22:27 04 Dezember 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    13612
    Abonnieren

    Der Verzicht der chinesischen Regierung auf ein Wachstumsziel hat offenbar einen Rückgang der Weltölpreise ausgelöst. Dies geht aus den Ergebnissen des Börsenhandels am Freitag hervor.

    Demnach verbilligt sich ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl um 9,4 Prozent auf 30,72 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent kostet mit 33,54 Dollar sieben Prozent weniger.

    Rückgang von Infrastruktur-Investitionen?

    Die Investoren wurden am Freitag offenbar auf die jüngsten Nachrichten aus China aufmerksam: Die chinesische Regierung verzichtete in diesem Jahr auf ein BIP-Wachstumsziel, das üblicherweise bei der Eröffnung einer Parlamentssitzung bekannt gegeben worden war. Das hat es noch nie gegeben, seit die Staatsführung in Peking 1990 solche Vorgaben eingeführt hatte.

    Dies ließ die Befürchtungen wieder auftauchen, dass die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie die Nachfrage nach Treibstoff in China, dem zweitgrößten Ölverbraucher der Welt, weiter reduzieren könnten:

    Chinas Verzicht auf die Festsetzung eines Wachstumsziels könnte so gewertet werden, dass Investitionen in die Infrastruktur weniger Bedeutung erhielten, sagte Stephen Innes, Chefstratege beim Broker AxiCorp gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Allgemein wurde am Rohstoffmarkt ein größeres Infrastrukturpaket vom Volkskongress erwartet, und deswegen droht nun eine Enttäuschung.“

    Beispiellose Entscheidung: China verzichtet auf Wachstumsziel

    Ministerpräsident Li Keqiang versprach am Freitag zur Eröffnung des jährlichen Volkskongresses aber gewaltige staatliche Ausgaben, um die schwer angeschlagene Konjunktur wieder auf die Beine zu bringen.

    Chinas Entwicklung sei mit vorhersagbaren Umständen konfrontiert worden, sagte Li vor den Parlamentsabgeordneten. Neben der Pandemie verwies er auf die Unsicherheiten im internationalen Handel. Binnennachfrage, Investitionen und Exporte seien rückläufig, betonte er. Der Druck auf den Arbeitsmarkt habe deutlich zugenommen, die Finanzrisiken seien angestiegen.

    Abhilfe schaffen soll nun ein immenses Konjunkturprogramm. Es geht um Infrastruktur-Projekte und Hilfen für besonders betroffene Firmen und Regionen. Die in Lis Bericht aufgelisteten Maßnahmen summieren sich nach Reuters-Berechnungen auf rund 4,1 Prozent des BIP. Vor diesem Hintergrund rechnet die Regierung für 2020 mit einem Anstieg des Staatsdefizits auf 3,6 Prozent des BIP von 2,8 im vergangenen Jahr.

    Im ersten Quartal war Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 6,8 Prozent eingebrochen. Es war der erste Rückgang seit Jahrzehnten.

    asch/ae/rtr/sna

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Enthüllungsplattform gegen CNN im Streit über vertuschte Biden-Affäre
    „Von Sahel über das Mittelmeer bis in den Osten“: Maas stimmt Deutsche auf Kooperation mit USA ein
    Grenzdurchbruch aus Ukraine: Bewaffnete Gruppe will nach Russland eindringen
    Tags:
    Rückgang, Ölpreise, Ölpreis, Ölförderung, Öl, China