähigkeit verfügen, umfangreiche, strategisch wichtige Aufträge zu erfüllen“. Für die „Lürssen-Gruppe“ ergänzte Gesellschafter Friedrich Lürßen, die Zusammenarbeit könne die Wettbewerbsfähigkeit beider Werften stärken. Der Mitteilung nach haben die Eigentümerfamilien die Vorarbeiten abgeschlossen. Die Kooperation müsse aber noch kartellrechtlich genehmigt werden.

    „Es entsteht eine deutsche Werft, die sich robust auch auf dem Weltmarkt behaupten kann und in Sachen Innovation und Qualität Weltruf genießt“, sagte der Unions-Fraktionsvize im Bundestag, Johann David Wadephul.

    Bei der angestrebten Fusion müssten Arbeitsplätze und Standorte gesichert werden, so Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Er forderte eine Einbeziehung von TKMS in den Verbund.

    „Es braucht eine Gesamtlösung für Unter- und Überwasserschiffbau in Deutschland, um dann eine europäische Strategie zu entwickeln.“

    TKMS hat neben Kiel Standorte in Hamburg, Emden und Bremen. Die Werft in Kiel ist nach Unternehmensangaben in den nächsten Jahren ausgelastet. Von rund 6.000 Beschäftigten sind etwa 2.800 in Kiel tätig. Die Werft ist damit der größte mögliche Kooperationspartner in Deutschland. „Thyssenkrupp“ verhandelt Unternehmenskreisen zufolge mit dem staatlichen italienischen Schiffbaukonzern „Fincantieri“. Seit Längerem kooperieren die beiden Werften beim Bau von U-Booten, wie es aus Fachkreisen heißt. So soll die italienische Marine über die gleichen Boote mit Brennstoffzelle wie die Deutsche Marine verfügen. Ein möglicher Zusammenschluss der beiden Unternehmen hätte einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro. Aber auch eine Kooperation von TKMS mit dem neuen Unternehmen unter der Führung von „Lürssen“ wäre denkbar.

    „Lürssen“ hat 2.800 Mitarbeiter und ist auf den Bau von Marineschiffen und Luxusjachten spezialisiert. Zur Gruppe gehören mehrere Werften an der Unterweser, in Hamburg, Rendsburg und Wolgast. Auch das Marineschulschiff „Gorch Fock“ soll „Lürssen“ sanieren.

    „German Naval Yards“ beschäftigt in Kiel etwa 500 Mitarbeiter. Der Kieler Betrieb und die ebenfalls zu „Privinvest“ gehörende Werft „Nobiskrug“ (ebenfall 500 Mitarbeiter) in Rendsburg haben in der Corona-Krise zum 1. April Kurzarbeit angemeldet.

    pal/dpa/gs

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    Werft, Marineschiffe, Marinemanöver, Kriegsmarine, Marineübung, Bundesmarine, Marine, Marine, Kiel, IG Metall, FDP, CDU, Johann Wadephul, U-Boote des ThyssenKrupp-Marine Systems, Thyssen-Krupp, ThyssenKrupp, Lürssen