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    Die russischen IT-Unternehmen „MaximaTelecom“ und „ER-Telecom“ arbeiten an der Entwicklung von freien WiFi-Netzwerken in den Regionen Russlands. Die WLAN-Hotspots sind öffentlich und kostenlos, doch dafür mit Reklame gespickt. Von der Kooperation verspricht sich „Maxima“, das Metropolen längst dominiert, die Verzehnfachung der Werbeeinnahmen.

    Es gibt sie vereinzelt schon -  kostenlose WiFi-Netzwerke auf U-Bahnhöfen deutscher Großstädte. In Russland kann man allerdings, bei einer Metrofahrt etwa in den in russischen Metropolen Moskau oder Sankt Petersburg, relativ einfach und schnell auf kostenloses Wi-Fi zurückgreifen. In der Hauptstadt sollen nun zudem weitere 25.000 Hotspots geschaffen werden.

    In Zügen wird meist auf die WiFi-Ausstattung mit dem Hinweis „MT_free“ hingewiesen. „MT“ steht für den Konzern „MaximaTelecom“. Das Unternehmen aus Moskau ist auf Netzwerkausrüstung spezialisiert. 2004 gegründet, lenkt seit 2013 der 46-jährige russisch-armenischen Geschäftsmann Sergey Aslanyan die Geschicke von „Maxima“. 

    Vor sieben Jahren hat sich das Unternehmen bei einer öffentlichen Ausschreibung um die WiFi-Ausstattung der Moskauer Metro gegen die großen Telekommunikationskonzerne „MTS“, „Megafon“ und „Beeline“ durchgesetzt, weiß das Wirtschaftsportal OWC zu berichten. 2016 erhielt „MaximaTelecom“ auch den Zuschlag für die Aufrüstung der Sankt Petersburger Metro. Insgesamt hätten sich die Investitionskosten für die Moskauer Metro auf 1,5 Milliarden Rubel (rund 20 Millionen Euro) sowie für Sankt Petersburg auf 1,3 Milliarden Rubel belaufen.

    Flächendeckend und City-weit

    „Maxima“ hatte zudem erst im vergangenen Jahr die Ausschreibung für den WiFi-Betrieb in ganz Moskau gewonnen, schrieb die Zeitung „Kommersant“. Für 149,5 Millionen Rubel hat es den Zuschlag bekommen. Sein Konkurrent „Netbynet“ (gehört zu „Megafon“) verlangte 160,6 Millionen Rubel. Laut Vertragsbedingungen müssten die Arbeiten in der ersten Hälfte des Jahres 2020 abgeschlossen sein. Das kostenlose WiFi-Netzwerk der Stadt ist in allen Bezirken von Moskau mit rund 15.000 Punkten abrufbar. Ein einziger Betreiber sollte nunmehr die mögliche Integration von bis zu 25.000 Zugangspunkten gewährleisten, so der Pressedienst der Moskauer Informationstechnologieabteilung. „Maxima“ stattet seit 2020 auch die neuen Pendlerzüge der Moskauer Zentral-Diameter, die die City mit den Moskauer Oblast-Regionen verbinden, mit 430 kostenlosen WLAN-Hotspots und 1200 Bildschirmen für mobiles Online-Fernsehen in den Waggons aus.

    Personalisierte Werbung im Vorbeigehen

    Das Geschäftsmodell von „MaximaTelecom“ beruht grundsätzlich auf der Schaltung von Werbung, sobald sich die Nutzer mit ihrem Mobiltelefon im WiFi-Netzwerk anmelden. Werbefreien Zugang gäbe es auch, allerdings im kostenpflichtigen Abo. 

    Speziell auf Unternehmen zugeschnitten ist das sogenannte „Box-System“, welches bereits 2016 von Maxima auf den Markt gebracht wurde und es kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) ermöglichen soll, Werbung für Benutzer zu schalten, die einmal an ihrem Standort vorbeigekommen sind. Dabei wird dem Passagier bei der Verwendung des Metro-WiFi personalisierte Reklame zum Unternehmen in den sozialen Netzwerken, aber auch auf nahezu jeder angesteuerten Website angezeigt. So könnten neue Kundengruppen erschlossen werden – nach eigenen Angaben habe etwa das italienische Mode-Unternehmen „Benetton“ in Moskau seinerzeit über 17.000 Kunden zusätzlich in seinen Geschäften registriert.

    Mit neun Millionen Passagieren pro Tag in der Moskauer Metro sowie zwei Millionen Passagieren pro Tag in der Sankt Petersburger Metro bieten beide Städte eine hohe Attraktivität für die Einführung eines flächendeckenden WiFi-Netzwerkes und die Investitionskosten würden in wenigen Jahren eingespielt, rechnet der Außenwirtschaftsverlag OWC vor. 

    Netz-Erschließung der Regionen mit „ER“– Verzehnfachung der Werbeeinnahmen

    „Maxima“ plant derzeit zusammen mit dem auf die Ural-Region und die Millionenstadt Jekaterinburg fokussierten Netzwerkausrüster „ER-Telecom“ den Ausbau seiner Netzwerke in weiteren russischen Regionen. Denn im Landesinneren, also kleineren Städten und Gemeinden Russlands, sind Nutzer zumeist auf ihre Mobilen Daten ihres Telefonanbieters angewiesen. Öffentliche Netzwerke sind ähnlich wie in Deutschland seltener zu finden. Da in den Regionen nur etwa 60 Prozent der russischen Bevölkerung über mobiles Internet verfügten, bestehe ein besonderer Bedarf für kostenloses WiFi und - großes Potential für das Konzept von „MT_free“ im „Box-System“:

    Im Februar wurde das eigene Autorisierungs- und Monetarisierungssystem im öffentlichen WiFi-Netzwerk der „ER-Telecom“ Holding im  Jekaterinburg und Uljanowsk implementiert. Dort läuft ein Testlauf im öffentlichen Raum, wo „Maxima“ mit rund 800 „ER“-Zugangspunkten von dessen 18.000 öffentlichen WiFi-Punkten russlandweit, Museen, Restaurants, Bildungseinrichtungen und Märkte mit seiner Plattform ausstattet.

    Das Unternehmen geht davon aus, dass das neue Modell den Umsatz aus der Monetarisierung des Partnernetzwerks steigern wird: Die Kooperation soll beiden Unternehmen neben niedrigeren Investitionskosten eine Verzehnfachung der Werbeeinnahmen einbringen.

    Geplant ist nach diesem Vorbild zudem der Aufbau von öffentlichen Netzwerken in 37 weiteren Städten des Urals, Sibiriens und des Fernen Ostens.

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    Tags:
    Digitalisierung, WLAN, Telekommunikation, Internet, WiFi, Russland