23:44 10 Juli 2020
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    Ausländische Autohersteller nehmen die Arbeit in ihren Werken in Russland aktiv wieder auf. Die Assoziation des europäischen Business (AEB) hat eine Studie über den Verkauf von Autos und leichten Nutzfahrzeugen in Russland veröffentlicht. Was hat der „Schwarze April“ gezeigt?

    Aufgrund der restriktiven Maßnahmen wegen der Covid-19-Pandemie ist das Ergebnis logisch. Die Neuwagenverkäufe gingen im April 2020 um 72,4 Prozent bzw. um 102.089 Autos im Vergleich zum April 2019 zurück. Tatsächlich zeigten die Verkäufe im April einen Anti-Rekord für die gesamte Geschichte der Beobachtungen. Insgesamt wurden 38.922 Fahrzeuge auf dem russischen Markt verkauft. Inzwischen ist Russland trotz des Umsatzrückgangs zum zweiten Automobilmarkt in Europa geworden. Deutschland steht an erster Stelle: Dort lag der Quarantänerückgang bei 61 Prozent, Frankreich ist an dritter Stelle mit minus 88,8 Prozent, berichtet die analytische Agentur „Awtostat“.

    Experten haben den April 2020 als „Schwarzen April“ für das Automobilgeschäft bezeichnet. Sie sind sich einig, dass dieser Markteinbruch von den Händlern im Allgemeinen nicht unbemerkt bleiben wird und viele in Zukunft nicht mehr existieren werden. Thomas Sterzel, Vorsitzender des AEB-Ausschusses der Automobilhersteller und Porsche-Generaldirektor für Russland, kommentiert die Lage wie folgt:

    „Nach einem außergewöhnlich hohen Umsatz im März 2020 mussten die Händler im April im Zusammenhang mit der Situation um COVID-19 ihre Aktivitäten einstellen oder erheblich einschränken. Die russische Automobilindustrie verzeichnete den größten monatlichen Rückgang der Einzelhandelsumsätze in der Geschichte der von der AEB gesammelten Statistiken. Der ‚Schwarze April‘ hat der Liquidität der Händler und mittelfristig sogar ihrer Stabilität einen schweren Schlag versetzt. Um in der neuen Realität nah am Kunden zu bleiben, müssen wir alle neuen kreativen Formate für Kommunikation und Vertrieb ausprobieren. Trotz der Tatsache, dass sich die Händler auf einen Neustart vorbereiten, erwarte ich im Mai keine signifikante Umsatzsteigerung.“

    Indessen nehmen die europäischen Autohersteller ihre Arbeit aktiv wieder auf. Porsche, Lamborghini und Bugatti der Volkswagen Group wurden letzte Woche in Betrieb genommen. Auch Peugeot, Volvo, Mercedes-Benz, BMW und Ferrari nehmen die Produktion wieder auf. Es wird berichtet, dass die Fabriken zwar nicht voll ausgelastet sind, die Produktion jedoch schrittweise gesteigert wird.

    Wiederaufnahme der Produktion beim VW-Werk in Wolfsburg am 27. April 2020
    © REUTERS / Pool / Swen Pfoertner
    Eine gute Nachricht für die russischen Fabriken war der Beginn der Produktion von Unternehmen in Europa. Ersatzteillieferungen aus Europa sind für alle in Russland tätigen Unternehmen wichtig, für europäische Autohersteller jedoch von entscheidender Bedeutung.

    Das Volkswagen Werk in Kaluga musste die Produktion bereits vor der Ankündigung der Selbstisolation in Russland einstellen, da die Produktion in Europa gestoppt worden war. Denn für die Modelle Volkswagen Polo und Skoda Rapid waren keine Teile vorhanden. Nach Angaben des Volkswagen Konzerns Rus werden nach Wiederaufnahme der Produktion an allen Produktionsstandorten Maßnahmen zur Einhaltung strenger Hygienestandards getroffen. „Um jedoch ein angemessenes Produktionsvolumen aufrechtzuerhalten, sollte die Arbeit der Händler mit der Umsetzung aller von staatlichen Stellen geforderten Gesundheitsschutzmaßnahmen gestattet werden“, sagte Natalia Kostjukowitsch, offizielle Vertreterin von Volkswagen in Russland.

    Tadzio Schilling, der am 1. Mai 2020 das Amt des AEB-Generaldirektors  übernahm, ist zuversichtlich, dass das europäische Geschäft in Russland die Corona-Krise und ihre Folgen überwinden kann.

    „Angesichts des weit verbreiteten dramatischen Rückgangs der Wirtschafts- und Geschäftstätigkeit ist es äußerst wichtig, die Anstrengungen zur Unterstützung des Business zu vereinigen, die Entwicklung der aktuellen Situation ist zu einer Frage des Fortbestehens geworden. Ich bin sicher, dass wir alle zusammen diesen schwierigen Wochen und Monaten, die vor uns liegen, mit Würde standhalten können “, betonte der neue AEB-Chef.

    Die AEB ist in Russland seit 25 Jahren präsent. In dieser Zeit hat sich der Verband zur wichtigsten Repräsentanz ausländischer Investoren im Land entwickelt und vereint heute mehr als 500 Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftssektoren. 49 Auto- und Motorradmarken machen 98 Prozent des Neuwagenmarktes in Russland aus.

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    Tags:
    Assoziation der europäischen Geschäftstätigkeiten (AEB), VW-Konzern, Autoindustrie, Russland, Coronavirus